20.12.2021

Lernplan erstellen – so klappt die Prüfungsvorbereitung im Studium

Ratgeber und Interview von Juliane Mischer

Die Feiertage stehen vor der Tür – und damit Zeit für Familie und Freund:innen und um Kraft zu tanken für das neue Jahr. Im Studium sind die kommenden Wochen aber auch wichtig, um sich auf die im Januar und Februar anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Viele Studierende fragen sich daher: Wie kann ich die Zeit „zwischen den Jahren“ gut nutzen? Wie lerne ich am besten für die Prüfungen?

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie einen Lernplan erstellen. Außerdem gibt es Tipps für die Prüfungsvorbereitung über die Ferien von Prof. Dr. Katja Ehrenberg. Die Diplom-Psychologin erklärt, wie Sie Lernen, Freizeit und Erholung unter einen Hut bekommen.

Ein Zeitplan hilft bei der Prüfungsvorbereitung

Die Prüfungstermine stehen fest und damit ist klar, wie viel Zeit zum Lernen bleibt. Und natürlich wollen Sie nicht alles auf den letzten Drücker machen! Einen Lernplan zu erstellen, hilft gegen Last-Minute-Lernstress. So gehen Sie dabei vor:

1. Überblick verschaffen

Um welche Studieninhalte wird es in der Prüfung gehen? Worauf liegt ein Schwerpunkt? Beantworten Sie sich diese Fragen und listen Sie den Lernstoff auf – am besten schon aufgeteilt in gut zu überblickende Einheiten. Das können Themen oder Kapitel sein, aber auch bestimmte Aufgaben in der Prüfungsvorbereitung wie die Zusammenfassung von Vorlesungsnotizen, die Bearbeitung von Probeklausuren oder Ähnliches.

2. Prioritäten setzen

Entscheiden Sie dann, was Sie schon gut beherrschen, wie umfangreich Sie die einzelnen Einheiten des Lernstoffes bearbeiten müssen und welche Sie tiefergehender wiederholen sollten. Darauf basierend setzen Sie Prioritäten und schätzen ein, wie hoch der Bearbeitungsaufwand einzelner Lerneinheiten ist.

3. Zeitplan erstellen

Einen guten Lernplan zu erstellen, beinhaltet auch immer, sich einen konkreten Zeitplan für die Prüfungsvorbereitung zu machen. Nehmen Sie sich Ihren Kalender für die Ferien und die darauffolgenden Wochen bis zum Prüfungstermin vor und tragen Sie ein, wann Sie welche Lerneinheiten angehen wollen. Planen Sie dabei realistisch und inklusive Pufferzeiten. Denn sich zu viel in zu kurzer Zeit vorzunehmen, macht unnötig Druck. Außerdem können Sie sich gezielt motivieren, indem Sie sich im Lernplan Abwechslung schaffen zwischen geliebten und weniger geliebten Fächern oder Themen, zwischen leichtem und schwerem Stoff.

Coronatipps

Vermerken Sie in Ihrem Kalender, wann Sie welche Lerneinheiten angehen wollen.

Katja Ehrenberg rät: „Beachten Sie auch Ihre persönliche Leistungskurve bei der Tagesplanung. Viele Menschen fühlen sich vormittags kognitiv am fittesten, andere können sich besser ab mittags oder nachmittags konzentrieren. Beobachten Sie sich ggf. für einige Tage und machen sich Notizen, wie wach Sie sich zu welcher Uhrzeit fühlen, z. B. in Form einer Verlaufskurve. Am besten legen Sie dann die anspruchsvollen oder ungeliebten Lernpäckchen in ihre Hochleistungsphase und andere Aufgaben (z. B. Literaturbeschaffung) in die übrige Zeit. Falls Sie ein ‚Mittagsloch‘ haben, sind Sie in bester Gesellschaft. Gönnen Sie sich eine kleine Siesta und starten Sie danach nochmal durch. So schaffen Sie mehr, als wenn Sie sich durchquälen. Viele Studierende profitieren auch davon, mit dem jeweils unangenehmsten Teil in den Tag zu starten und sich danach den schöneren Aufgaben zuwenden zu können.“

4. Pausen einplanen

Vergessen Sie in Ihrem Zeitplan für die Prüfungsvorbereitung nicht, Pausen und Pufferzeiten zu vermerken – sowohl für unvorhersehbare Ereignisse als auch für Festlichkeiten und Erholung.

„Mein Tipp: Belohnen Sie sich gezielt, wenn Sie eine Etappe in Ihrer Prüfungsvorbereitung erfolgreich abgeschlossen haben. Das kann ein schönes Essen im Freundes- oder Familienkreis sein, ein Konzert oder Sportevent, oder einfach ein ganz bewusst gemütlich gestalteter ruhiger Abend auf dem Sofa. Planen Sie solche ‚Inseln‘ am besten direkt von Anfang an mit ein, wenn Sie Ihren Lernplan erstellen und kennzeichnen Sie sie, wenn Sie mögen, mit einem passenden Icon“, empfiehlt Katja Ehrenberg.

5. Regelmäßige Checks vornehmen

Führen Sie sich in regelmäßigen Abständen vor Augen, was Sie schon geschafft haben. Das motiviert nicht nur, sondern kann auch rechtzeitig offenbaren, wenn eine Lerneinheit mehr Zeit in Anspruch genommen hat als geplant. In diesem Fall sollten Ihren Lernplan anpassen.

„Keine Panik, wenn Sie mal etwas mehr Zeit benötigt haben! Dafür sind die Pufferzeiten gedacht. Auch die Prioritäten erneut zu überprüfen, kann hilfreich sein. Es ist besser, an einer Stelle Abstriche zu machen, als sich in allen Fächern gleichzeitig zu verzetteln. Verzichten Sie nur bitte nicht auf Ihre Pausen, wenn Sie einmal in Verzug geraten, sondern halten Sie sich weiterhin Zeit für Schönes und echte Erholung frei. Sonst klappt nämlich irgendwann gar nichts mehr“, sagt Katja Ehrenberg.

Portrait von Katja Ehrenberg

Dipl.-Psych. Prof. Dr. Katja Ehrenberg ist Systemische Beraterin und Vertrauensdozentin an der Hochschule Fresenius in Köln.

Prüfungsvorbereitung: Tipps von Prof. Dr. Katja Ehrenberg

Liebe Frau Ehrenberg, wenn ich jetzt mit dem Lernen für die Klausuren im Januar anfange – bin ich dann spät dran? Wann sollte ich anfangen mit der Prüfungsvorbereitung?

„Am besten ist es natürlich, wenn Sie parallel zum laufenden Semester regelmäßig die Lehrveranstaltungen vor- und nachbereiten. So kann sich das Gelernte direkt konsolidieren und es wird Ihnen viel leichter fallen, die Inhalte später verdichtet aufzufrischen sowie in Probeklausuren oder in der Klausur selbst abzurufen. Wann der richtige Zeitpunkt für den Beginn der konkreteren Prüfungsvorbereitung ist, hängt von Anzahl, Art und Umfang der Prüfungen sowie von Ihren zeitlichen Kapazitäten pro Woche ab, da kann ich keine pauschale Empfehlung geben. Andererseits ist der beste Zeitpunkt mit wichtigen Dingen anzufangen fast immer: jetzt.“

Seit dem Semesterstart im Herbst liegen schon einige arbeitsreiche Monate hinter uns. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich über die Feiertage nicht nur lernen, sondern mich auch entspannen möchte?

„Auf gar keinen Fall, im Gegenteil. Je entspannter Sie sind, desto effektiver und effizienter werden Sie auch wieder lernen können.“

Welche Tipps für die Prüfungsvorbereitung über die Ferien haben Sie – zusätzlich zu dem, einen Lernplan zu erstellen? Wie gelingt es, die Balance zwischen Lernen und Freizeit zu schaffen?

„Indem man sich weder von dem einen noch von dem anderen über längere Zeit komplett vereinnahmen lässt. Auch hier gibt es keine pauschalen Patentrezepte. Für manche passt es besser, sich Lerntage und freie Tage vorzunehmen, für manche, jeden Tag ein paar Stunden was zu tun und den Rest dann mit gutem Gewissen genießen zu dürfen.“

Was kann ich tun, wenn sich der Lernstoff doch immer weiter aufstaut und ich nicht genug Zeit habe, um bis zur Prüfung alles Notwendige zu wiederholen?

„Setzen Sie Prioritäten. In welchem Fach ist für Sie das Verhältnis von Aufwand zu ‚Ertrag‘ am günstigsten? In welchem Fach ist Ihnen die Note (z. B. mit Blick auf Ihr angestrebtes Berufsfeld) am wichtigsten? Welche Prüfung blockiert Sie (z. B. als ‚Angstfach‘ ) beim zielgerichteten Lernen für andere Prüfungen? Im Notfall kann es auch eine kluge Entscheidung sein, ganz gezielt eine einzelne (!) Prüfung in den Nachholtermin zu verschieben, wenn diese sonst alle anderen überschattet. Innerhalb eines Faches kann es lohnen, ebenfalls einzelne Themen auszulassen, wenn diese überproportional viel Energie kosten. Sehen Sie sich noch einmal alle Hinweise zu möglichen Schwerpunkten der Prüfung, Lernkontrollfragen und ggf. Informationen aus vergangenen Prüfungen im gleichen Fach bei der gleichen prüfenden Person an.

Vor allem versuchen Sie, nicht den ganzen großen Berg auf einmal zu sehen. Der erschlägt und scheint nicht bewältigbar. Das ist ein wesentlicher Trick am Lernplan: Sie brechen das große Ganze auf kleine, handhabbare Päckchen herunter, die Sie Schritt für Schritt durcharbeiten können. Das ist nicht nur pragmatisch, weil es strukturiert, sondern auch besser für Ihr psychisches Wohlbefinden. Sie machen – wie Beppo Straßenkehrer bei Michael Endes ‚Momo‘ – einen Schritt, einen Atemzug und einen Besenstrich nach dem nächsten, und ehe Sie sich versehen, haben Sie die ganze Straße geschafft. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, denn dann denkt man, das schafft man nie.“

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