07.10.2020

Effektiv lernen mit der Pomodoro-Technik

Ratgeber von Ramona Kohlen

Für ein erfolgreiches Studium ist gutes Zeitmanagement ein großer relevanter Aspekt, aber eines der größten Probleme für die Produktivität stellen jegliche Formen der Ablenkung dar. Fokussiertes Arbeiten ist insbesondere in der heutigen Gesellschaft zunehmend problematisch, da gerade das Internet und dessen soziale Medien ein enormes Ablenkungspotenzial darstellen. Um die erforderliche Lernzeit des Studiums möglichst produktiv zu nutzen, bietet sich eine effektive Methode an: die Pomodoro-Technik.

Bei der Pomodoro-Technik handelt es sich um eine beliebte und einfache Methode aus dem Zeitmanagement. Sie verwendet kurze Arbeitsphasen, auf denen eine Pause folgt, um Konzentrationsschwierigkeiten, Ablenkungen und auch Prokrastination zu vermeiden. Die bietet somit eine unkomplizierte Möglichkeit zur Fokussierung sowie zu einem produktiveren Studienalltag.

Warum eine Lerntechnik?

Im Verlauf eines Tages unterliegt der Mensch Phasen unterschiedlicher Leistungsfähigkeit. Er hat Hochphasen, in denen er äußerst konzentriert arbeiten kann und Tiefphasen, in denen die Konzentration schwerfällt. Diese Phasen sind allerdings individuell, wodurch die durchschnittliche Leistungskurve als grober Maßstab dient. Experten sind sich dennoch einig, dass kleine Pausen innerhalb der Kurve notwendig sind, um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Mit Hilfe der Pomodoro-Technik entgeht man dem ständigen Drang sich ablenken zu wollen und steigert dadurch seine Produktivität. Und auch bei Motivationsschwierigkeiten, eine Arbeit anzufangen – also der berüchtigten Prokrastination – bieten diese vergleichsweise kurze Arbeitsphasen eine gute Möglichkeit, (endlich) zu starten.

Entstehungsgeschichte

Die Lerntechnik verdankt ihren Namen dem italienischen Erfinder Francesco Cirillo. Dieser unterteilte während seines Studiums in den 1980er Jahren produktive Phasen in kleinere Blöcke. Zur zeitlichen Messung verwendete der Student eine Küchenuhr in Tomatenform – der Grund für die Namensgebung, denn „Pomodoro“ bedeutet im Italienischen „Tomate“. Diese Uhr ließ sich auf 25 Minuten aufziehen, wodurch ein regelmäßiger Wechsel zwischen Lernphasen und entsprechenden Pausenzeiten entstand.

Die Pomodoro-Technik

Im ersten Schritt werden die Pomodoro-Einheiten vorbereitet. Hierbei wird eine Aufgabe ausgewählt, die sich innerhalb von 25 Minuten bearbeiten lässt. Die genauen Zeiteinheiten können jedoch variieren. Je nach Situation oder individuellem Arbeitsrhythmus kann die Arbeitsphase auch 15, 20 oder 30 Minuten umfassen.
Nun wird ein Timer auf 25 Minuten gestellt, um bis zum Weckerklingeln fokussiert zu arbeiten. In der Lern- und Arbeitsphase ist es von zentraler Bedeutung, Ablenkungen und Störungen jeglicher Art zu vermeiden.

Nach Ablauf der ersten 25 Minuten wird der bisherige Lernfortschritt markiert und die erste fünfminutige Pause beginnt. Diese fünf Minuten dienen nicht nur als rein zeitliche Grenze dazu, die Fokussierung auf die Arbeit zu erlauben. Sie erfüllen darüber hinaus eine wichtige Funktion bei der Erhöhung der eigenen Produktivität – Entspannung und Regeneration der Kräfte. Danach startet der nächste Pomodoro-Block. Nach vier Einheiten soll eine längere Auszeit von 20 bis 30 Minuten eingehalten werden.

Die Praxis

  1.  Es wird eine Aufgabe ausgewählt, die innerhalb des festgesetzten Zeitrahmens bewältigt werden kann. Größere Studienleistungen, zum Beispiel Hausarbeiten oder Klausurvorbereitungen, werden in kleinere Arbeitsschritte aufgeteilt. Das To-Do für die Einheit wird schriftlich festgehalten.
  2. Ein Timer wird gestellt. Um die Zeit zu messen, gibt es viele verschiedene Methoden. Von einer Küchenuhr über Kurzzeitwecker oder dem Handy bis hin zur speziellen Software. Es können auch Apps für die Pomodoro-Technik heruntergeladen werden. Wichtig ist hierbei, auch die Pausen zu messen und diese einzuhalten.
  3. Um fokussiert arbeiten zu können, ist es notwendig, jegliche Form der Ablenkung zu verhindern. Hierfür wird Familienangehörigen oder Mitbewohnern Bescheid gegeben. Zudem wird das Handy lautlos gestellt und weggelegt.
  4. Da der erwünschte Lernfortschritt zuvor festgelegt wurde, wird nun das Ergebnis abgehakt. Dies steigert die Motivation und ermöglicht zusätzlich einen Überblick zu erschaffen.
  5. Nun folgt eine fünfminütige Pause. Diese wird genutzt, um sich kurz zu bewegen, etwas zu essen oder einen Kaffee zu genießen. Die kurze Erholung sorgt folglich für einen erneuten, konzentrierten Einstieg in die nächste Pomodoro-Lerneinheit.
  6. Die ersten Schritte werden insgesamt viermal wiederholt. Danach folgt die längere Auszeit von 20 bis 30 Minuten, um dem Gehirn eine ausreichende Pause zu gönnen. Konzentrationssteigernd sind leichte Mahlzeiten oder ein Spaziergang an der frischen Luft.

Was bringt das Pomodoro-Lernen?

Sofern die einzelnen Schritte der Pomodoro-Technik gewissenhaft befolgt werden, können das Zeitmanagement und Arbeitsverhalten auf Dauer deutlich verbessert werden. So wird langfristig verhindert, dass umfangreiche und wichtige Prüfungsleistungen aufgeschoben werden. Insgesamt verspricht die Pomodoro-Technik eine bessere Work-Life-Balance. Denn umso produktiver und effektiver der Lernalltag gestaltet wird, desto eher kann die Freizeit mit einem ruhigen Gewissen genossen werden.

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