09.04.2021

KI in der Therapie – für mehr Effizienz und Barrierefreiheit

Beitrag von Janina Raeder

©sdecoret/stock.adobe.com

Künstliche Intelligenzen  (KI) werden immer häufiger Teil unseres Lebens. Von Chatbots bis hin zu selbstfahrenden Autos scheint dieser Technologie mittlerweile keine Grenze mehr gesetzt. Die Digitalisierung wirkt sich unmittelbar auf unseren Alltag aus – sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Dies gilt auch für verschiedene Arten von Behandlungen wie der Physiotherapie oder Logopädie, die zahlreiche Menschen täglich in Anspruch nehmen.

Programme und digitalisierte Abläufe können eine therapeutische Praxis oder eine Behandlung nicht nur effizienter machen, sondern auch zum Patientenwohl beitragen. Anika Thurmann, Absolventin des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften (M.Sc.), beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Thema der KI in der Therapie und hat nun durch ein tranSektoris-Stipendium zahlreiche Möglichkeiten, ihre Forschung voran zu bringen. Doch wie kann sich Künstliche Intelligenz eigentlich genau auf Therapien auswirken? Die Alumna berichtete uns nun von ihrer Arbeit als Logopädin und wie sie KI dort integrieren und etablieren möchte.

Die Digitalisierung in therapeutischen Berufen

Viele Menschen nutzen digitale Anwendungen in ihrem privaten und beruflichen Kontext/Umfeld. Die logische Konsequenz war also, solche Tools auch in die Therapie einzubinden. Mit digitalen Tools kann in einer therapeutischen Praxis viel Zeit eingespart werden – Zeit, die sich Anika Thurmann schlussendlich für ihre Patienten und Patientinnen nehmen kann. „Für die Patienten war das einfach zeitgemäß und viele haben das auch gefordert“ erläutert Thurmann und fügt hinzu: „Viele Betroffene wollten die verschiedenen digitalen Hilfen irgendwie auch in ihrer Therapie wiederfinden.“

Die Digitalisierung in ihrem Fachgebiet voranzubringen war der Grund, warum Anika Thurmann nach ihrer Ausbildung zur Logopädin und 12-jähriger Selbstständigkeit ein Studium begonnen hat. Im letzten Jahr hat sie ihren Master in Therapiewissenschaften (M.Sc) absolviert und währenddessen kam immer wieder die Frage auf, wie Therapie in Zukunft noch effektiver werden könne.

Alumna und Stipendiatin Anika Thurmann

„Oft hört man die Kritik, Digitalisierung habe in der Therapie nichts zu suchen, weil es die Therapie unpersönlich macht. Aber meiner Meinung nach macht die KI beispielsweise die Dokumentation viel leichter, sodass ich Zeit spare. Diese gewonnene Zeit kann ich qualitativ besser am Patienten verbringen. Das ist meine Hauptintention: Den Patienten besser in den Fokus stellen. Und die KI hilft mir dabei.“

In ihrer Masterarbeit ging die Alumna der Frage nach, wie „reif“ die Fachkräfte der Therapieberufe für die Digitalisierung seien. Eine Umfrage hat ergeben, dass erstaunlich viele Praxen die Digitalisierung und Automatisierung der alltäglichen Abläufe sogar begrüßen würden – ein Generationenkonflikt, wie man vermuten könnte, sei dies aber nicht. „Die, die das alles noch nicht wollten, waren nur ganz wenige. Die meisten waren gegenüber der Digitalisierung der Therapieberufe und -praxen sehr aufgeschlossen“ meint Anika Thurmann. Wichtig sei es nun, eine Möglichkeit zu finden, wie die Digitalisierung vermehrten Einfluss in den Therapiealltag nehmen kann. Hierzu bedarf es auch an simpleren Lösungen und vor allem Kompetenzentwicklung aller Beteiligten.

Welche Vorteile hat KI für die Therapie?

Durch die Digitalisierung von Praxen oder KI-Nutzung in der Therapie selbst, können Logopäden und Logopädinnen sowie andere Fachkräfte in Therapieberufen effektiver auf die Bedürfnisse ihrer Patienten und Patientinnen eingehen. Von der digitalen Sprechstunde bis hin zu Tools wie Sprachapps und mehr: Die Möglichkeiten sind auch in diesem Bereich vielfältig und noch längst nicht ausgeschöpft. Künstliche Intelligenzen oder digitale Programme können laut Thurmann dabei helfen, gewisse Muster zu erkennen oder Diagnosen zu filtern. Dadurch kann eine Therapie sowohl individueller als auch effizienter gestaltet werden. Auch Software zur Dokumentation von Therapien und digital unterstützte Behandlungen helfen im Arbeitsalltag.

Digitale Lösungen gäben Patienten und Patientinnen auch ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, so Thurmann. „Wenn die Menschen merken, dass sie auch „alleine“ Therapie machen können und nicht warten müssen, bis wieder Mittwoch 14:30 Uhr ist, dann gibt das Betroffenen ein Stück Selbstständigkeit zurück. Und wenn ich eben als Patient ein Mensch bin, der nachts die Therapie machen möchte, dann kann ich das eben machen. Der Patient soll spüren, dass er seine Therapie selbst in der Hand hat und diese auch steuern kann – das ist Empowerment der Patienten und Patientinnen “ sagt Thurmann.

Im tranSektoris Programm können sich Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen zu einem aktuellen Thema austauschen, gemeinsam Ideen und Lösungen entwickeln und interdisziplinär zusammenarbeiten. Das Stipendium ermöglicht nun zum zweiten Mal einer Absolventin der Hochschule Fresenius die kostenfreie Teilnahme an diesem Programm.

Das tranSektoris-Projekt

Dank des tranSektoris-Stipendiums kann sich Anika Thurmann nun darauf fokussieren, Konzepte für die Digitalisierung in der Therapie weiter auszuarbeiten sowie Menschen aus verschiedenen Gebieten wie der Politik, der IT und therapeutischen Bereichen hierfür an einen Tisch zu bringen.

Die Digitalisierung in der Therapie beginnt nicht nur bei den Patienten und Patientinnen und endet auch nicht bei den Therapierenden – zahlreiche andere Personen müssen involviert werden. Apps und Programme müssen entwickelt und das ganze Vorhaben gefördert werden.

Thurmann erhofft sich, dass sie mit dem tranSektoris-Projekt gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Forschung eine Digitalisierungskultur schaffen kann, die sich maßgeblich auf die Therapie der Zukunft auswirkt. Eine Lösung für alle Beteiligten ist das Ziel – auch für diejenigen, die Therapie als etwas Persönliches empfinden und KI daher lieber ausschließen würden.

An verschiedenen Thementagen haben die Teilnehmenden des tranSektoris-Programms beispielsweise im Gesundheitsministerium die Gelegenheit, mit Menschen aus der Politik zu sprechen. Durch tranSektoris treffen Leute des Gesundheitswesens auf Softwareentwickler und Politiker. Anika Thurmann vertritt im Projekt die Forschung und Wissenschaft und freut sich bereits auf den Austausch – vor allem auch mit IT-Unternehmen, die dringend benötigt werden, um digitale Lösungen für therapeutische Praxen zu entwickeln. „Mit dem Therapiewissenschaften-Studium und dem tranSektoris-Stipendium habe ich jetzt die Möglichkeit, politisch etwas zu verändern. Ich werde in Zukunft auch an dem Projekt „KI-Einsatz in der Sprachtherapie und Pflege“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung arbeiten und erfahren, wo die Stellschrauben für mehr Digitalisierung in der Therapie noch gedreht werden können“ erklärt Thurmann.

Mit ihren Projekten möchte sie nun noch mehr Barrierefreiheit für Therapien sowie für Betroffene im Alltag und in der Gesellschaft ermöglichen. Das, was die Corona-Pandemie in Form von digitalen Sprechstunden beschleunigt hat, möchte Anika Thurmann sinnstiftend fortführen. Für Patienten und Patientinnen aber auch für die Heilberufe selbst – und das sogar über die Landesgrenzen hinaus, denn ein internationaler Austausch würde der Digitalisierung in Deutschland einen großen Push geben. Davon ist Anika Thurmann überzeugt.

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