bunte Schattenbilder von Menschnköpfen

Selbsthilfe bei Aphasie – ein Forschungsprojekt wird umgesetzt

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung aufgrund einer Hirnschädigung. Etwa jede:r dritte Schlaganfallpatient:in leidet unter Aphasie. Zum Weltschlaganfalltag (29.10.2022) möchten wir Euch über unsere Forschung auf diesem Gebiet, dem shalk-Projekt, berichten.

Der Begriff Aphasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet Sprachlosigkeit. Wer von Aphasie betroffen ist, hat Probleme beim Sprechen und beim Verstehen von Gesprochenem sowie beim Lesen und Schreiben. Aphasie entsteht durch eine Erkrankung oder Verletzung des Sprachzentrums im Gehirn und ist nur sehr bedingt behandelbar. Die häufigste Ursache für Aphasie ist ein Schlaganfall. In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 200.000 Menschen einen Schlaganfall, ein Drittel von ihnen ist von Aphasie betroffen.

Das shalk-Projekt – Forschung an Fachhochschulen

Sprache ist unser Schlüssel zur Welt. Mit ihr treten wir in direkten Kontakt zu unseren Mitmenschen und sie ist in jedem Lebensbereich von zentraler Bedeutung. Eine plötzliche Aphasie kann das familiäre, soziale und berufliche Leben stark verändern.

Das BMBF unterstützt mit dem Programm „Forschung an Fachhochschulen“ die anwendungsorientierte, vornehmlich interdisziplinäre Forschung und Entwicklung sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs an Fachhochschulen.

In dem Forschungsprojekt shalk (Selbsthilfegruppenarbeit bei Aphasie zur Steigerung der Lebensqualität und Kompetenz) unter der Leitung der Hochschule Fresenius und der Katholischen Hochschule Mainz, in Kooperation mit der Ostbayrischen Technischen Hochschule Regensburg, finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, wurde untersucht, wie Selbsthilfegruppen bei Aphasie zur Steigerung der Lebensqualität und Kompetenz beitragen können. Dabei gab es Selbsthilfegruppen mit von Aphasie betroffenen Menschen und Selbsthilfegruppen mit deren Angehörigen.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt shalk

Interview aus 2016 mit Prof. Dr. Norina Lauer und Sabrina Ziehr (damals noch Kempf) über das shalk-Projekt.

Die vielversprechenden Ergebnisse der Forschung wurden 2019 im Rahmen eines Symposiums vorgestellt.

Umsetzung in die Praxis

Um Forschung nicht nur um der Forschungswillen zu betreiben und um die vielversprechenden Ergebnisse in die Praxis zu überführen, promoviert unsere Dozentin Sabrina Ziehr an der RWTH Aachen zum Thema „Mitbetroffen von Aphasie – Selbstaktualisierung und Lebensqualität durch psychosoziale Selbsthilfe-Unterstützungsgruppen für Angehörige“.

Sabrina Ziehr, die Mitarbeiterin im Forschungsprojekt shalk war, sieht sich heute in einer Verantwortung gegenüber den Interviewten. Sie hat mit den Teilnehmenden der Selbsthilfegruppen Interviews geführt und dabei auch eine Vertrauensbasis aufgebaut.

„Alle Interviewten waren froh, gehört zu werden und haben sehr offen und ehrlich geantwortet. Die Interviews waren zum Teil sehr intensiv und emotional.“

Sabrina Ziehr

Menschen, die von Aphasie betroffen sind bzw. deren Angehörige sind eine sehr heterogene Gruppe. Bei den Teilnehmenden des shalk-Projektes lag das Alter zwischen 38 und 80 Jahren, sie kamen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, hatten verschiedene Bildungsabschlüsse, Interessen, waren Eltern, Singles, verwitwet. Doch ist es für eine funktionierende Selbsthilfegruppe ausreichend, wenn sie nur die Aphasie verbindet?

Sabrina Ziehr machte während ihrer Arbeit mit den Angehörigen die Erfahrung, dass diese sich entgegen dem klassischen selbstgeleiteten Selbsthilfegruppensetting Input von außen wünschen, es also angeleitete Selbsthilfe- bzw. Unterstützungsgruppen sind.

Daher möchte sie im Anschluss an die Promotion eine Schulung für Gruppenleitungen entwerfen. Außerdem plant sie schon bald ein Manual für Multiplikatoren zu veröffentlichen, das zum Beispiel Beratungszentren zur Verfügung steht bei der Gründung von Selbsthilfegruppen.

„Mit meiner Arbeit hoffe ich, die Versorgung von Aphasie-Patient:innen und deren Angehörigen außerhalb des bestehenden Gesundheitssystems verbessern zu können.“

Sabrina Ziehr

Weitere Blogbeiträge