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01-07-2019 • Idstein

Tag der digitalen Lehre: Hochschule Fresenius zeichnet ihr Zukunftsbild

Wie führt eine Hochschule im Zeitalter der Digitalisierung ihre Studierenden zum größtmöglichen Lernerfolg? Wo macht der Einsatz neuer Medien Sinn, wo sind Grenzen gesetzt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Tag der digitalen Lehre der Hochschule Fresenius in Idstein. Eines ist sicher: Im Rahmen des Transformationsprozesses zur Hochschule der nächsten Generation ist die Digitalisierung neben der Internationalisierung einer der Megatrends.

Idstein. „Die Hochschule muss sich in der Art und Weise, wie wir Wissen vermitteln, verändern und neuen Bedürfnissen anpassen“, sagte Hochschulpräsident Prof Dr. Tobias Engelsleben in seiner Eröffnungsansprache. „Das klassische Hörsaalbild wird es nicht mehr lange geben. Wir arbeiten daran, Wissen über viele verschiedene Kanäle zu transportieren und den Wandlungsprozess von der reinen Präsenzhochschule zu einer Mixe-Mode-Hochschule erfolgreich abzuschließen.“ Wissen müsse derart zur Verfügung gestellt werden, dass es jeden Lerntypen erreicht. Im Mittelpunkt dürfe nicht mehr das Hörsaalkollektiv stehen. Stattdessen rücke immer mehr der individuelle Erfolg des Einzelnen in den Fokus. Olaf Pütz, Leiter des Zentrums für Hochschuldidaktik & E-Learning der Hochschule Fresenius sowie seit vielen Jahren Organisator des Tages der digitalen Lehre, ergänzte, dass es mit einer sinnvollen Implementierung der Digitalisierung möglich ist, „die Präsenzzeiten wertvoller zu machen.“ Die Vorlesung sei nicht mehr im Wortsinne zu verstehen, sondern weiche dem konstruktiven Diskurs, dem lebendigen Austausch. „Wenn Studierende schon mit dem zuvor – beispielsweise online – erworbenen Wissen an die Hochschule kommen, haben wir Raum für die Entfaltung kreativer Ideen.“

Vor der Digitalisierung als Selbstzweck warnte Prof. Dr. Marcus Kalz von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. „Die Technologie allein ist noch kein Transformationsfaktor für eine bessere Lehre“, sagt er in seiner Keynote. Er habe außerdem häufig beobachten können, dass Hochschulen versuchten, Digitalisierung für alle Bereiche „in einem Aufwasch“ durchzuführen, also gleichermaßen für Lehre, Forschung und Verwaltung. „Da es in allen Bereichen unterschiedliche Voraussetzungen gibt und sowohl Bedürfnisse als auch Prozesse ganz anders aussehen, ist eine solche Vorgehensweise zum Scheitern verurteilt.“ Wichtig seien zunächst die Ausarbeitung der richtigen Strategie sowie ein gesunder Mix aus Top-down und Bottom-up bei der Umsetzung. „Statt Silos mit Experten und Expertinnen sollte es einen breiten Diskurs unter allen Lehrenden geben. Deren Professionalisierung muss im Vordergrund stehen.“ Und: Die Hochschule muss sich klar werden, welche Ziele sie mit der Digitalisierung erreichen will. Möglich sind neben der reinen Wissenstransformation die Verbesserung des Lernerfolgs und die Verminderung des Workloads für die Lehrenden.

Was heute schon im Zusammenhang mit Virtual und Augmented Reality möglich ist, präsentierte Prof. Dr. Paul Grimm von der Hochschule Fulda in der zweiten Keynote des Tages. Hochschulen sind nach seiner Ansicht prädestiniert für den Einsatz entsprechender Technologien. „Sie eignen sich hervorragend für Praxistests und Trainings. Schüler und Studierende können Szenarien ohne Gefahren ausprobieren. Das ist gerade für Berufe mit einem hohen Verantwortungsgrad – man denke nur an den Gesundheitssektor immens wichtig.“ Außerdem ist durch das Tragen einer VR-Brille die Konzentration auf den vorgestellten Sachverhalt sehr groß. Im Medien- und Designbereich seien die möglichen Perspektivwechsel sehr reizvoll. Nicht zuletzt schont die Arbeit mit der Technologie wertvolle Ressourcen.

Anlässlich des Tages der digitalen Lehre zeichnete die Hochschule Fresenius vier interne Projekte mit dem „Lehrpreis 2019“ aus. Insgesamt gab es 15 Bewerbungen, die digitale Lehrmethoden und innovative Konzepte zum Inhalt hatten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich in begleitenden Workshops ein Bild davon machen, wie mit dem Einsatz von VR und Video Lernen lebendiger gestaltet werden kann.

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