Hochschule Fresenius
Angewandte Chemie - Bachelor (B. Sc.) in Vollzeit

Schwerpunkt Forensische Chemie

Ein Fall für CSI? - Forensik an der Hochschule Fresenius

Forensik ist in aller Munde – und im Fernsehen! Warum nicht – bei den Römern fanden Untersuchungen von Kriminalfällen, Verhandlungen und Urteilsverkündungen öffentlich auf dem Forum statt – der Name Forensik steht für all das, was zur Aufklärung von Verbrechen dient.

Im Fernsehen muss in einer Sendestunde gelingen, was in der Realität etwas mehr Zeit beansprucht. Wie lernt man dieses »Handwerk«, zu dem die Analytik, die Pharmakologie und die Toxikologie gehören? Wo sammelt man praktische Erfahrung bei der Bearbeitung »echter Fälle« und bei der Entwicklung und Anwendung forensischer Methoden?

Um seinen Studierenden und Schülern möglichst viele Wege in die Forensik zu eröffnen, hat der Fachbereich Chemie & Biologie mit langjährigen Partnern ein neues europäisches Netzwerk (EUFORTEN) gegründet. Die Studierenden und Schüler absolvieren forensische Praxissemester, Praktika und Abschlussarbeiten in einer Partnerinstitution.

Mitglieder des Netzwerks:

  • das Bundeskriminalamt in Wiesbaden
  • das Landeskriminalamt Hessen
  • die Nottingham Trent University (UK)
  • die Sheffield Hallam University (UK)
  • das King’s College London (UK)
  • die Universität von Pardubice (CZ)
  • die Karls-Universität Prag (CZ)
  • das Institute for Chemical Technology Prag (CZ)
  • die Masaryk Berufsschule Prag (CZ)


"Forensic Science" oder Kriminaltechnik ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Erforschung und Entwicklung neuer Methoden zur Verbrechensbekämpfung auseinandersetzt. Die Forensisch-Chemische-Analytik beschäftigt sich mit dem Nachweis von chemischen Substanzen wie zum Beispiel Kunststoffen, Fasern, Drogen, Medikamenten oder Metallen. Aber auch sogenannte Biomoleküle werden hier untersucht, vor allem Proteine, DNS oder Kohlenhydrate. Daher wundert es nicht, wenn viele der in diesem Teilgebiet der chemischen Analytik genutzten technischen Analysenmethoden Verfahren sind, die ebenso in der Bioanalytik, der pharmazeutischen- oder der Lebensmittel-Analytik Anwendung finden. Mit der sogenannten PCR-Technik (Polymerase-Chain-Reaction) kann nicht nur DNS, die an einem Tatort gefunden wurde, untersucht werden. Die PCR-Technik wird überall dort verwendet, wo geringe Mengen DNS vervielfältigt werden müssen. So findet diese Methode auch im Bereich der Krebsforschung Anwendung. Ein weiteres Beispiel ist die Chromatographie. Diese Aufreinigungsmethode wird überall dort genutzt, wo aus komplexen Stoffgemischen Einzelsubstanzen isoliert werden müssen.  Diese Einzelsubstanzen werden dann über spezielle Geräte - Detektoren-  nachgewiesen. Dabei werden physikalische Phänomene wie die Wechselwirkung von Licht und Materie oder die elektrische Leitfähigkeit angewandt.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Flyer zum Download

Forensik – Tradition bei Fresenius

Forensische Analytik und Lebensmittelanalytik sind zwei besondere Anwendungsfelder der chemischen und instrumentellen Analytik, deren Grundlagen gerade an der Hochschule Fresenius seit 1848 Tradition haben: Der Gründer, Carl Remigius Fresenius, erarbeitete forensische Verfahren, wie die zuverlässige Arsenanalyse für Vergiftungs-Straftaten und Mordfälle. Er war Gerichtsgutachter und publizierte zahlreiche einschlägige Arbeiten in seiner Zeitschrift für Analytische Chemie. Zu seinen Schülern zählte der berühmte Frankfurter Forensik-Spezialist Georg Popp, ein Mann, der später als »der Jäger« in die Geschichte der Forensik einging.

Angewandte Chemie (B.Sc.) – Schwerpunkt Forensik

Die forensische Chemie beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden, die zur Aufklärung von Straftaten eingesetzt werden. Am Tatort gefundene Spuren von Sprengstoffen, Drogen oder DNA werden mit Hilfe von chemischen oder biologischen Analyseverfahren untersucht. Die Lehrveranstaltungen Biochemie, Toxikologie und Instrumentelle Analytik vermitteln konkretes Grundlagenwissen der Forensik, notwendige Stoffkenntnisse sowie Analysemethoden.

Das berufspraktische Semester (5.Semester), das Fallstudienpraktikum (6.Semester) und die Bachelorarbeit (8. Semester) des achtsemestrigen Studiengangs Angewandte Chemie (B.Sc) bieten Raum für Projekte zu verschiedenen Themengebieten der forensischen Chemie:

Einige Beispiele für Projektthemen:

  • Forensische Analytik von Mikrospuren und chromatographische Identifikation von Sprengstoffen
  • Charakterisierung von Tinte in forensischen Dokumenten
  • Analytik von Schusswaffenrückständen
  • Erstellung einer Datenbank in der Drogenanalyse
  • Nachweis von Drogenspuren auf Banknoten
  • Isotope Ratio-MS-Untersuchung von Haaren und Fingernägeln zur Herkunftsbestimmung
  • Recovery of forensic evidence from bullets and casings

 

Seit 1996 haben viele Studierende forensische Praxis erwerben können. Die ersten Studierenden im Rahmen von EUFORTEN haben im Wintersemester 2013/14  sechs Studierende das fünfmonatige berufspraktische Semester (5. Semester) in einer der Partner-Institutionen absolvieren können. Sie sammelten berufspraktische Erfahrungen an der Technical University Prag, am London King’s College, an der Jagiellonian University Krakau, an der Nottingham Trent University und im Bundeskriminalamt in Wiesbaden.
Studenten und Absolventen berichten von Ihren Praxiserfahrungen am King's College in London:

Forensik im Master-Studiengang

Im englischsprachigen Master-Studiengang Bio- and Pharmaceutical Analysis (M.Sc.) wird unter anderem im Modul »Clinical and Forensic Analysis« die Thematik vertieft.

Forensik in den Ausbildungen und Fortbildungen

Die Forensik spielt auch in anderen Ausbildungs- und Studienprogrammen des Fachbereichs Chemie & Biologie eine große Rolle: Innerhalb der Ausbildung zum Chemisch-Technischen Assistenten werden grundlegende analytische Methoden, wie sie in der Forensik angewendet wird, ebenso vermittelt wie in der beruflichen Fortbildung zum Chemietechniker.
Obwohl viele in der Forensik genutzte Methoden voll automatisiert sind,  werden trotzdem geschulte Fachleute benötigt, um die Geräte zu bedienen oder die Proben vorzubereiten. Gerade in der Probenvorbereitung passieren die meisten Fehler, denn hier wird fundiertes chemisches Stoffwissen und eine gute handwerkliche Basis verlangt.
Diese Fähigkeiten vermittelt die Hochschule Fresenius in den Ausbildungen zum Biologisch-Technischen Assistenten, dem Chemisch-Technischen Assistenten und den Fortbildungen zum Chemietechniker Im Verlauf dieser Ausbildungen lernen Sie die wichtigen Analysegeräte zu bedienen, verstehen ihre Anwendung und die physikalischen Grenzen der Anwendbarkeit, lernen im Labor die essentiellen Grundfertigkeiten wie pipettieren, einwiegen und Volumen messen. Sie erarbeiten sich ein solides Stoffwissen in den Vorlesungen Physikalische Chemie, Organische Chemie, Biochemie und Anorganische Chemie. Darüber hinaus erhalten Sie die Gelegenheit, das Erlernte direkt im Betriebspraktikum in einem unserer Partnerlabore anzuwenden.

Forensik für den Unterricht – Bausteine im EU-Projekt CITIES der Hochschule Fresenius

2006-2009 erarbeitete eine europäische Partnerschaft unter Führung des Fachbereichs Chemie & Biologie der Hochschule Fresenius im Projekt CITIES (Chemistry and Industry for Teachers in European Schools) Bausteine für den Chemieunterricht zum Thema Forensik.

Auf der CITIES-Webseite finden Sie fertig erstelltes und getestetes Lernmaterial: Eine Einführung in die Forensik, praktische Laborversuche zur Forensik mit einfachen Mitteln, einen konkreten Kriminalfall zum Lösen, ein Gruppenpuzzle und ein Lernprogramm zur Forensik.