07.12.2020

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – Berufspraktisches Semester auf Teneriffa

Beitrag von Barbara Debold

Unsere Studentin Julia Gawron studiert im 7. Semester Angewandte Chemie für Analytik, Forensik und Life Science (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius in Idstein. Ihr berufspraktisches Semester hat sie auf Teneriffa gemacht und war dort in der Universidad de La Laguna in einer Forschungsgruppe für „Angewandte Analytik“.

Zur Bedeutung von internationaler Erfahrung im Studium hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in der vergangenen Woche eine neue Studie veröffentlicht. Daraus wird deutlich erkennbar, dass internationale Erfahrungen im Studium allgemein als gute Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in die berufliche Karriere gelten. „Sich der Herausforderung eines Auslandsaufenthaltes zu stellen, über den eigenen Tellerrand zu blicken und an interkulturellen Erfahrungen zu wachsen, ist aus DAAD-Sicht ein zentraler Bestandteil für eine erfolgreiche Karriere in der Wissenschaft“, sagte DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjeen in einer Pressemitteilung.

Julia Gawron hatte sich auf zwei Forschungsgruppen bei der Universität La Laguna auf Tenerifa mit den Unterlagen der Hochschule Fresenius beworben. Diese Universität ist die älteste Universität (1792) auf den Kanarischen Inseln. Da sich beide Forschungsgruppen für sie entschieden hatten, konnte sie sogar ihr Ziel auswählen. Sie hat sich für die Forschungsgruppe „Angewandte Analytik“ entschieden und arbeitete dort zum Thema „Überwachung von Mikroplastik auf Playa Grande“, einem Strand im Südwesten von Teneriffa. In diesem Forschungsauftrag wurden Proben sortiert, per Hand gezählt und mittels FT-IR-Spektrometer identifiziert.

Aufgrund der Lage ist der Strand Playa Grande, der am Meisten von Verunreinigungen betroffene auf ganz Teneriffa. Über die kanarischen Strömungen gelangt der Müll an den Strand. Durch die Beprobungen wurde eine Proportionalität zwischen der Windstärke und der Plastikmenge festgestellt. Desto stärker der Wind, desto mehr Plastik am Strand. An nur einem Tag im November, unter gleichen Beprobungsparametern wie in den anderen Monaten, wurden einmal 3.487 Mikroplastikstücke gefunden. An diesem Tag war der Strand nicht wieder zu erkennen durch das viele Plastik. Im ersten Moment sah es nach vielen Steinchen aus, aber bei genauem Hinsehen, erkannte man, dass es Plastik war.

Durch die Arbeit mit Mikroplastik versucht Julia Gawron heute ihren Alltag plastikfreier zu gestalten, da sie die Konsequenzen vom Plastikkonsum direkt vor Augen hatte.

Angeschwemmte Plastikverunreinigungen am Strand Playa Grande, Teneriffa
Angeschwemmte Plastikverunreinigungen am Strand Playa Grande, Teneriffa
HPLC-UV
HPLC-UV

In einem zweiten Thema beschäftigte sie sich mit der Entwicklung einer umweltfreundlichen Methode für die Analyse von Phthalaten mit Verwendung eines tief eutektischen Lösemittels und HPLC-UV.

Im ersten Schritt wurden Experimente gemacht, um das eutektische Lösungsmittel (DES) zu finden, welches sich zur Phthalatextraktion eignet. Das Ergebnis war die Kombination aus Menthol und Essigsäure. Es folgten Optimierungsschritte der Extraktion. Die besten Ergebnisse wurden erzielt bei einer Temperatur bei 21°C, mit einem pH-Wert von 8 und einminütigem Durchschütteln mit der Hand sowie der Nutzung von 100 μl von dem DES zur Extraktion für eine 20 ml Wasserprobe.

Der zweite große Schritt war die Optimierung einer HPLC-UV Methode mit den Analyten, um zum Beispiel den optimalen Gradienten zu finden.

Diese Methode wird verwendet, um Phthalate in Leitungswasser, Wasser und andere Getränke aus Plastikflaschen nachzuweisen und zu quantifizieren.

Da in den Forschungsgruppen international zusammengearbeitet wurde, lief die Kommunikation in englischer Sprache, was für Julia Gawron kein Problem war. Außerdem hatte sie im Vorfeld einen Spanischkurs belegt. Mit diesen Grundkenntnissen kam sie dann im Alltag gut zurecht.

In ihrer Freizeit konnte Julia Gawron die Vielfältigkeit Teneriffas erkunden. Sie besuchte Städte und genoss die Strände. Auch die Wanderungen im Anaga-Gebirge begeisterten sie. Das Nachtleben in La Laguna ist typisch für eine Studentenstadt, dort gibt es viele kleine Bars, gute Musik und günstige Getränke.

Julia Gawron schaut auf La Laguna

Julia Gawrons Fazit: „Ich hatte das erste Mal einen Einblick in eine Forschungsgruppe und die Faszination für ihre Projekte war bewundernswert. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, egal zu welchen Uhrzeiten. Es gab keinen festen Feierabend zu einer bestimmten Uhrzeit, sondern wir haben uns Tagesziele gesetzt und wenn diese erledigt waren, waren wir fertig mit der Arbeit. Das bedeutete manchmal lange Abende im Labor, trotzdem war die Stimmung immer gut. Ich bin sehr froh in dieses Team gekommen zu sein und mit ihnen an aktuellen Themen gearbeitet zu haben.

Ich empfehle jedem Studenten sein berufspraktisches Semester im Ausland zu machen, da es eine große Chance ist, eigene Englischkenntnisse zu verbessern und ein neues Land mit seiner Kultur kennenzulernen. Zudem habe ich dort neue Kontakte geknüpft, die mir die Möglichkeiten bieten, vielleicht dort meine Abschlussarbeit zu schreiben.“

Zurück zum Seitenanfang