11.02.2021

Pioneer Program Teilnehmer systolics entwickelt Abrechnungs-Software für Ärzte

Interview von Marco Nebgen und Nadja Riedel

Das Abrechnungssystem von Ärzten ist häufig mit einem hohen zeitlichen und administrativen Aufwand verbunden. Um den Arbeitsalltag in Praxen zu erleichtern, hat systolics eine Software entwickelt, die zur Abrechnungs-und Dokumentationsoptimierung dient. Hinter systolics stehen die beiden Geschwister Lara und Uli Kaulfuß. Wir haben uns mit den Teilnehmern des Pioneer Program unterhalten und deren Geschäftsmodell genauer betrachtet.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Uli Kaulfuss: systolics ist eine Cloud Software, die niedergelassene Ärzte bei der Bewältigung der Bürokratie hinsichtlich der hochkomplexen Abrechnungsprozesse unterstützt. Mit unserer Software analysieren wir die ärztlichen Abrechnungen kontinuierlich und schlagen Verbesserungsvorschläge vor, die die Arztpraxis nach medizinischer Bewertung umsetzen kann.

 

Was sind eure Besonderheiten/USP?

Uli Kaulfuss: Wir bringen die Automatisierung in das Erlösmanagement niedergelassener Ärzte, da genau dieses Thema momentan noch ein schmerzender Punkt in der Gesundheitsbranche ist. Hierbei sehen wir uns allerdings nicht als Konkurrenz für Beratungshäuser und deren klassischen Beratungsansatz. Vielmehr arbeiten wir in einigen Fällen genau mit solchen Dienstleistern zusammen, um mit schlauer Technologie gemeinsam mit den Beratern den größten Mehrwert in den Praxen umsetzen zu können. Beispielsweise kann diese Kollaboration dann so aussehen, dass wir einer Praxis unsere Software zur Verfügung stellen und ein Berater den Benutzern der Software erklären, wie sie diese optimal in ihren Arbeitsalltag integrieren.

 

Wichtiger als die Idee an sich sind ja bekanntlich die Köpfe hinter dem Ganzen. Stellt euch doch mal kurz vor.

Uli Kaulfuss: Meine Schwester und ich haben systolics gemeinsam gegründet. Sie studiert zurzeit Betriebswirtschaft in Oestrich-Winkel bzw. in Schweden. Ich selbst war vorher einige Zeit in der Unternehmensberatung, wo ich mich mit den Bereichen Machine Learning und Data Analystics beschäftigt habe.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Uli Kaulfuss: Unsere Mutter ist selbst Allgemeinmedizinerin. Dadurch haben wir mitbekommen, dass gerade in dem Bereich, in dem wir arbeiten, großes Verbesserungspotential besteht. Wir konnten hier unsere gemeinsamen Stärken aus Betriebswirtschaft und Technologie sehr gut kombinieren, um im Praxisalltag Prozesse zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen. In der Konsequenz, auch andere Praxen mit technologischen Lösungen den Alltag zu vereinfachen, haben wir systolics gegründet.

 

Wie funktioniert euer Geschäftsmodell?

Uli Kaulfuss: Auf viele Dinge sind wir ja bereits eingegangen. Wir bieten unterschiedliche Produkte an. Wenn unsere Software der Praxis einen messbaren Mehrwert bietet, bspw. durch Vorschläge, die der Arzt schlicht vergessen hat – berechnen wir eine Erfolgsbeteiligung. Andere Produkte bieten wir als Software-as-a-Service-Abonnement an.

 

Wie finanziert ihr euch?

Uli Kaulfuss: Komplett aus privaten Mitteln und unseren ersten Umsätzen.

 

Welchen Herausforderungen steht ihr momentan gegenüber?

Uli Kaulfuss: Die technische Entwicklung schreitet sehr gut voran. Unsere Challenge ist momentan der Vertrieb, da es wichtig ist, dass wir dort auch noch weitere, nachhaltige Erfolge erzielen und weiter wachsen.

Wie seid ihr auf den Accelerator des Pioneer Labs aufmerksam geworden?

Uli Kaulfuss: Durch ein Lunch & Learn Format des Pioneer Labs. Max Faust hat mich darauf aufmerksam gemacht und so kam eins zum anderen.

systolics Logo

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Accelerator Program gemacht?

Uli Kaulfuss: Uns haben die Workshops sehr gut gefallen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch von den Leuten, die diese gehalten haben. Außerdem hat uns das Mentoring enorm weitergeholfen. Beispielsweise bei der Challenge im Vertrieb waren die Tipps von Dennis Lotter sehr hilfreich. Auch die Tatsache immer wieder den Fokus im Alltag zu setzen, war ein weiteres Learning. Im Gründeralltag ist genau das manchmal sehr anspruchsvoll – sich auf die wirklich wichtigen Sachen immer neu zu fokussieren.

 

Habt ihr schon einmal daran gedacht aufzugeben?

Uli Kaulfuss: Natürlich gibt es Tage an denen es auch mal etwas stressiger wird und der Workload nicht unerheblich ist. So ist das als Gründer. Einen Moment, in dem ich wirklich mal gesagt habe: „So, jetzt ist Schluss“ gab es allerdings (noch) nicht.

 

Du meintest vorhin, dass deine Schwester zurzeit studiert. Wie gestaltet sich dort das Zusammenspiel mit dem Start-up?

Uli Kaulfuss: Nun ja, durch wenig Schlaf und ein gutes Zeitmanagement. Außerdem unterstützen wir uns natürlich gegenseitig, was den Spagat gut möglich macht.

 

Hast du irgendwelche Vorbilder oder Gründer, die du gerne mal treffen möchtest?

Uli Kaulfuss: Also, dass ich jetzt sage, dass ich gerne mal Elon oder Jeff treffen will ist nicht der Fall. Ich habe viel eher Respekt vor Leuten, die in eine Gründung alle zur Verfügung stehenden Ressourcen reinstecken und wirklich ihre Pläne verfolgen.  Solche Menschen bewundere ich.

 

Was möchtet ihr gründungsinteressierten Studenten mit auf den Weg geben?

Uli Kaulfuss: Den Spagat zwischen kritischer Selbstreflektion und mutigem Handeln bewusst zu verbessern. Auf der einen Seite ist es wichtig immer wieder kritisch zu hinterfragen, ob meine Vorstellungen und Annahmen auf realistischen Tatsachen beruhen. Wenn das gegeben ist, sollte man aber auch den Mut haben, Dinge einfach mal auszuprobieren.

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