02.10.2020

„Lächeln kann Wunder bewirken“

Interview von Juliane Mischer

Heute ist der „Tag des Lächelns“, ins Leben gerufen von Smiley-Erfinder Harvey Ball. Lächeln wird weltweit als Ausdruck von Freude, Offenheit und guter Stimmung erkannt. Wenn wir lächeln, bilden sich kleine Falten um unsere Augen und unsere Mundwinkel ziehen sich nach oben. Erst diese gesamte Mimik macht das Signal eindeutig – oder?

Wenn wir heute das Haus verlassen, sehen wir den Mund unseres Gegenübers oft nicht. Zur Eindämmung der Coronapandemie ist die Mund-Nasen-Bedeckung allgegenwärtig. Was bedeutet das eigentlich für unsere Kommunikation? Leidet der direkte Austausch mit anderen? Antworten und Tipps für eine erfolgreiche Kommunikation gibt Prof. Dr. Peter Bak, Diplom-Psychologe und Dozent im Studiengang Psychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius Köln.

Herr Prof. Bak, wir können uns heute sogar unseren eigenen lächelnden Mund auf eine Alltagsmaske drucken lassen. Ist das wirklich notwendig? Erkennen wir ein Lächeln nur, wenn wir das ganze Gesicht unseres Gegenübers sehen?

Jein. 😉 Wenn wir wirklich lächeln, dann lacht tatsächlich das ganze Gesicht. Neben der Muskulatur um den Mund beispielsweise auch jene um die Augen. Auch die Haut an den Wangenknochen wird nach oben gezogen. Diese Orchestrierung der Gesichtsmuskulatur ist dann auch ein gutes Erkennungszeichen dafür, dass unser Gegenüber echt und zum Beispiel aus Freude lächelt. Nur beim falschen Lächeln bzw. falscher Freude spannen wir nicht alle Gesichtsmuskeln an, weil wir diese nicht alle bewusst steuern können. Insofern haben wir auch mit Maske eine Chance, das Lächeln des anderen zu erkennen. Aber dennoch, weil wir in dem Fall weniger Informationen haben, können wir uns eben auch irren bzw. kann uns der andere auch ein falsches Lächeln zeigen und wir bemerken das nicht. Wenn wir uns also einen lächelnden Mund auf die Maske drucken lassen, dann erfüllt das ungefähr die Funktion eines Emojis, bei einer Textnachricht, bei der wir ja auch die Mimik des anderen nicht wahrnehmen.

Welche Rolle spielen Lächeln und Mimik grundsätzlich in der Kommunikation?

Eine sehr große Rolle. Zum einen gibt uns die Mimik des anderen grundsätzlich Rückmeldung darüber, ob und was unser Kommunikationspartner von dem versteht, was wir da gerade sagen oder nonverbal ausdrücken. Wir können dann unsere Kommunikation darauf abstimmen. Zum anderen ist gerade das Lächeln für die Entstehung von Sympathie von besonderer Bedeutung. Wenn uns jemand anlächelt, dann lachen wir zurück, das verbindet und erzeugt Nähe und Intimität. Und selbst, wenn wir uns mal gestritten haben, dann kann Lächeln Wunder bewirken und herrlich entwaffnend sein.

Wie einfach oder schwer ist es, sich an die durch die Mund-Nasen-Bedeckung veränderte Kommunikation zu gewöhnen?

Das geht im Alltag eigentlich ganz gut. Das liegt daran, dass wir in der Regel in den Fällen, in denen wir die Maske tragen und mit anderen kommunizieren, oft nur Informationen austauschen. Schwierig wird es dann, wenn wir Freunde treffen oder komplexere Informationen austauschen möchten. Mit Maske beispielsweise Ironie zu zeigen, Skepsis zu demonstrieren oder gar zu flirten, das wird schon schwieriger.

Welche Tipps haben Sie für eine erfolgreiche Kommunikation mit Maske?

Da haben wir nicht viele Möglichkeiten. Wenn wir uns aber im Klaren darüber sind, dass die Kommunikationsbedingungen schwieriger als gewohnt sind und im Vorfeld die Möglichkeit von Missverständnissen bedenken, dann ist das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Dann sind wir vielleicht auch weniger kritisch, wenn unser Gegenüber einmal nachfragt. Ansonsten müssen wir dann wohl im wahrsten Sinne Hände und Füße zur Unterstützung nutzen. Ich bin da aber eigentlich ganz guter Dinge, dass wir das problemlos meistern.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was bringt Sie zum aktuell zum Lächeln?

Meine Kinder schaffen das eigentlich immer.

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