02.11.2021

Wie sauber ist unser Wasser?

Interview von Janina Raeder

Fließendes Leitungswasser höchster Qualität zur Verfügung zu haben, ist in Deutschland zur Gewohnheit geworden. Wir drehen den Wasserhahn auf und frisches Wasser kommt. Doch wie sauber und rein ist es tatsächlich? Welche Spurenstoffe befinden sich im Wasserkreislauf, das heißt im Abwasser, in unseren Flüssen oder gar im Trinkwasser?

An unserem Wissenschaftstag am 03. November bringt Dr. Daniel Zahn, Wissenschaftler am Institute for Analytical Research an der Hochschule Fresenius, gemeinsam mit dem Institutsleiter Prof. Dr. Thomas Knepper Licht ins Dunkel. Der Vortrag „Polare organische Spurenstoffe in Gewässern/Abwässern“ geht der wichtigen Frage auf den Grund, was denn in unserem Wasser außer Mineralien noch drinsteckt. Eine anschließende Diskussionsrunde lädt zum fachlichen Austausch ein. Vorab gibt Prof. Dr. Knepper einen Überblick über die aktuelle Forschungslage.

Wie genau hat sich die Erforschung unseres Wassers in den letzten Jahren verändert und was versteht man unter polaren organischen Spurenstoffen?

Wir untersuchen Wasser nun bereits seit fast 30 Jahren auf organische Spurenstoffe. Das sind Substanzen, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften ähnlich dem Wasser selbst verhalten und somit nur in unzureichendem Maße aus dem Wasser entfernt werden können. Mit modernster instrumenteller Analytik kommt man diesen Spurenstoffen auch in geringen Probemengen von wenigen µl auf die Spur. Wir untersuchen das Wasser auf bekannte, aber auch auf unbekannte Substanzen und nutzen hierfür den Fortschritt der Digitalisierung wie zum Beispiel KI bei der Ergebnisauswertung. Unser Wasser wird im gesamten Wasserkreislauf beobachtet und analysiert. Dadurch haben wir beispielsweise herausgefunden, dass manche Spurenstoffe unter anderem bei der Wasseraufbereitung gebildet werden.

Das ist ja interessant! Kann man auch als Laie die Reinheit des Wassers in seiner Stadt irgendwo einsehen oder erfragen?

Ja, in der Regel kann man die Routineparameter beim Versorger erfragen.

Und können wir selbst etwas zur Qualität des Trinkwassers beitragen?

Definitiv! Regulierungen und steigendes Umweltbewusstsein haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass unser Leitungswasser von hoher Qualität ist und bleibt. Wir selbst können täglich etwas dafür tun, dass das so bleibt. Vieles im Haushalt wie beispielsweise Wasch- und Reinigungsmittel kann in geringeren Mengen verwendet werden. Am besten ist es, wenn man auf Produkte zurückgreift, die beispielsweise auch auf Mikroplastik möglichst verzichten. Darüber hinaus sollten wassergefährdende Stoffe wie Lacke oder Farben als Sondermüll und Arzneimittel nicht in der Toilette entsorgt werden. Das alles trägt zur Reinheit unseres Wassers bei.

Apropos Mikroplastik – vor etwa zwei Jahren haben Sie bereits von Mikroplastik auf dem Mond berichtet. Wie sieht es denn damit auf der Erde aus?

Portrait von Dr. Knepper
Prof. Dr. Thomas Knepper, Professor und Dekan im Fachbereich Chemie & Biologie

Im Wasserkreislauf wird Mikroplastik überwiegend gut entfernt. Offene Fragen sind derzeit beispielsweise die Entfernbarkeit von Nanoplastik und polaren organischen Stoffen, die aus synthetischen Polymeren „herausgewaschen“ werden. Hierzu forschen wir erfolgreich. Mehr dazu berichten wir auch in unserem Vortrag beim Wissenschaftstag am 03. November.

Wer mehr zum Thema polare organische Stoffe im Wasser wissen möchte, kann sich am 03. November um 17.40 Uhr via Zoom zuschalten und sich nach dem Vortrag auch gerne an der Diskussion beteiligen oder Fragen stellen.

Sie fragen sich, was es mit dem Mikroplastik auf dem Mond auf sich hat?

Erfahren Sie hier mehr über das Thema in unserem Video:

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