„Ich kann ein Auslandssemester jedem (Online-)Studierenden weiterempfehlen“

Katja wohnt in München und studiert Betriebswirtschaftslehre im Fernstudium. Im Wintersemester 2018 hat sie den Schritt ins Ausland gewagt und ein Erasmus+ Semester in Lissabon verbracht. Im Beitrag berichtet sie, was sie dabei erlebt hat und worauf es zu achten gilt.

Entscheidung und Bewerbung

Als Online-Studierende mit Vollzeitjob dachte ich eigentlich lange Zeit nicht daran, ein ERASMUS-Semester zu absolvieren, zu vieles hat mich an München gebunden. Doch viele meiner Freunde, die durch das ERASMUS+ Programm ein Semester im Ausland studierten, haben von so vielen schönen Erlebnissen erzählt, dass ich neugierig geworden bin und mich gefragt habe, ob das auch für mich eine Möglichkeit wäre.

Deshalb habe ich mich im International Office der Hochschule Fresenius erkundigt, ob es diese Möglichkeit denn auch für Online-Studierende gäbe. Zunächst musste bei der ERASMUS-Fachtagung geklärt werden ob Online-Studierende mit den EU-Mitteln gefördert werden können. Nachdem dies final geklärt werden konnte, habe ich mich für ein ERASMUS-Semester an der ISCEM in Lissabon beworben. Hierbei wurde ich jederzeit sehr gut durch das International Office unterstützt.

Sobald die Zusage des ISCEM kam war ich sehr glücklich. Nicht nur, weil dies bedeutete, dass ich fünf Monate in Lissabon leben würde, sondern auch, weil ich zum ersten Mal zu Präsenzvorlesungen gehen werde. Auch eine Prüfung der angebotenen Kurse auf Anrechenbarkeit war sehr unkompliziert, hier habe ich direkt mit meiner Studiengangsleitung kommuniziert.

Job kündigen für ERASMUS?

Nun stand ein Gespräch mit meinem Arbeitgeber an, bei dem ich die letzten 4 Jahre gearbeitet hatte. Leider konnte man mir nicht die Möglichkeit für ein Sabbatical anbieten. Dies bedeutete für mich, dass ich mein Studium über den Beruf stellen musste und meinen sehr geliebten Job gekündigt habe. Es war ein sehr großer Schritt für mich, von einer sicheren Arbeitsstelle in ein Auslandssemester zu gehen. Doch es war der einzig richtige, ich bin froh mich so entschieden zu haben.

Wohnungssuche

Ich habe mit der Wohnungssuche erst im Dezember, also relativ spät, begonnen. Gesucht habe ich vor allem über Facebook-Gruppen und Uniplaces.com. Das wichtigste Kriterium war für mich die Lage der Wohnung. Daher habe ich schlussendlich über Facebook ein Zimmer in einer Neuner-WG direkt am Principe Real Park gebucht. Die Lage war wirklich nicht zu übertreffen: nur 2 Minuten von der Uni entfernt und die Stadt fußläufig erkundbar. Auch das Ausgehviertel Bairro Alto und der beliebteste Treffpunkt für alle internationalen Studenten, das „Erasmus Corner“, war nur fünf Minuten zu Fuß entfernt.

Auch wenn die Vorstellung, in einer Neuner-WG zu leben, zunächst ein bisschen erschreckend klingt, bin ich sehr froh in diese WG eingezogen zu sein, da ich dadurch mit so vielen verschiedenen Nationalitäten (Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland, England, Polen) zusammenleben konnte und wir fast zu einer Familie zusammengewachsen sind.

Finanzen und Versicherungen

Vor der Reise habe ich eine Auslandskrankenversicherung und eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Dadurch, dass ich vor meinem Auslandssemester in Vollzeit gearbeitet habe, konnte ich mir bereits einiges ansparen. 80 % der ERASMUS-Förderung habe ich vor meinem Aufenthalt erhalten und die restlichen 20 % erhalte ich nach meiner Rückkehr.

Die Lebenserhaltungskosten in Lissabon schätze ich ein bisschen günstiger ein als in München. Für mein Zimmer in Lissabon habe ich 450 € im Monat bezahlt, was fast schon auf Münchener Niveau ist. Restaurantbesuche und alkoholische Getränke sind preiswerter als in Deutschland. Auch Lebensmittel wie Obst und Gemüse sind günstiger als in Deutschland, wobei es immer darauf ankommt, ob man in einem Supermarkt (Continente, Pingodoce etc.) oder in kleinen „Tante-Emma-Läden“ einkauft. Drogerie-Artikel sind sehr viel teurer als in Deutschland, diese sollte man am besten mitbringen.

Während meines Aufenthaltes

Vorstellung der Universität „Istituto superior de comunicacao empresarial“: Das ISCEM liegt sehr zentral im Stadteil Bairro Alto am Principe Real Park und ist ein schönes Altbaugebäude, das sich über drei Stockwerke erstreckt. In den ersten zwei Wochen sollten wir für jeden Kurs eine Prüfungsmethode wählen. Hierbei konnte man zwischen Frequency und Continuous wählen. Frequency bedeutete, dass man keine Anwesenheitspflicht hat und am Ende des Semesters eine Klausur schreibt. Bei der zweiten Methode, Continuous, setzt sich die Endnote aus 30 % Test, 30 % Gruppenarbeiten und 40 % Final Exam zusammen. Hierbei hat man 75 % Anwesenheitspflicht. Die Continues-Methode ist deutlich mehr Aufwand, aber die Wahrscheinlichkeit eine gute Note zu erhalten bzw. zu bestehen, ist deutlich höher als bei der Frequency-Methode.

Ich habe bei den Fächern mit 6 ECTS die Continuous-Methode und bei solchen mit 3 ECTS das Final Exam gewählt. So war es während des Semesters nicht zu viel Arbeit und ich bin beruhigter zu den Endklausuren gegangen.

Während meines Semesters habe ich folgende Kurse besucht: – Digital Marketing (6 ECTS) – Advertising (6 ECTS) – Consumer Behavior (6 ECTS) – Workshop Marketing und Kommunikation (4 ECTS) – International Marketing (3 ECTS) – Editing & Design (3 ECTS). Der Workshop hat sich über 8 Tage erstreckt und in dieser Zeit gab es auch keine Vorlesungen. Ziel des Workshops war es, die interne Kommunikation der TAP Air Portugal zu verbessern.

Der Kontakt zu Professoren war immer sehr unkompliziert, sie waren alle sehr hilfsbereit und freundlich. Auch sprachliche Barrieren konnten so überwunden werden. Während meines Aufenthaltes hatte ich vor allem Kontakt zu anderen Austauschstudenten, was vor allem auch daran lag, dass die Vorlesungen für portugiesische Studenten von denen auf Englisch getrennt gehalten wurden. Dies fand ich ein bisschen schade, weil man kaum in Kontakt zu einheimischen Studenten kam.

Wichtige Anlaufstellen

Bei Problemen kann man sich im ersten Schritt an das International Office des ISCEM wenden, sie sind sehr hilfsbereit und immer für Austauschstudenten da. Andere wichtige Anlaufstellen sind die beiden Organisationen ELL (Erasmus Life Lisboa) und ESN (Erasmus Student Network). Beide bieten diverse Ausflüge, Events zum Vernetzen mit anderen Austauschstudenten, Partyabende und diverse Rabatte an.

Formalitäten

Für Telefon und Internet fallen durch die Abschaffung der Roaming-Gebühren innerhalb der EU keine weiteren Kosten an. Ein Bankkonto habe ich bei der BPI eingerichtet, da in Portugal in manchen kleineren Shops und Restaurants nur portugiesische Bankkarten angenommen werden. Die Eröffnung des Kontos war mit Hilfe der Organisation ELL sehr unkompliziert und schnell.

Freizeitaktivitäten

Lissabon bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Die Nähe zu den Stränden (vor allem der Strand in Caparica ist empfehlenswert) sowie die zahlreichen Parks bieten eine Möglichkeit zum Entspannen. Mit den beiden Organisationen ESN und ELL hat man die Möglichkeit, sehr günstig das Umland von Lissabon zu erkunden. Zum Beispiel kann man nach Nazaré fahren und sich die Riesenwellen ansehen oder die Paläste in Sintra besuchen. Abends ist vor allem das Bairro Alto (unweit von der Uni) ein Treffpunkt für internationale Studenten. Die Bars öffnen hier ab 22 Uhr.

Fazit

Zusammenfassend kann ich ein Auslandssemester jedem (Online-)Studierenden weiterempfehlen. Für mich war das Semester in Lissabon die perfekte Pause zwischen einem Jobwechsel. Ich konnte mich in dieser Zeit voll und ganz auf mein Studium konzentrieren und durfte den „richtigen“ Studentenalltag erleben. Auch meine Sprachkenntnisse konnte ich erweitern. Vor allem ist Lissabon eine absolut lebenswerte und wunderschöne Stadt.

Anerkennung der erbrachten Leistungen

Derzeit läuft die Anerkennung meiner erbrachten Leistungen noch. Dadurch, dass ich von Anfang an mit meiner Studiengangsleitung im Kontakt diesbezüglich stand und auch Kursänderungen zeitnah kommuniziert habe, denke ich, dass es bei der Anerkennung keine Probleme geben wird.