Auslandssemester: „In Shanghai zu leben, ist eine super Erfahrung“

Maike hat ein Semester ihres Wirtschaftspsychologie-Studiums an der Shanghai University verbracht. Was sie bei diesem Integrierten Auslandssemester erlebt hat, schildert sie dir im Beitrag.

Vorbereitung

Zusammen mit meiner Freundin aus Köln ging es am 22. August für mich nach Shanghai. Wir entschieden uns dafür schon ein paar Tage vor der Culture Week anzureisen, um uns gut einleben zu können.

Von der Hochschule bekamen wir die Möglichkeit, uns eine eigene Wohnung zu suchen oder in das Studentenwohnheim am Yangchang Campus zu ziehen. Da wir uns für eine eigene Wohnung entschieden haben, haben wir bei den Online-Plattformen Smart Shanghai und Airbnb nach einer passenden Wohnung für uns gesucht. Es stellte sich jedoch als schwierig heraus, etwas im Vorhinein aus Deutschland heraus zu buchen. So entschieden wir uns, in den ersten paar Tagen ein Hotel zu nehmen und vor Ort zu suchen.

Einen Monat bevor es für uns nach Shanghai ging, bekamen wir von der Hochschule unsere Admission Notice, um unser Visum zu beantragen. Das war eigentlich ganz einfach, da wir zusätzlich noch eine Schritt-für-Schritt Anleitung bekommen haben. So mussten wir nur noch mit unserem ausgefüllten Online-Antrag zur Visastelle nach Düsseldorf fahren.

Ein kleiner Tipp von mir: ladet euch vorab in Deutschland die „Didi“ App für China herunter. Ein Didi ist hier in China vergleichbar mit einem Uber. Taxifahrten sind in China besonders für Ausländer sehr überteuert. Didi ist hier eine super Alternative und meiner Meinung nach auch etwas sicherer – insbesondere auch nachts, wenn ihr mal feiern geht!

Die Fahrten sind sehr günstig und euch wird in der App bei der Bestellung eines Didis angezeigt, wie viel eine Fahrt kostet. Mit einem Didi haben wir nie mehr als 30 Yuan für eine Fahrt nach Hause gezahlt. Ein Taxifahrer wollte vergleichsweise 200 Yuan haben. Die Fahrt selbst ist sehr entspannt und meistens handelt es sich um moderne Fahrzeuge. Gezahlt wird bei Ankunft deines Zielortes mit der App. Dies geschieht über die App per Kreditkarte oder per WeChat Pay.

Um die App herunterzuladen muss man den deutschen App Store in den chinesischen App Store wechseln. Alternativ kann man sich auch eine neue australische Apple ID erstellen und im australischen App Store nach der App suchen. In der australischen Didi Version ist auch eine Barzahlung der Didis möglich, mit der chinesischen App nicht.

Die erste Woche in Shanghai

Am internationalen Flughafen in Shanghai angekommen, haben wir uns schon mal eine chinesische Sim-Karte gekauft. Das würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, denn die Verständigung ohne einen Übersetzer ist in China sehr schwierig. Nachdem wir unsere Koffer hatten, wurden wir von unserem Taxifahrer in Empfang genommen. Dieser wurde von der Shanghai University für uns bereitgestellt. Da hier kaum jemand Englisch spricht, ist es sinnvoll, die Adresse des Hotels oder der Unterkunft auf Chinesisch parat zu haben. Zu unserem Hotel haben wir ungefähr eine Stunde gebraucht und zu zweit 260 Yuan bezahlt.

In der Culture Week wurden wir zunächst über den Jiading Campus geführt, um einen ersten Eindruck von unserer Uni hier in Shanghai zu bekommen. Nach einem gemeinsamen Lunch mit der Gruppe und ein paar Buddys wurden wir von unserem Guide Fei Fei durch die Stadt Jiading geführt. Neben ein paar Gärten und dem berühmten Konfuziustempel sind wir durch die „Altstadt“ von Jiading gelaufen.

Am nächsten Morgen ging es für uns mit dem Bus zur Coca-Cola Company. Neben der Geschichte und einer kurzen Präsentation von Coca-Cola wurden uns auch die Produktionshallen – natürlich mit einem Coca-Cola Tasting – gezeigt.

Am letzten Tag der Culture Week ging es mit unserem Guide Fei Fei auf eine Tagestour. Zunächst ging es in den Yu Garden, wo man schön angelegte Wasseranlagen und Tempel besichtigen kann. Rund um den Garten gibt es einige Stände mit traditionellen chinesischen Souvenirs. Weiter ging es auf den Fake Market und an den Bund, wo wir gemeinsam in einem Restaurant Chinesisch essen gegangen sind. Mit einem Besuch der French Concession und einem chinesischen Theater am Abend endete unsere Culture Week.

Shanghai Old City

Unsere Wohnung

Mit meiner Freundin zusammen habe ich mir in Shanghai angekommen eine Wohnung gesucht. Dank einer anderen Freundin, die das Semester vor uns in Shanghai verbracht hat, hatten wir eine erste Adresse und somit auch eine Anlaufstelle mitten in der Stadt von Shanghai. Zum Glück hat alles super funktioniert und wir konnten gleich am nächsten Tag einziehen.

Unsere Wohnung lag sehr zentral, nur zwei Haltestellen (20 Minuten) von der Circus Station in der Nähe des Yangchang Campus entfernt. Von hier aus konnten wir morgens das Shuttle zum Jiading Campus nehmen. Das Stadtleben rund um den People Square ist ebenfalls nur 4 Stationen von unserer Wohnung entfernt gewesen.

Unsere Wohnung (Datong Lu 988) befand sich im 14. Stock eines Wohnkomplexes. Eine Etage unter uns haben unsere Freunde gewohnt. Auch gab es auf dem Dach des Gebäudes eine schöne und moderne Dachterrasse, mit einem super Ausblick auf den Shanghai Tower. Unsere Wohnung selbst bestand aus 2 Zimmern – einem kleineren und einem großen Zimmer – und einer kleinen Küche. In dem großen Zimmer befand sich ein Doppelbett und das kleinere Zimmer war mit einem Einzelbett ausgestattet. Beide Zimmer waren mit einer Klimaanlage und modernen Möbeln versehen. Das große Zimmer verfügte über eine komplette Wandfläche mit Arbeitsplätzen und zudem über ein Sofa. Eine Waschmaschine und ein Kühlschrank waren ebenso in der Wohnung enthalten. Wasser und Strom waren in der Miete der Wohnung nicht enthalten, jedoch aber auch nicht sehr teuer. Mit 300 Yuan sind wir für 2 Monate ausgekommen. Die Miete für unser Doppelapartment betrug 7.150 Yuan pro Monat. In dem Gebäudekomplex gibt es jedoch auch Einzelwohnungen, kleinere und etwas größere mit einer Empore. Eine Besichtigung der Wohnungen ist jederzeit möglich.

Studieren an der Shanghai University

Alle unsere Vorlesungen fanden an dem etwas außerhalb gelegenen Jiading Campus statt. Der Campus ist wie eine kleine Anlage gestaltet und besteht aus unterschiedlichen Vorlesungsgebäuden, Studentenwohnheimen und einem großen Sportplatz in der Mitte.

Jeden Morgen ging es für uns mit dem Bus vom Yangchang Campus zum Jiading Campus. Die Busfahrten waren immer sehr lustig und bei guter Verkehrslage war man innerhalb von 35 min auch schon da. Die Vorlesungen selbst waren mit anderen internationalen Studenten zusammen. So konnte man prima neue Leute kennen lernen und Freundschaften über die Zeit knüpfen.

campus der shanhai university

Anders als in Deutschland basiert das Studium in China hauptsächlich auf Gruppenarbeiten, Präsentationen und Forschungsprojekten. Klausuren zählen hier nur zu 50%. Die restliche Note setzt sich aus der Anwesenheit, Mitarbeit und den Gruppenarbeiten zusammen.

Am Ende des Semesters gab es natürlich, wie in Deutschland auch, in jedem Fach eine Klausur. Der erste Teil der Klausuren bestand aus Multiple-Choice-Fragen, im zweiten Teil gab es ein paar Essay Questions und der letzte Part bestand aus einer Case Study. Anders als in Deutschland bekommt man die genauen Daten der Klausuren leider erst 1,5 Wochen vor der Klausur.

Da wir in diesem Semester einen super Stundenplan mit einem Tag frei in der Woche hatten, konnten wir nebenbei Shanghai noch weiter erkunden und genießen. Natürlich kann man den freien Tag auch gut zum Lernen nutzen. Es kann jedoch auch vorkommen, dass man mal am Wochenende Vorlesungen hat, wenn ausgefallene Stunden nachgeholt werden müssen.

Das Leben in Shanghai

In Shanghai zu leben, ist eine super Erfahrung, die man auf keinen Fall verpassen sollte! Es gibt unglaublich viele schöne Ecken und Ausflüge, die man machen kann, um die Stadt besser kennen zu lernen. Besonders schön ist der Bund nachts, wenn der Tower und die Skyscraper mit bunten Farben beleuchtet werden. Hier lohnt sich auf jeden Fall eine Bootstour und die Oriental-Pearl-Tower-Besichtigung. Von hier oben hat man einen wunderschönen 360-Grad-Blick auf die Skyline. Wer sich traut, kann auch auf dem Glasboden des Towers laufen und ein Paar schöne Bilder machen.

Ein weiteres sehr modernes Viertel ist die French Concession in Shanghai. Besonders gut hat uns hier der Teil namens „New World“ gefallen. Er besteht aus verschiedenen westlichen Restaurants und einem kleinen Shopping-Komplex. Nachts ist hier alles schön beleuchtet und man kann sich gut auf einen Cocktail zusammensetzen.

Auch das Nachtleben in Shanghai ist voller Abenteuer. Die Clubs sind nicht nur luxuriös, sondern bieten auch mit den Promotern freien Eintritt. Es gibt sehr viele Roof Top Bars mit einem wunderschönen Ausblick auf die Shanghai Skyline, die man nicht missen sollte. Sehr zu empfehlen ist hier die Bar Rouge.

An den Wochenenden bieten sich Sightseeing oder Ausflüge in die nähere Umgebung, wie Suzhou oder Hangzhou an. Beide Städte sind unglaublich schön und sollten auf der To-Do-Liste stehen. In beiden Städten erwarten euch eine schöne Lichtershow am Wasser und super nette Menschen. Auch kann man beide Städte sehr gut mit dem Fahrrad erkunden.

shanghai bei nacht

Reisen

Wer nach der Vorlesungszeit in Shanghai noch etwas Zeit hat, sollte unbedingt noch ein wenig durch China reisen, um Land und Menschen noch intensiver kennen zu lernen.

Zusammen mit meiner Freundin ging unser erster Stopp nach Hangzhou. Hier gelangt man mit den High Speed Train innerhalb von 40 Minuten hin. Die Stadt ist bekannt für ihren großen West Lake. Nachts ist dieser von einer Lichtershow geprägt und tagsüber kann man die Sehenswürdigkeiten prima mit dem Rad erkunden.

Als nächstes ging es nach Guilin. Diesen Ort sollte man auf jeden Fall besucht haben, wenn man in China ist. Hier gibt es Natur pur. Mit dem Boot kann man durch die atemberaubende Berglandschaft in das nächstgelegene Dorf Yangshuo fahren. Dieses bietet eine kleine alte Shoppingstraße und viele leckere Restaurants an. In Guilin selbst gibt es einige tolle Attraktionen wie den Li Jiang River, den Elefantenrüsselhügel oder die Sun & Moon Twin Pagodas.

Unser dritter Stopp war der Xiqiao Mountain National Forest Park in Foshan. Hier gibt es eine wahnsinnig große Buddha Statue und unglaublich viele weitere tolle Attraktionen in dem Park zu entdecken.

Von hier aus ging es nach Hongkong, unserem letzten Stopp in China. Hier verbrachten wir insgesamt 3 Tage. Wer hier ist sollte unbedingt einmal auf den Victoria Peak hinaufgehen. Von hier hat man eine unglaublich schöne Sicht auf die Skyline von Hongkong. Auch die Promenade am Wasser entlang ist sowohl tagsüber als auch nachts sehr zum Genießen.

Fazit

Insgesamt haben mir mein Auslandssemester und meine anschließende Reisezeit in China sehr gut gefallen und ich würde es jederzeit noch einmal machen. Ich durfte nicht nur neue nette Menschen kennenlernen, sondern konnte auch viele neue Erfahrungen für mich selbst sammeln. Die chinesische Kultur und das Essen haben mich unglaublich fasziniert. Eines Tages würde ich gerne noch einmal hierher zurückkommen.