24-06-2019 • Wiesbaden

Was macht das Kind da im Netz?

Ein Seminar für den richtigen Umgang mit Internetangeboten für Kinder haben Charlotte Weber und Mona Friedrich konzipiert. Die beiden studieren Medien- und Kommunikationsmanagement im dritten Semester an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden. Zielgruppe des Konzepts sind in erster Linie Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse. Der erste Workshop an der Wiesbadener Riederberg-Grundschule verlief erfolgreich.

Wiesbaden. Rund ein Drittel der Internetnutzer weltweit sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, so ein UNICEF-Bericht von 2017. In einigen Ländern sind ebenso viele Kinder unter 15 Jahren online wie über 25-Jährige. „Wir haben uns gefragt, wie diese vielen jungen Menschen überhaupt den Umgang mit dem Internet lernen“, berichtet Mona Friedrich. „Das Netz bietet viele Chancen, birgt aber auch Gefahren.“ Cyber Mobbing, Daten-Missbrauch, Fake News, Sex und Gewalt gehören zu den Schattenseiten in der virtuellen Welt.

Sämtlich keine kindgerechten Inhalte, auf die die Jüngsten aber theoretisch genauso Zugriff haben wie erfahrene Internetnutzer. In vielen Regionen der Erde ist das Netz auf der anderen Seite eine wichtige Unterstützung in Sachen Bildung, Aufklärung und beruflicher Vielfalt oder der Herstellung von Chancengleichheit. Wer zeigt ihnen, wie sie nützliche Inhalte von Unnützem separieren? Wer warnt beziehungsweise schützt sie vor Risiken und Bedrohungen inmitten der Anonymität des Netzes?

„Eltern können das nicht immer und überall steuern und kontrollieren, sagt Mona Friedrich. „Selbst wenn sie Zeit und Gelegenheit dazu hätten, wären sie oft überfordert.“ Im Hinblick auf die rasante Geschwindigkeit bei Neuentwicklungen und die Kurzlebigkeit von Inhalten, Formaten und Anwendungen ist das kein Wunder. „Selbst wir sind überrascht, was die Kinder heute alles kennen.“ Nach ihren Wunschberufen gefragt, antworten sie heute auffallend häufig Influencer, Youtuber, Gamer – oder „irgendetwas mit Amazon“. „Und das im Alter von neun oder zehn Jahren“, betonen die Studentinnen.

Das hat Mona Friedrich und Charlotte Weber animiert, einen Workshop für Dritt- und Viertklässler ins Leben zu rufen. Dieser ist bewusst spielerisch aufgebaut – und vor allem interaktiv. „Wir möchten die Kinder da abholen, wo sie stehen. Sie sollen mitmachen und sich nicht bei einer Präsentation – gehalten mit gehobenem Zeigefinger – langweilen. Wir zeigen ihnen aber auch, dass sich Menschen im Internet anders verhalten als im realen Leben“, schildert Charlotte Weber. Beispiel Mobbing: Die Kinder haben die Aufgabe, etwas Gemeines über ihren besten Freund aufzuschreiben. Dann müssen sie entscheiden, ob sie es ihm direkt ins Gesicht sagen möchten. Bei der ersten Durchführung des Seminars an der Wiesbadener Riederbergschule hat sich kein Kind dafür entschieden. „Demgegenüber zeigt die Realität, wie schnell online ein Hasspost in der Welt ist“, sagt Weber.

IIn dem rund zweistündigen Workshop lernen die Kinder, dass sie am besten mit einem Nickname im Internet unterwegs sind, eine E-Mail-Adresse zu nutzen, die keine Rückschlüsse auf die Identität erlaubt, nichts ohne Erlaubnis der Erziehungsberechtigten einzukaufen oder herunterzuladen – und vor allem keine persönlichen Daten zu veröffentlichen. „Der Satz sollte eigentlich bekannt sein: Das Internet vergisst nichts, verliert nichts. Ein kompromittierendes Foto ist nie ganz verschwunden.“

Die Verantwortlichen der Riederbergschule betrachten das Seminar als Erfolg: „Mit diesem Format gelingt es, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen und sie für wichtige Themen rund um den Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren.“ Es sei ein immenser Vorteil, dass Studentinnen und nicht Lehrer oder Eltern den Workshop durchführen. „In unserer Klasse haben alle begeistert mitgemacht und ich habe den Eindruck, dass die Kinder nun bewusster und vorsichtiger online unterwegs sind“, berichtet Elif Akinalp, Lehrerin an der Riederbergschule.

Der Workshop soll nun auch an anderen Grundschulen in Wiesbaden durchgeführt werden.

[dhsv_vc_ansprechpartner post_id=”6394″]
Zurück zum Seitenanfang