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04-06-2018 • Köln

Zum Weltumwelttag: „Nachhaltigkeit muss Lifestyle werden“

Am 5. Juni ist der Internationale Weltumwelttag, der bereits 1972 von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde. Laut den Berechnungen des Forschungsinstituts Global Footprint Network hatte Deutschland seine natürlichen Ressourcen für das Jahr 2018 bereits Anfang Mai verbraucht. Was Konsumenten und Unternehmen tun können, um Ressourcen zu schonen, erklären Prof. Dr. Lutz Becker, Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership (M.A.), und Prof. Dr. Mahammad Mahammadzadeh, Studiendekan Automotive & Mobility Management (B.Sc.), an der Hochschule Fresenius in Köln.

Köln. Deutschland lebt seit Anfang Mai auf Pump, mit der globalen Erdüberlastung wird im August gerechnet. Auch wenn das Umweltbewusstsein bei vielen Menschen größer geworden ist, konnte der CO2-Ausstoß in Deutschland seit 2009 nicht mehr gesenkt werden. Die Nachhaltigkeitsexperten Prof. Dr. Lutz Becker und Prof. Dr. Mahammad Mahammadzadeh geben Tipps, wie man die Ökobilanz verbessern kann.

Lebensstil ändern

Prof. Mahammadzadeh mahnt: „Wir müssen akzeptieren, dass wir unseren Lebensstandard so nicht beibehalten können!“ Bei den Verbrauchern müsse sich die Einstellung ändern. So solle Nachhaltigkeit nicht als Verzicht empfunden werden, sondern Spaß machen und zum Lifestyle werden. Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum seien die vier Bereiche, in denen Veränderung dringend notwendig sei. Verbraucher sollten sich achtsamer ernähren und einkaufen, am besten regionale Bio-Produkte mit wenig Plastikverpackung. Energie könne man auch zu Hause sparen: Waschmaschinen mit wenig Wasserverbrauch verwenden, das Licht ausmachen oder weniger heizen. Zugleich warnt er vor dem sogenannten Rebound-Effekt: Dabei werden durch Effizienzsteigerungen die Kosten für Produkte oder Dienstleistungen gesenkt. Kaufen sich Verbraucher beispielsweise eine wassersparsame Waschmaschine, könne dies auch dazu führen, dass die Waschmaschine an sich zwar weniger Wasser verbrauche, die Nutzer aber häufiger Wäsche waschen.

„Im Bereich der Mobilität gibt es bereits viele Möglichkeiten, wie Elektroautos oder Carsharing-Modelle, um die CO2-Emmission zu verringern“, erklärt Mahammadzadeh weiter. Und auch an vielversprechenden Zukunftskonzepten wie der Schwarmmobilität werde aktuell getüfelt. Dabei handelt es sich um integrierte und intelligente Mobilitätssysteme und -konzepte mit Systemelementen wie Elektrifizierung, Systemvernetzung und Sharing-Konzepten. Gerade die innovativen Mobilitätssysteme der Zukunft wiesen nicht nur große Klimaschutz- und Nachhaltigkeitspotenziale auf, sondern böten auch noch die Chance, die Lebensqualität in den Städten zu erhöhen und Unfallrisiken zu senken, so der Nachhaltigkeitsexperte.

Wettbewerbsvorteile für nachhaltige Unternehmen

Nicht nur Verbraucher, auch Unternehmen können ihren Beitrag leisten. „Viele Unternehmen haben ein eigenes Interesse daran, dass ihre gesetzlich vorgeschriebene Umweltberichterstattung positiv ausfällt. Weitere verpflichten sich, die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu erreichen und implementieren sie in ihre Geschäftsmodelle und -prozesse“, so Prof. Becker. Mit innovativen, nachthaltigen Ideen können sich Unternehmen zudem Wettbewerbsvorteile auf dem Mark verschaffen. „Das erfordert Mut, zahlt sich aber am Ende aus – nicht nur für die Natur, sondern auch für das Image“, führt Becker weiter aus. So stieg Rügenwalder Mühle 2014 als einer der ersten großen Wursthersteller in den Veggie-Markt ein. Mittlerweile erwirtschaftet der Familienbetrieb einen Großteil des Umsatzes mit Fleischersatzprodukten und ist Marktführer in diesem Bereich. Ein Erfolgsbeispiel, dass zeige: Nachhaltigkeit solle für Unternehmen eine große Rolle spielen, weil sie sich an die veränderten Anforderungen der Konsumenten anpassen müssen, so Becker. Denn immer mehr Verbraucher hinterfragen zunehmend, woher die Waren kommen, wie sie angebaut wurden, welche Inhaltsstoffe sie haben und ob sie umweltschonend produziert wurden. „Wir brauchen dafür eine Betriebswirtschaftslehre, die sich nicht hinter ihren Modellen versteckt, sondern eine, die den Wandel der Systeme im besten Sinne einer angewandten Wissenschaft mitgestaltet“, fordert Becker.