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08-07-2019 • Wiesbaden

Wer bewältigt die tägliche Informationsflut am Arbeitsplatz besser: „Jung“ oder „Alt“?

Wer geht am Arbeitsplatz eigentlich besser mit der täglichen Informationsflut um – jüngere oder ältere Kollegen? Die Jüngeren, sagen viele – weil sie fitter sind beim Bedienen moderner Medien und sie ihre gesamte berufliche Entwicklung schon in einem digitalisierten Umfeld durchlebt haben. Indes gibt es gute Gründe, auch bei diesem Thema die Älteren keinesfalls abzuschreiben.

Wiesbaden. Studien zeigen, dass wir in jungen Jahren Informationen schneller aufnehmen und verarbeiten können. Mit zunehmendem Alter nimmt die Verarbeitungsgeschwindigkeit ab. Aber während es früher vor allem auf das Sammeln von Informationen ankam, ist es heute viel wichtiger, Informationen zu filtern. Das sagt Prof. Dr. Ingo Aberle, Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden. „Informationen sind leicht verfügbar und wir werden permanent über diverse Kanäle mit immer neuen beliefert. Dabei steigt natürlich auch der Anteil der für mich irrelevanten Informationen stark an. Das kann leicht zu Stress führen.“

An dieser Stelle kommt ins Spiel, was Aberle „Erfahrungswissen“ nennt: Es sind Fähigkeiten und Strategien gefragt, um den passenden Filter anzuwenden und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. „Da haben definitiv Menschen, die schon länger im Beruf stehen, Vorteile – ebenso diejenigen, die schon länger im Unternehmen sind und die Prozesse kennen.“ Aberle ordnet dem strategischen Umgang mit Informationen eine höhere Relevanz zu als der reinen Verarbeitungsgeschwindigkeit.

„Jung lernt von Alt“ hat also keinesfalls ausgedient – es gibt allerdings Einschränkungen. Aufgrund sich verändernder Prozesse kann es passieren, dass funktionale Strategien ihre Gültigkeit verlieren. Schnelle Anpassungen an neue Rahmenbedingungen sind vonnöten. „Ein aktuelles Beispiel ist der Umgang mit den sozialen Medien und Netzwerken“, sagt Aberle. „Dort finden wir neue Regeln der Kommunikation vor und um diesen geänderten Verhältnissen gerecht zu werden, wird teilweise Reversed Mentoring angewandt.“ Entgegen dem klassischen Mentoring – ein erfahrener Mitarbeiter steht einem jüngeren Mitarbeiter zur Seite – wird in diesem Ansatz ein jüngerer Mitarbeiter zum Mentor eines älteren Mitarbeiters. „Das klingt in der Theorie gut, ist aber in der Praxis nicht immer leicht umzusetzen, da beim Miteinander von Jung und Alt viele Konflikte am Arbeitsplatz entstehen können.“

Wie lassen sich diese vermeiden – und wie können die Stärken beider Altersgruppen am besten genutzt werden? „Es bedarf einer Kultur des lebenslangen Lernens. Das gilt für jüngere und ältere Mitarbeiter gleichermaßen“, antwortet Aberle. Außerdem ist der generelle Umgang mit Altersunterschieden relevant. Hier gilt es, eine Kultur der Wertschätzung und Anerkennung von Altersdiversität zu etablieren: „Diese Wertschätzung betrifft explizit sowohl ältere als auch jüngere Mitarbeiter. Denn nur gemeinsam können wir den steigenden Anforderungen einer immer schneller und komplexer werdenden Informationsgesellschaft gerecht werden.“