menu close
close
23-11-2018 • München

Professorenzuwachs an der Hochschule Fresenius in München

Auf Antrag der Hochschule Fresenius hat das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fünf Dozenten aus dem Fachbereich Wirtschaft & Medien zu Professoren berufen. In einer gemeinsamen Antrittsvorlesung haben die Hochschullehrer vergangene Woche Vorträge aus ihren Disziplinen gehalten.

München. Was hat Marketing eigentlich mit Finanzen zu tun? Dieser Frage ging Prof. Dr. Harald Watzek in seiner Antrittsvorlesung nach. Dabei stellte er verschiedene Unternehmensstrategien anhand etablierter Medienunternehmen wie der Süddeutschen Zeitung und neuen Marktplayern wie Twitter vor. Zu den zwei bekannten Strategien Preis- und Qualitätsführerschaft könne sich in dieser Branche die neue Richtung des Speed-Führers entwickeln. „Nur wer zuerst neue Informationen online stellt, gilt als erste Quelle, wird entsprechend zitiert und hat dadurch erhöhte Aufmerksamkeit inklusive finanziellem Erfolg“, so der Medienexperte. „Marktführer sind dann diejenigen, die am schnellsten agieren und produzieren. So verbreitet Twitter Nachrichten in Echtzeit, wohingegen die Printausgaben von Tageszeitungen in der Regel erst einen Tag später über Ereignisse berichten.“

Prof. Dr. Julia Kirn ging in ihrer Antrittsvorlesung auf die Wirkweisen von Influencer-Marketing in der Ansprache von jungen Zielgruppen ein, für die YouTube und auch YouTube-Stars eine zentrale Rolle spielen. YouTube-Stars erreichen Millionen junger Menschen, werden von Teenagern angehimmelt und von den meisten über 30-Jährigen kaum verstanden. „YouTuber sind aber mittlerweile mehr als nur Teenie-Stars: Sie stellen Marktmechanismen auf den Kopf und verändern werbliche Medienkommunikation grundlegend durch ihre Fähigkeit, auf der einen Seite unterhaltsame Inhalte zu produzieren und gleichermaßen eine besonders belastbare, authentische Vertrauensbeziehung zu ihren Zielgruppen aufzubauen“, erklärte die Kommunikationswissenschaftlerin. Hier sei ein neues gesellschaftliches Phänomen entstanden, um Produkte und Dienstleistungen über besonders subtil beeinflussende Kommunikation zu vermarkten. Jüngste Abmahnwellen aufgrund von nicht korrekt gekennzeichneten Product Placements würden aber das Geschäftsmodell von Influencern insbesondere aus ethischer Sicht infrage stellen. Kirn ging auf Chancen und Möglichkeiten der Professionalisierung der jungen Branche ein und stellte einen Best Case aus dem Kulturbereich vor.

In ihrem Vortrag „Ich mag keine blonden Therapeuten“ widmete sich Prof. Dr. Lena Sabaß der therapeutischen Beziehung zwischen Psychotherapeuten und ihren Klienten. So verdeutlichte sie, dass die Therapiebeziehung oftmals in manualisierten, standardisierten Therapien, die vermehrten Wert auf reine Therapietechniken legten, wenig berücksichtigt werde. Dies führe jedoch gerade bei schweren Störungen zu einem schlechteren Therapieerfolg und zu Therapieabbrüchen. Die Psychologin und Psychotherapeutin plädierte deswegen dafür, die Wichtigkeit der Therapiebeziehung störungsunabhängig zu berücksichtigen. Am besten funktioniere dies mit der sogenannten Allgemeinen Psychotherapie nach Klaus Grawe. Deren Herzstück sei die „Motivorientierte Beziehungsgestaltung“, bei der sich der Therapeut komplementär zu den wichtigsten Zielen des Klienten verhalte und dadurch unmittelbar ein verbessertes Wohlbefinden des Klienten schaffe.

Prof. Dr. Johannes Bruhn beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Frage, ob heutige Systeme, die künstliche Intelligenz verwenden, moralfähig sind. Nach einer Spezifizierung des Konzeptes „Moralfähigkeit“ präsentierte Bruhn aktuelle Tendenzen in Forschung und Praxiseinsatz von KI-Systemen. Dabei wurde deutlich, dass künstliche Intelligenz derzeit vor allem bei eng begrenzten Aufgaben ihre Stärken ausspielen kann. „Heutige KI-Systeme sind hochspezialisierte Experten, die klar definierte Klassifikations- und Transformationsaufgaben bewältigen können – in vielen Fällen verblüffend viel besser als Menschen“, so Bruhn. Wesentliche menschliche Fertigkeiten wie etwa die Übertragung von Gelerntem auf neue, unbekannte Situationen seien aber noch im Anfangsstadium der KI-Entwicklung. Diese Kompetenzen seien aber wichtige Voraussetzungen für die Moralfähigkeit von menschlichen und auch virtuellen Akteuren. Unter anderem deshalb könne von einer Moralfähigkeit heutiger KI-Systeme keine Rede sein. In seinen Schilderungen machte Bruhn für die zukünftige Entwicklung deutlich, dass ein erheblicher Teil der KI-Forschergemeinde davon ausgehe, dass Informationsverarbeitung auf menschlichem Niveau noch in diesem Jahrhundert erreicht werden könne. Spätestens dann müsse die Menschheit die Herausforderung gemeistert haben, Computer moralfähig zu machen.

„Nudging“ lautete das Thema des Vortrags von Prof. Dr. Thomas Fenzl. Nudges sind kleine subtile Reize, mit denen das Umfeld, in dem Entscheidungen getroffen werden, so verändert wird, dass menschliches Verhalten gezielt in eine beabsichtigte, vorhersagbare Richtung beeinflusst wird. Dies soll jedoch geschehen, ohne dass dabei die Handlungsalternativen eingeschränkt oder durch andere Anreize wie finanzielle oder soziale Vorteile manipuliert werden. Zum Beispiel sollen Kunden in Supermärkten durch entsprechende Anreize, wie einen für Obst und Gemüse markierten Bereich im Einkaufswagen, zum Kauf gesunder Lebensmittel motiviert werden. In der Antrittsvorlesung wurden die zugrundeliegenden psychologischen Wirkmechanismen erklärt, sowie der Frage nachgegangen, in welchen Settings Nudges mit welcher Wirkung eingesetzt werden können. Dabei wurde insbesondere auf die Wirksamkeit von Nudges im Zusammenhang mit Ehrlichkeit, Kooperationsbereitschaft und Einhaltung sozialer Normen eingegangen.

Über die Professoren

Prof. Dr. Johannes Bruhn studierte Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und elektronische Lernmedien. An der Ludwig-Maximilians-Universität München promovierte Johannes Bruhn über kooperatives Lernen in Computernetzwerken. Anschließend arbeitete er drei Jahre als Berater für die Implementierung von Lerntechnologie bei der Trainings- und Beratungstochter der HypoVereinsbank und war dann 13 Jahre in der Munich Re, davon acht Jahre in Führungsfunktionen, tätig. An der Hochschule Fresenius unterrichtet er Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftsethik und Personalpsychologie und setzt sich seit einigen Jahren intensiv mit ethischen Aspekten der künstlichen Intelligenz auseinander.

Prof. Dr. Thomas Fenzl hat an der Universität Klagenfurt sein Diplomstudium mit den Schwerpunkten Wirtschaftspsychologie und Methodenforschung abgeschlossen und dort 2008 im Fach Psychologie promoviert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit massenpsychologischen Dynamiken an Finanzmärkten. Von 2007 bis 2016 war Prof. Fenzl am Lehrstuhl von Univ.-Prof. Philipp Mayring an der Universität Klagenfurt zunächst wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Zentrum für Evaluation und Forschungsberatung (ZEF), wo er seit 2013 auch stellvertretender Leiter war, und später Post-Doc Senior Scientist. Neben zahlreichen Lehraufträgen an renommierten deutschen und österreichischen Hochschulen war Thomas Fenzl außerdem seit 2005 für Managementaufgaben im Österreichischen Wasserski und Wakeboard Verband (ÖWWV) verantwortlich und von 2010 bis 2016 Geschäftsführer des Verbandes. Von 2016 bis zu seiner Berufung als Professor an der Hochschule Fresenius in München war Fenzl Hochschuldozent für Diagnostik und empirische Forschung an diesem Standort. Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Fenzl liegen im Bereich der Methodenforschung, insbesondere in der qualitativen Inhaltsanalyse und den Mixed Methods, sowie in der Verhaltensökonomie, insbesondere Nudging.

Prof. Dr. Julia Kirn studierte Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und absolvierte ihr Meisterklassendiplom Violine an der Hochschule für Musik und Theater München. Parallel zur anschließenden Promotion im Fach Musikwissenschaft führte es sie als Musikerin in Orchester wie das Münchner Rundfunkorchester und das Bayerische Staatsorchester und als freie Autorin zu BR-Klassik. Anfang 2013 wurde die Trägerin des Europäischen Kulturpreises Pressesprecherin und Leiterin des Social-Media-Teams der Tonhalle Düsseldorf und der Düsseldorfer Symphoniker. Seit September 2017 ist sie Hochschuldozentin für Unternehmens- und Kulturkommunikation an der Hochschule Fresenius München.

Prof. Dr. Lena Sabaß absolvierte neben ihrem deutschen Diplom in Psychologie einen Psychologie-Master in Counselling Psychology und in Allgemeiner Psychotherapie in England und in der Schweiz. Sie begeistert sich insbesondere für die moderne Überbrückung des seit jeher bestehenden und in der bundesdeutschen Gesetzgebung verankerten traditionellen Therapieschulenstreits – vor allem zwischen psychodynamisch orientierten Verfahren wie der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie. Lena Sabaß hat in der Verhaltenstherapie approbiert. Praktische Erfahrungen sammelte sie als Stationspsychologin auf einer Station für chronische Depression an der renommierten Psychiatrie der Universität München. Hier konnte sie einige Jahre unter Frank Padberg über chronische Depression forschen und zum dortigen Auf- und Ausbau eines integrativen Verfahrens, CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy), beitragen. In dem therapieschulenübergreifenden Verfahren, das sowohl psychoanalytische wie auch verhaltenstherapeutische Elemente umfasst und sich als empirisch wirksam bei chronisch bestehender Depression bewiesen hat, ist sie auch als Therapeutin und Trainerin zertifiziert.

Prof. Dr. Harald Watzek lehrt als Professor für Finanzwirtschaft und Marketing an der Hochschule Fresenius in München. Nach seinem BWL-Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien und der University of British Columbia, Kanada, promovierte er mittels Stipendium des Forschungszentrums Seibersdorf. Bei der UniCredit Bank AG war er vor allem als Infrastrukturfinanzierer, Vertriebsleiter für Cash Management und Außenhandel (Bayern Süd) sowie Projektleiter für Gesamtbankprojekte tätig.