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26-07-2018 • Frankfurt am Main

Mach mal Pause! Warum wir alle Urlaub brauchen

Wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein und perfekte Badetemperaturen – wer jetzt im Büro sitzt und davon tagträumt, der ist dem Volksmund zufolge urlaubsreif. Doch was bedeutet das eigentlich und wieso brauchen wir überhaupt Urlaub? Prof. Dr. Nikolai Egold, Professor für Angewandte Psychologie an der Hochschule Fresenius in Frankfurt, erklärt, warum ein gut geplanter und bewusst erlebter Urlaub für eine ausgeglichene Work-Life-Balance wichtig ist.

In der Regel arbeiten wir in Deutschland fünf Tage die Woche und haben dann zwei Tage frei. Dennoch haben viele das Gefühl, sie brauchen Urlaub. Wieso? Entscheidend sei nicht die offizielle oder gesetzlich geregelte Arbeitszeit, so Prof. Egold. Tatsächlich arbeiteten viele mehr als gesetzlich vorgeschrieben. „Hinzu kommt die zunehmende Digitalisierung, welche die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verwischt, das heißt E-Mails und Anrufe werden auch am Wochenende oder nach Feierabend bearbeitet. Berufstätige sind daher oft rund um die Uhr erreichbar.“ Zudem erlebten viele eine Doppelbelastung, da sie sich neben dem Beruf noch der Kinderbetreuung widmen. „Im Urlaub haben wir die Gelegenheit, von einer echten Erholung zu profitieren, sofern berufsbezogene Tätigkeiten auf ein Minimum reduziert und die Erreichbarkeit nur in Notfällen genutzt wird“, so Egold weiter. „Wichtig ist, dass wir „wirklich abschalten“ können und den Urlaub bewusst genießen, um Zeit gemeinsam mit den Menschen zu verbringen, die uns wichtig sind. Urlaub ist also essentiell für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit.“

Aber wie lässt sich „wirklich abschalten“? Zwei Aspekte seien dafür entscheidend. Zum einen eine gute Vorbereitung: „Eine gute Planung reduziert mögliche Belastungen, die entstehen, wenn man noch eben schnell ein Bahnticket kaufen muss, ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung buchen oder die Versorgung der Haustiere regeln muss.“
Zum anderen spiele die bewusste Vorfreude eine entscheidende Rolle: „Es hat Sinn, sich damit zu beschäftigen, worauf man sich im Urlaub freut. Wichtig dabei ist, keine unrealistischen Erwartungen aufzubauen, um nicht enttäuscht zu werden. Sich etwa romantische Stunden zu zweit in der Abendsonne vorzustellen, wenn die Kinder mit in den Urlaub fahren, könnte so eine unrealistische Vorstellung sein.“

Wie viel Urlaub nötig ist, lässt sich pauschal schwer sagen. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Dauer des Urlaubs für die positiven Effekte keine Rolle spielt. „Daraus könnte man schließen“, so Prof. Egold, „dass ein Sommerurlaub, der etwas länger dauert, und mehrere kleinere Auszeiten die optimale Mischung zur Erholung sind, damit die positiven Effekte im Jahr wiederholt werden können.“