Drei neue Professoren im Fachbereich onlineplus der Hochschule Fresenius

Auf Antrag der Hochschule Fresenius hat das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst Dr. Sabine Anand, Dr. Ulrich Hößler und Dr. Markus Schröder aus dem Fachbereich onlineplus zur Professorin und zu Professoren berufen. Am 21. Juli wurden ihnen im Rahmen ihrer virtuellen Antrittsvorlesung die Berufungsurkunden ausgehändigt.

„Die drei Antrittsvorlesungen belegen, dass das Wachstum des Fachbereichs onlineplus Früchte trägt und zeigt die fachliche Breite der Hochschule Fresenius“: Mit diesen Worten eröffnete Hochschulpräsident Prof. Dr Tobias Engelsleben das virtuelle Format. Darüber hinaus ermögliche sie einen interdisziplinären Austausch über die wissenschaftlichen Aktivitäten der Hochschule über Fachbereichsgrenzen hinweg. Prof. Dr. habil. Peter J. Weber, Dekan und Akademischer Geschäftsführer Fachbereich onlineplus, ergänzte, dass mit den Vorträgen gleich drei Cluster des Fachbereichs vertreten seien: Human & Social Scienes, Psychology und Engineering.

Als Vertreterin des Clusters Human & Social Sciences hielt Dr. Sabine Anand ihren Vortrag in englischer Sprache über ihre Studie „Access to education – More than getting through the school gates”. Die Studie wurde unter der Leitung von Social Surveys und dem Centre of Applied Legal Studies von 2006 bis 2011 in Südafrika durchgeführt. Darin untersuchte sie die Hindernisse, die Kinder und Jugendliche beim Eintritt in die Schulbildung und bei deren Abschluss überwinden müssen. Ziel war es, das komplexe Zusammenspiel verschiedener Zugangsfaktoren für eine Teilnahme am Bildungssystem zu untersuchen. Es wurden mehr als 5000 Eltern/Betreuer und Jugendliche befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gründe für Fehlzeiten und Schulabbrüche vielfältig sind: So spielen sowohl Armut, Herkunft und Sprache, als auch die Einstellung der Lehrer:innen sowie das Gefühl, an der Schule keine Unterstützung zu bekommen, eine große Rolle. Der aus den Ergebnissen der Studie abgeleitete Empfehlungskatalog zur Verbesserung wurde in Teilen auch umgesetzt: So wurden Programme zusammen mit NGOs entwickelt, um beispielsweise die Auswirkungen von Armut zu verringern, oder um ältere Schüler:innen besser unterstützen zu können. Seitens der Politik wurden mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt u.a. für den Erlass von Schulgebühren, Schulverpflegung, die Ausstattung von Schulen, oder die Digitalisierung von Lerninhalten auf Tablets.

In seiner Antrittsvorlesung „Vom Burnout bis Bore-Out – psychische Belastung am Arbeitsplatz und nachhaltige Arbeitsfähigkeit“ beschäftigte sich Dr. Ulrich Hößler mit der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in der Arbeitswelt. Im Jahr 2013 gab es eine Novellierung des Arbeitsschutzgesetztes, die festlegte, dass Arbeitgeber dazu verpflichtet hat, auch die psychische Belastung am Arbeitsplatz zu ermitteln. Anhand von zwei Modellen erläuterte Dr. Hößler, wie sich psychische Belastungsfaktoren ermitteln lassen. So umfasst das sogenannte Belastungs- und Beanspruchungsmodell von Rohmert & Rutenfranz die Faktoren Belastung, Beanspruchung, Stress, Stressoren und Ressourcen. Bei dem Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek & Theorell wird das Zusammenspiel zwischen dem Entscheidungsspielraum und den Anforderungen im Job näher betrachtet. Arbeitstätigkeiten mit einem höheren Burn-Out-Risiko weisen dem Modell zufolge ein hohes Maß an Anforderungen bei gleichzeitig geringem Entscheidungsspielraum auf. Geringe Anforderungen und wenig Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen, kann hingegen eher zu einem Bore-Out führen. Dr. Hößler betonte die Bedeutung eines nachhaltigen Personalmanagements, das an der langfristigen Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden ausgerichtet ist.

„Werkstoff- und Prozesstechnik – von den Anfängen bis zur Digitalisierung“ lautete der Vortrag von Dr. Markus Schröder. Der Ingenieurwissenschaftler zeigte in seinen Ausführungen die Relevanz der Werkstoff-und Prozesstechnik in der Geschichte der Menschheit, der heutigen Zeit und für die Zukunft auf. Die Entwicklung der Menschheit ist geprägt von verschiedenen Werkstoffen, was sich in der Bezeichnung der Zeiten wieder spiegelt: So bezeichnet die Steinzeit die Epoche, in der der Mensch verfügbare Materialien wie Steine, Knochen oder auch gediegenes Kupfer als Werkzeuge nutzte. In der darauffolgenden Bronzezeit lernte der Mensch, wie er aus Erzen Metalle herstellen und sie legieren konnte. Die systematische Erforschung von Werkstoffen begann schließlich im 19. Jahrhundert. Es reiche jedoch nicht aus, diese Werkstoffe zu haben, die Weiterverarbeitung sei wichtig, erklärte Dr. Schröder. Erst mit einem Prozess entstehe aus einem Werkstoff ein Produkt. Dies erläuterte er anhand des Feuersteins aus der Steinzeit. Um aus einem Feuerstein, eine Pfeilspitze zu formen, bedarf es bestimmter Prozessfertigkeiten. Dieses Prozess-Knowhow ist für heutige Werkstoffe genauso wichtig. Das impliziert, dass die Werkstoff- und Prozesstechnik neben den Werkstoffen und den Prozessen auch das Management dieser Komponenten umfasst, um im Zusammenspiel innovative Lösungen zu schaffen oder existierende Prozesse zielorientiert zu betreiben. Dies gelte auch für die fortschreitende Digitalisierung, die erst durch die Entwicklung neuer Werkstoffe und Prozesse möglich ist.

Zum Abschluss der Antrittsvorlesungen bedankte sich Prof. Dr. Peter J. Weber für die interessanten Vorträge und überreichte Dr. Anand, Dr. Hößler und Dr. Schröder zunächst virtuell die Berufungsurkunden des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

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