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Wenn Zahlen einem plötzlich nichts mehr sagen

Man stelle sich vor, dass man plötzlich die Fähigkeit verliert, Zahlen richtig zu erkennen oder zu verstehen. Logopädie-Studenten trainieren mit Akalkuliepatienten.  Menschen, deren Gehirn wegen einer Erkrankung oder eines Ereignisses eine entsprechende Schädigung erfahren hat, stehen vor immensen Herausforderungen. Das betrifft schon alltägliche Situationen wie den Umgang mit Geld beim Einkaufen oder das Uhrablesen, um pünktlich zu einem Termin zu kommen. Was, wenn man auf einmal nicht mehr telefonieren kann oder Fahrpläne missversteht? Wie soll die Rückkehr in den Beruf gelingen? Dabei geht es nicht um höhere Mathematik, sondern um die Bewältigung lebenspraktischer Aufgaben. Akalkulie nennen Experten die Störungen, die im Umgang mit Zahlen und beim Rechnen auftreten können und die ihre Ursache in einer Hirnschädigung haben. Diese ist behandelbar und mit der richtigen Therapie lassen sich vor allem in den ersten fünf, sechs Monaten nach dem für die Schädigung ursächlichen Ereignis Verbesserungen erzielen. Studierende des Studiengangs Logopädie an der Hochschule Fresenius haben im Rahmen eines Projekttages gezeigt, wie das funktionieren kann. Sieben Stationen mit ganz unterschiedlichen Trainings und Spielen, alle im Zusammenhang mit Zahlen, hatten sie sich ausgedacht, entwickelt und für den Besuch von Betroffenen aufgebaut. 16 Betroffene kamen an die Hochschule Fresenius und durchliefen den Parcours, immer in kleinen Gruppen von zwei oder drei Personen, gemeinsam mit den Studenten. In der Simulation einer Einkaufssituation ging es um die Zuordnung des Preises zum passenden Lebensmittel und – natürlich – um das Bezahlen, in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Beim Uhrzeitenmemory mussten digitale und analoge Uhrzeiten einander zugeordnet werden. Gleich zweimal beschäftigten sich die Betroffenen mit einem Zahlenstrahl – einmal zur Einordnung eigener persönlicher Erlebnisse, zum anderen zur Einordnung genereller wichtiger und wiederkehrender Ereignisse wie etwa Ostern oder Silvester. Neben diesen Übungen helfen auch – und gerade – Spiele den Betroffenen, wieder Zugang zu Zahlen zu finden. Das amerikanische Kartenspiel aus den Achtzigern – „Uno“ – in einer etwas vereinfachten Variante ist so ein Beispiel; oder eine Abwandlung des bekannten Gesellschaftsspiels „Nobody`s perfect“, in der es nicht um die Erklärung eines schwierigen Begriffes geht, sondern um die Bearbeitung von Rechenaufgaben mit anschließender Einschätzung, welche Lösung die richtige ist. „Erfolgserlebnisse bei den Übungen und Spielen sind ungemein wertvoll, weil sie den Betroffenen das Gefühl wiedergeben, alltägliche Aufgaben wieder eigenständig lösen zu können, an denen sie zuvor noch gescheitert sind“, sagt Pof. Dr. Norina Lauer, Dekanin des Studiengangs Logopädie an der Hochschule Fresenius. „Sie werden dadurch auch selbstbewusster und trauen sich mehr zu. Diese Eigendynamik führt kontinuierlich zu Verbesserungen.“

Tags: School of Therapy & Social Work,Fachbereich Gesundheit & Soziales,Standort Idstein