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Mit Authentizität an die Spitze – Gastvortrag von Andreas Rettig an der Hochschule Fresenius Köln

Köln (pl) – Andreas Rettig, Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, hielt am 23. März 2017 einen Gastvortrag an der Hochschule Fresenius in Köln. Dabei gab er spannende Einblicke in den Verein und seine Tätigkeit. Den interessierten Studierenden im Publikum verriet er, was einen erfolgreichen Sportmanager ausmacht. „Früher war ich ein offensiver Flügelflitzer mit nur mäßigem Talent“. Mit diesen scherzhaften Worten eröffnete Andreas Rettig seinen Gastvortrag an der Hochschule Fresenius in Köln vor rund 80 Studierenden. Rettig war früher selbst aktiver Fußballspieler beim FV Bad Honnef, SC Viktoria Köln, SC Brück und Wuppertaler SV und suchte dann den Weg in den Profifußball – aber nicht auf dem Feld, sondern im Management. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Bayer AG. Von seinem Förderer Rainer Calmund wurde er für die Fußballabteilung freigestellt und schaffte so bei Bayer 04 Leverkusen den Sprung in den Profifußball. Nach Stationen als Manager beim SC Freiburg, 1. FC Köln und FC Augsburg sowie als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist Andreas Rettig seit rund eineinhalb Jahren Geschäftsführer beim Zweitligisten FC St. Pauli. Derzeit hat er neben seiner Tätigkeit als Geschäftsleiter auch kommissarisch den Posten des Sportdirektors inne. War der FC St. Pauli vor 1985 ein ganz normaler Verein mit wenigen tausend, manchmal nur einigen hundert Besuchern am Millerntor, so wandelte sich der Verein Ende der 1980er Jahre in einem noch nicht gekannten Maße. Menschen aus der linksalternativen Szene entdeckten den Club für sich und brachten Politik ins Stadion, zeigten bei vielen Themen, die das Viertel und die Stadt betrafen, klare Kante; sie brachten aber auch Selbstironie und jede Menge Kreativität mit ans Millerntor. Der Totenkopf steht dabei wie kein anderes Wahrzeichen für das Rebellische und den Wunsch, unabhängig zu sein. Diesen Wunsch, auch wirtschaftlich unabhängig zu sein, haben sich die Verantwortlichen bis heute bewahrt. Daher müsse der FC St. Pauli ungeachtet des sportlichen Erfolges auch Erlöse durch die Vermarktung einholen, verriet Rettig. Der Club unterschied sich schon immer von anderen: So hat der FC St. Pauli seinen Ursprung in der linksalternativen Szene und positionierte sich klar gegen das Establishment. Nicht selten nahm er die Rolle des Vorreiters ein: Hier gab es die erste Stadionordnung, in der sich klar gegen Nazis, Homophobie, Sexismus und Diskriminierung ausgesprochen wurde, der Frauenanteil unter den Fans war höher als bei anderen Clubs. Auch politisch bezieht der Verein klar Stellung: Zu Beginn der Flüchtlingskrise wurde zum Beispiel mit viel Nächstenliebe und Herzblut der Presseraum im Stadion als Schlafplatz zur Verfügung gestellt und die Flüchtlinge wurden von Vereinsmitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern vom Bahnhof abgeholt und ins Stadion gebracht. Was ausschlaggebend für seinen Wechsel nach Pauli war? „Ich wollte weg vom Einheitsbrei und war einhundertprozentig davon überzeugt, dass mit dem Club was zu machen ist.“ Dabei entschied sich Rettig, dessen eigentlicher Lieblingsverein Rot-Weiss Essen ist, damals zwischen mehreren Optionen für das wirtschaftlich schlechteste Angebot, wie er sagt. Heute habe er beim FC St. Pauli eine höhere Jobzufriedenheit, auch wenn seine Arbeit als Geschäftsführer – gerade jetzt in der Doppelfunktion –enorm anspruchsvoll und fordernd sei: „Der Club ist für mich ein ganz besonderer, ein Verein mit Tradition. Auch wenn ich hier bereits schwierige Zeiten durchlebt habe, kann ich meine mitunter kontroverse Meinung äußern“, so Rettig. Junge Leute, die eine Managementkarriere im Fußball anstreben, sollten immer die höchst mögliche Ausbildungsstufe ins Auge fassen. Doch am Ende werde immer der Charakter entscheidend sein: „Das ist wie beim Fußball, der Charakter schlägt das Talent.“  Von daher sei es noch wichtiger, sich für soziale Themen zu interessieren und sich gesellschaftlich einzubringen.
Angehenden Sportmanagern rät er zudem, sich profunde Fachkenntnisse anzueignen und Netzwerke zu bilden. Auch seien Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Fleiß und Berechenbarkeit unerlässlich. Eine Führungskraft müsse authentisch sein und dürfe sich für nichts zu schade sein, denn „ist eine Führungskraft nicht glaubwürdig, dann gibt es ein Problem“, resümierte Rettig. Andreas Rettig war der Einladung von Diplom-Kaufmann Christian Müller, Studiendekan für den Bachelor-Studiengang Sportmanagement an der Hochschule Fresenius Köln, gefolgt. Die Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, bedankt sich bei Andreas Rettig für den wirklich gelungenen Vortrag.

Tags: Startseite,allgemeine News,Standort Köln,Fachbereich Wirtschaft & Medien,Business School