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Kommunikation im öffentlichen Raum: Gastvortrag von Journalist Daniel Heinrich

Köln (pl) – Der Journalist Daniel Heinrich war während des Verfassungsreferendums in der Türkei und hat von dort für die Deutsche Welle berichtet. Im Rahmen eines Gastvortrags am 10. Mai 2017 gab er Studierenden an der Hochschule Fresenius Köln einen spannenden Einblick in die Kommunikation im öffentlichen Raum in der Türkei und in Deutschland. Ob Verfassungsreferendum zum Präsidialsystem in der Türkei oder das Asyl türkischer Soldaten in Deutschland: Die türkische Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdogan haben in jüngster Vergangenheit vielfältig den politischen und medialen Diskurs bestimmt, nicht nur in der Türkei, sondern auch in Europa und in Deutschland. Daniel Heinrich, der unter anderem für die Deutsche Welle und den Deutschlandfunk arbeitet, hat in Istanbul und München Turkologie und Internationale Beziehungen studiert. In den vergangenen Jahren hat er mehrfach aus der Türkei berichtet. In seinem Vortrag gab er zunächst einen Überblick über den Putschversuch in der Türkei Mitte Juli 2016. Vor allem eines war ihm wichtig zu betonen: Die türkischen Medien konzentrierten sich in ihren Geschichten auf Einzelpersonen,  „Helden“, die sich den Putschisten wagemutig entgegengestellt hätten. Welche Rolle Emotionalität und Symbolik dabei spielten, verdeutlichte er anschaulich anhand treffender Video-Beispiele. Der medial erzeugte Mythos diene Erdogan auch als Rechtfertigung für das kürzlich verabschiedete Präsidialsystem, so Heinrich. Folge man  der Argumentation der türkischen Regierung brauche der Staat mehr Macht, um die Menschen zukünftig besser schützen zu können. Daniel Heinrich gab auch einen Einblick in die politische Auseinandersetzung in der Türkei. Neben der Parteienlandschaft verdeutlichte er die Rolle der Opposition in der türkischen Politik. Im Vortrag wurde auch das Verhältnis von in Deutschland lebenden Türken zur Türkei und zu Deutschland und deren Wahlmotivation in punkto Verfassungsreferendum thematisiert. In diesem Zusammenhang gab der Türkei-Kenner einen Einblick in seine Arbeit als Journalist und erzählte, wie er Stimmungsbilder in Deutschland und der Türkei eingefangen habe. Er stellte die Frage in den Raum, inwiefern die Aussagen deutscher Politiker überhaupt in deutsch-türkischen Haushalten ankämen und welche Rolle hierbei das Gefühl nach Zugehörigkeit spiele. Hinsichtlich der Integration hier lebender Türken sprach er  unter anderem über ein neu geschaffenes Nachrichtenportal der Tageszeitung „taz“. Dieses erscheint seit Kurzem in türkischer Sprache und versucht auf diese Weise in Deutschland lebende Türken zu erreichen. Hierbei ging es auch um die Frage, was für die Akzeptanz wichtiger sei: das Überwinden von Sprachbarrieren oder das Anerkennen unterschiedlicher Wertvorstellungen. Integration könne nur funktionieren, wenn beide Seiten mit einem gesunden Selbstbewusstsein unvoreingenommen aufeinander zugingen. Nur so könne man sicherstellen, dass die Kommunikation künftig nicht aneinander vorbei gehe, so Heinrich resümierend. Im Anschluss an den spannenden Vortrag schloss sich eine Diskussion an. Die Hochschule Fresenius bedankt sich herzlich bei Daniel Heinrich für sein Engagement.

Tags: allgemeine News,Startseite,Standort Köln,Fachbereich Wirtschaft & Medien,Media School