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News

Kinderlachen statt Hotelbett, Schreinerbank und Bits & Bytes

Ende August startete in Frankfurt am Main der Unterricht für 18 Frauen und fünf Männer aus unterschiedlichen Kulturen, die am Bundesmodellprogramm „Quereinstieg – Männer und Frauen in KiTas“ teilnehmen. Sie werden in den nächsten drei Jahren ihre Weiterbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin – beziehungsweise zum staatlich anerkannten Erzieher machen. Für das Projekt haben die ASB Lehrerkooperative, IB Südwest und die Private Schule für Sozialberufe an der Hochschule Fresenius den Zuschlag vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) bekommen. Bundesweit wird dieses Projekt bis 2020 mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt.

Während ihrer Weiterbildung zur Erzieherin/zum Erzieher  sind die Studierenden in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis in einer Kindertagesstätte beschäftigt und erhalten eine finanzielle Förderung in Höhe von rund 1.050 EUR (brutto) im Monat. „Im Prinzip geht es darum, dass wir eine breit differenzierte Landschaft an Ausbildungsangeboten bekommen“, sagt Dr. Martin Nörber vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. „Wir haben schon die fachschulische Ausbildung in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, der Bedarf an Erziehern steigt aber gerade in den Großraumregionen ganz massiv. Deshalb versuchen wir Quereinsteiger zu erreichen, die jetzt in ihren Wunschberuf wechseln möchten. Sie bringen viel Lebenspraxis mit, das bereichert den Alltag in den Einrichtungen ungemein.“

Klasse ist bunt gemischt
Zwischen 28 und 54 Jahren sind die aktuellen Teilnehmer an dem Modellprojekt alt, stammen aus elf Ländern – und weisen ganz unterschiedliche berufliche Erfahrungen auf. So zum Beispiel Martina Fröhlich, die zuletzt vier Jahre in Frankfurt-Schwanheim einen kleinen Laden für Dekoration und Geschenke führte und „beruflich noch einmal etwas ganz anderes machen wollte.“ Oder Kristina Gelo, die in Kroatien Jura studiert und ein Jahr bei der Rentenversicherung über Anträge beschieden hat. „Mit Jura könnte ich mehr Geld verdienen, aber ich käme nicht so glücklich nach Hause wie vom Kindergarten. Den besuchte sie während ihres dreimonatigen Vorpraktikums, das für alle verpflichtend ist. „Die Arbeit mit den Kindern macht mir einfach Spaß“, sagt sie, „und ich bin offen für alle beruflichen Möglichkeiten, die sich nach der Ausbildung bieten.“ Diesbezüglich hat Cristina Lopez-Espinosa, in ihrem früheren Leben Hotelfachfrau, klare Vorstellungen: „Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sind genau meine Sache. Ich mag die Abwechslung und glaube, dass ich aufgrund meiner Vielseitigkeit auch für ebendiese sorgen kann.“ Sie stammt aus einer Großfamilie und hat schon viele Nebentätigkeiten gehabt. Auch Jacob Wentzel weiß, wo er hingehört – er arbeitete in der erweiterten schulischen Betreuung an Grundschulen (ESB) und möchte genau da auch wieder hin. „Da Männer immer noch selten in diesem beruflichen Umfeld anzutreffen sind, rechne ich mir gute Chancen aus.“ Im Unterricht finden sich daneben auch Gärtner, IT-Spezialisten, Kfz-Mechaniker oder Bürokaufleute.

Theorie und Praxis wechseln sich ab
Neu im Rahmen des Modellprojekts ist die intensive Betreuung durch drei Koordinatoren, die sich um das Coaching und die Begleitung durch die Weiterbildung kümmern – sowie der Lehrplan, der nicht mehr auf die klassischen Lehrfächer setzt, sondern mehr kompetenz- und handlungsorientiert daherkommt. Die Inhalte richten sich nach den Herausforderungen des täglichen Berufslebens und den Lebensabschnitten der Kinder. „Außerdem können die Studierenden das im Unterricht Erlernte direkt in der beruflichen Praxis anwenden und sammeln auf diese Weise schnell wertvolle Erfahrungen“, so Attila Cinar, Leiter der privaten Schule für Sozialberufe an der Hochschule Fresenius. „Das System funktioniert auch umgekehrt und wir diskutieren im Unterricht Fragestellungen, die sich in der beruflichen Praxis ergeben haben.“ Die nächste Kohorte startet im August des nächsten Jahres, die frühzeitige Bewerbung wird empfohlen.

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