Im Gespräch mit Experten: Depression im Leistungssport

Diplomsport- und Fußballlehrer Andreas Bergmann, ehemals Trainer von Robert Enke bei Hannover 96, und Sport-Psychologe Prof. Dr. Jan Mayer von der TSG Hoffenheim zu Gast an der Hochschule Fresenius Heidelberg.

Am kommenden Sonntag (10.11.) jährt sich der Suizid des Nationaltorwarts Robert Enke zum zehnten Mal. Abseits medialer Berichterstattung war es für die Studiengänge Sportmanagement (B.A.) und Psychologie (B.Sc.) Anlass, Möglichkeiten und Grenzen bei der Krankheit Depression mit Experten zu erörtern. Zu Gast an der Hochschule Fresenius Heidelberg war Andreas Bergmann, der damalige Trainer von Robert Enke bei Hannover 96. In einem Gespräch mit Prof. Dr. Stefan Simm, Studiengangsleiter Sportmanagement in Heidelberg, gab Andreas Bergmann dazu tiefe Einblicke in den Bundesligabetrieb und in die Ereignisse vor und nach dem Suizid von Robert Enke.

Was können wir aus dem tragischen Tod von Robert Enke lernen, war die zentrale Frage beim Blick auf Depression im Leistungssport. In einem vertraulichen Gesprächsrahmen wurde das „Unfassbare“ zum einen durch die beschriebenen Erlebnisse von Trainer Andreas Bergmann greifbar(er). Neben der Sicht und Erfahrung des Trainers flossen zum anderen die Gesprächsbeiträge von Sport-Psychologe Prof. Dr. Jan Mayer (TSG Hoffenheim) und Prof. Dr. Burkhard Schmidt (Studiengangsleiter Psychologie) ein. Im Verlauf des Gesprächs kamen unweigerlich bewegende Momente zur Sprache, aber insbesondere Erkenntnisse aus der Sport-Psychologie und Psychologie verhalfen, diese zu reflektieren und zu verarbeiten. Beispielsweise, was wir nach Prof. Dr. Mayer hinsichtlich der Depression aus dem Sport bzw. von Sport-Psychologen/Sportlern lernen können (z. B. Screening). Oder nach Prof. Dr. Schmidt: Welche anerkannten psychologischen Maßnahmen zur Gesundheitserhaltung bzw. gegen Berufskrankheiten gilt es, im (Sport)Management zu begreifen und entsprechend aus menschlicher Verantwortung und wirtschaftlichen Gründen (z. B. Absenzzeiten) in die Tat umzusetzen.

Über den konkreten fachlichen Bezug zur Sport-Psychologie und zum Sportmanagement hinaus wurde zudem der Bogen zum Hochschulbetrieb und zur gesellschaftlichen Verantwortung gespannt. Letztlich zog die Gesprächsrunde das Fazit: Der öffentliche Umgang mit Depression im Hochleistungssport sollte dem eines „Beinbruchs“ gleichen, um die erforderliche psycholgische und pychiatrische Unterstützung für den Sportler uneingeschränkt nutzen zu können. Auch wenn dem Vernehmen nach das berufliche Umfeld und die Gesellschaft insgesamt noch nicht soweit zu sein scheinen, sollte es dennoch das ungebrochene Ziel sein, das Stigma der Depression bzw. psychischer Erkrankungen im Sport und in der Gesellschaft sukzessiv zu beseitigen.

Studiengangsleiter Prof. Dr. Stefan Simm und Prof. Dr. Burkhard Schmidt bedanken sich bei ihrem Gast Andreas Bergmann für das offene, tiefgründige Gespräch und bei Prof. Dr. Jan Mayer für seine sportpraktischen psychologischen Bezüge. Zum Gedenken an Robert Enke.

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