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Forderung nach mehr Interdisziplinarität

Rund 130 Gäste aus ganz Deutschland waren gekommen. Kernthema der Podiumsdiskussion war die interdisziplinäre Zusammenarbeit – mit anderen Therapieberufen, aber auch mit den Ärzten. Es herrschte Einigkeit, dass diese zumindest in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet ist und hier zügig eine größere gegenseitige Akzeptanz und mehr Respekt für die Arbeit des jeweils anderen vonnöten seien. „Manche Therapeuten äußern sich auch immer wieder dahingehend, dass sie von der Ärzteschaft noch nicht richtig ernst genommen werden – dem müssen wir vor allem mit entsprechender Aufklärungsarbeit gemeinsam entgegenwirken, letztlich ja zum Wohle der Patienten“, sagte Hester van Wijnen, Studiendekanin des Bachelor- und Masterstudiengangs Osteopathie und Manuelle Therapie an der Hochschule Fresenius. Es gab in der Diskussion allerdings einige Beispiele, die eine gelungene Zusammenarbeit zeigen –  vor allem auf Basis des persönlichen Engagements von Therapeuten. Wenig neue Erkenntnisse gibt es im Hinblick auf die berufspolitische Entwicklung der Osteopathie. Sie gilt als Heilkunde und darf als solche nur vom Arzt oder Heilpraktiker eigenständig ausgeübt werden. Hester van Wijnen: „Beispielsweise dürfen osteopathisch ausgebildete Physiotherapeuten immer noch nur im Rahmen des Tätigkeitsbereiches ihres Berufsbildes osteopathisch arbeiten. Nach wie vor ist nicht abzusehen, wann die Osteopathie als eigenständiges Berufsbild anerkannt wird.“  Fachlich-inhaltlich lag der Schwerpunkt des Symposiums auf dem Kiefergelenk, der Diagnose von Erkrankungen in diesem Bereich und möglichen Therapieformen. „Wir haben aus den Vorträgen der Therapeuten mitnehmen können, dass die isolierte Behandlung des Kiefergelenks in den meisten Fällen keinen Sinn macht, sondern Störungen und Dysfunktionen im gesamten Körper in die Betrachtungen einbezogen werden müssen“, so van Wijnen. Beispielsweise weise die so genannte craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ein sehr vielschichtiges Störungsbild auf und verlange von allen Beteiligten – und dazu gehören immerhin Zahn- und HNO-Ärzte, Kieferorthopäden, Physio- und Manualtherapeuten sowie Osteopathen enormes interdisziplinäres Wissen. Schon die Diagnostik sei schwierig, da Schmerzen und Dysfunktionen nicht direkt im Kiefergelenk, sondern häufig genug an anderer Stelle im Körper auftreten. „Oftmals sind für die Betroffenen Zahnärzte gar nicht die erste Anlaufstelle“, schildert van Wijnen. „Es vergeht häufig einige Zeit und es bedarf einiger Versuche, bis die richtige Diagnose gestellt werden kann.“           In einem Nebenprogramm wurde bedacht dass vor 100 Jahren Andrew Taylor Still, der allgemein als Begründer der Osteopathie angesehen wird, verstarb. Still beschrieb mehrere osteopathische Prinzipien. Ein sehr zentraler Ansatz ist, dass der menschliche Körper selbstregulatorische Fähigkeiten besitzt. Es ist Aufgabe der Osteopathen, diese selbstregulatorischen Fähigkeiten zu unterstützen beziehungsweise im Bedarfsfall zu stimulieren. Die Osteopathie geht außerdem von der ganzheitlichen Betrachtung des menschlichen Körpers aus. Beim Symposiumsthema  Kiefergelenk wurde deutlich, wie notwendig dieser Ansatz ist.

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