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Erfolgreich gründen

Die Hochschule Fresenius war in diesem Jahr Hauptsponsor beim Hessischen Gründerpreis. Im Loftwerk in Wiesbaden stellten sich neben den Gewinnern weitere Gründer mit ihren Geschichten vor. Experten diskutierten darüber, welche Faktoren entscheidend für den Erfolg eines Start-ups sind. Prof. Dr. Andreas Homburg und seine Studierenden der Wirtschaftspsychologie präsentierten Studienergebnisse.

Es war viel von Mut die Rede, von Selbstverwirklichung, Kreativität, der Notwendigkeit, die richtigen Leute kennenzulernen – und von Leidenschaft. Dies sind entscheidende Aspekte, wenn man eine Idee hat und sich selbstständig machen will.

Studie der Hochschule Fresenius

Und von diesen Menschen gibt es gar nicht so wenige. Eine Studie, die Wirtschaftspsychologe Prof. Dr. Andreas Homburg von der Hochschule Fresenius mit Studierenden durchgeführt hat, belegt das. 400 junge Menschen haben die Forscher im Oktober und November gefragt, und viele können sich eine Gründung vorstellen. „Sie verbinden Positives damit. Der eigene Herr oder die eigene Frau zu sein ist reizvoll. Wenn auch das Umfeld stimmt, ist die Gründungsintention hoch“, so Homburg. Die Befragten schätzen die Hürden realistisch ein. Die Finanzierungsfrage ist ein wichtiger Faktor. Eine wichtige Rolle spielen fehlendes Know-how und der Mangel an Berufserfahrung. „Es geht aber nicht um das Wissen um die Sache, sondern um organisatorische Anforderungen und das richtige Zeitmanagement“, so der Wirtschaftspsychologe. Die Angst vor dem Scheitern und einer ungewissen Zukunft sind ebenso Hürden, die übersprungen werden müssen.

Zahlreiche Besucher fanden den Weg ins Wiesbadener Loftwerk

Erfolgsbeispiele

Nicht immer bedarf es einer langen Vorlaufzeit oder eines detailliert ausgearbeiteten Business-Plans. Bestes Beispiel dafür ist Talitha Grimus, ehemalige Studentin an der Hochschule Fresenius. Sie ist stolze Besitzerin von Mr. Pokee, einem afrikanischen Weißbauchigel. Sie veröffentlichte auf Instagram Fotos von ihrem possierlichen Begleiter – und der wurde zum Star. 1,1 Millionen Abonnenten hat seine Seite und sein Frauchen kann sich vor Kooperationsanfragen von Unternehmen kaum retten. In der Vorweihnachtszeit muss sie noch 2.500 Kalender produzieren und verschicken. Auf die Idee mit den Kalendern brachte sie ein Follower.

In den meisten Fällen muss es aber schon eine ausgeklügelte Geschäftsidee und einen ausgewogenen Plan geben. „Gerade wenn es um Design und Gestaltung geht, muss der Gedanke an die Verkaufbarkeit ein Haupttreiber sein, so schön die kreative Selbstverwirklichung auch ist“, sagte Susanna Schmitt, die unter Susanna Yi ein eigenes Modelabel ins Leben gerufen hat. Auch bei „Kleidgeist“, eine Modeplattform für Jungdesigner und „comfash“, einer Mode-App für den stationären Handel ist eine sorgfältige Planung unablässig.

Gewinner des Hessischen Gründerpreises

Das gilt umso mehr für die diesjährigen Gewinner des Hessischen Gründerpreises. In der Kategorie „Gründungen aus der Hochschule“ gab es drei Sieger: Kizito Odhiambo (Darmstadt), der mit „Agribora“ ein Netzwerk intelligenter Wetterstationen in Kenia errichten will; außerdem Malte Bürger, Jan Herold und Johannes Feik aus Fulda mit ihrem Praktikantennetzwerk „Praktikumsjahr“. Und nicht zuletzt Khodabakhshi Shahrokh, Pouya Haschemi und Jörg Kreisel, die den unabhängigen Raumfahrtservice HOSTmi in Darmstadt gegründet haben.

Um die Rolle der Hochschulen bei Neugründungen ging es in der Podiumsdiskussion

Rolle der Hochschulen

Zentrales Gesprächsthema einer Podiumsdiskussion, moderiert von Alice Engel von hr info, war die Rolle der Hochschulen im Zusammenhang mit Neugründungen. Prof. Dr. Andreas Homburg betonnte, „dass man mit der großen Gruppe Gründungswilliger verantwortungsvoll umgehen muss. Es sollte hier kein Hype entstehen, der junge Menschen auch in Schwierigkeiten bringen kann.“ Maximilian Faust, Leiter des Competence Centers Entrepreneurship an der Hochschule Fresenius, sprach vom „gesellschaftlichen Auftrag“ insbesondere der Fachhochschulen: „Wir müssen Karrierewege aufzeigen – das können und müssen auch andere als die klassischen sein.“ Wichtig sei ihm, dass die Hochschule junge Menschen nicht nur mit dem nötigen Know-how ausstatte, sondern auch motiviere, ein „Feld der Inspiration“ biete. Es sei außerdem nicht ausreichend, nur einen Lehrstuhl oder ein Gründerzentrum zu haben. „Der ganzheitliche Ansatz ist wesentlich. Dieser umfasst Beratungsleistungen, Networking, Events und die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur.“

Geisteshaltung

Dr. Mattias Wallisch, der für das RKW Kompetenzzentrum Gründerökosysteme begleitet, bestätigte das: „Es ist die originäre Aufgabe von Hochschulen eine unternehmerische Geisteshaltung zu prägen und ihnen das entsprechende Handwerkszeug mitzugeben. Sie sollten auch immer persönliche Kontakte herstellen und sich Gründern öffnen, die als Vorbild dienen.“ Essenziell sei die Sensibilisierung auf das Thema. Viele junge Menschen tragen diesen Keim dann in sich – und wenn sie nicht sofort in die Gründung gehen, dann möglicherweise zeitversetzt. „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung: Hatten wir vor 25 Jahren in Deutschland noch keinen einzigen Lehrstuhl für Entrepreneurship, so sind es heute über 200.“

Prof. Peter Schmies, Professor für Mode- und Designmanagement am Fachbereich Design der Hochschule Fresenius, hob hervor, dass es wichtig ist, nicht nur über erfolgreiche Gründungen zu sprechen. „Auch aus dem Scheitern kann man sehr wertvolle Rückschlüsse ziehen. Die Erfahrungen, die andere schon gemacht haben, können bei eigenen Gründungsvorhaben ungemein hilfreich sein.“