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Der Facettenreichtum der Psychologie

Köln (tw) – Von Psychotherapeut bis Sportpsychologe: Beim 1. Tag der Psychologie in Köln stellten fünf Experten verschiedene Arbeitsbereiche vor. Dass Psychologen längst nicht nur als Therapeuten arbeiten, ist klar. Was sich aber konkret hinter diesem Studienabschluss verbirgt und was man damit sonst noch alles anfangen kann, haben Berufspraktiker und Studierende beim Tag der Psychologie an der Hochschule Fresenius Köln, Fachbereich Wirtschaft & Medien, gezeigt. Einen ganzen Tag lang konnten sich Studierende derPsychology School und alle an Psychologie Interessierten über die Vielseitigkeit des Fachs informieren. „Das Ziel unserer Veranstaltung ist es, einen Überblick über den Facettenreichtum der Psychologie zu geben und zu zeigen, in wie vielen unterschiedlichen Gebieten unsere Absolventen Fuß fassen können“, sagte Prof. Dr. Wera Aretz, Prodekanin und Leiterin der Psychology School, zur Begrüßung. Die Diplom-Psychologin Verena Stumm arbeitet als sportpsychologische Beraterin. Bevor sie mit ihrem Vortrag begann, bat sie eine Besucherin, zu ihr auf die Bühne zu kommen und einen Bleistift mit dem Zeigefinger zu zerschlagen. Sie müsse all ihre Kraft und Konzentration auf den Bleistift richten und sich vorstellen, wie ihr Zeigefinger das Holz zerschneide wie weiche Butter. Es klappte nicht. Ein junger Mann aus dem Publikum schaffte es schließlich mit einem kräftigen Handkantenschlag. Diese kleine Vorführung sollte verdeutlichen, wie wichtig Konzentration, Motivation und die Vision des Sieges für sportliche Erfolge sind. Als Sportpsychologe müsse man bereit sein, an ungewöhnlichen Orten und zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten. Auch bleibe man immer im Hintergrund. „Noch nicht einmal der Sportpsychologe der deutschen Fußballnationalmannschaft ist bekannt“, sagte Stumm. An der Hochschule Fresenius ist Sportpsychologie zukünftig als Schwerpunkt wählbar. Auch ein Quereinstieg sei möglich, am besten mit einem Psychologie- oder Sportwissenschaftsstudium und einer Weiterbildung zum sportpsychologischen Coach oder Mentaltrainer. Nicht nur Sportler nähmen diese Beratung in Anspruch, um bessere Leistungen zu erzielen, Verletzungen aufzuarbeiten oder die Motivation nach Niederlagen zu halten. Auch Trainer ließen sich beraten, um zum Beispiel Konflikte in einem Team zu lösen. In das Feld der Marktforschung führte Hochschuldozentin und Diplom-Psychologin Dr. Anna Schneider ein, die vor ihrer Dozententätigkeit lange beim internationalen Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGov gearbeitet hat. „Für die Marktforschung braucht man Neugierde und Flexibilität. Sammeln, aufbereiten, interpretieren und beraten – das ist Marktforschung“, sagte sie. Wichtig seien Kenntnisse in Empirie und Analyse, eine marketingspezifische Sprache, Fremdsprachen und gutes Zeitmanagement. Da Marktforschung mehrere Namen habe, solle man sich bei der Stellensuche auch auf die Begriffe „Consumer Insights“ und „Market Research“ konzentrieren. Moritz Piel ist Absolvent der Hochschule Fresenius (Wirtschaftspsychologie) und berichtete über seine Tätigkeit bei der GMK Markenberatung in Köln. „Wir glauben, dass Marken sich wie Menschen beschreiben bzw. positionieren lassen und dass Menschen sich eher mit Marken identifizieren, die ihnen von ihren Werten her ähnlich sind“, sagte er. In seiner Firma arbeiteten 21 Berater aus unterschiedlichen Bereichen, darunter auch Theaterwissenschaftler oder Designer. Ihre Aufgabe sei es, Kunden wie beispielsweise BMW so zu beraten, dass ihr Markenimage bzw. Markenpositionierung bei den Konsumenten hängen bleibt. Dafür seien Kenntnisse der Arbeits-, Organisations-, Markt-, Werbe- und Medienpsychologie hilfreich. Diplom-Psychologe Daniel Corbic von der Rewe Group berichtet über die Themen Recruiting und Personalpsychologie. Die Rewe Group – dazu gehören auch Toom, DER Touristik und Penny –  beschäftigt sich mit allem, was oberhalb der Märkte angesiedelt ist. „Es gibt keinen schöneren Job, als Leute einzustellen. Man ist allerdings der Dienstleister im Hintergrund“, sagte er zu Beginn seines Vortrags. Als Recruiter suche er nach passendem Personal für die unterschiedlichsten Positionen. Was sind die Anforderungen? Wer wäre ein guter Mitarbeiter? Warum hat jemand gekündigt? Wie muss ich meine Stellenanzeige formulieren und wo sollte man sie schalten? Und wie moderiert man am besten ein Vorstellungsgespräch? „Man muss schauen, was für eine Person ich da vor mir habe. Ist sie schüchtern oder sehr selbstbewusst? Meine Fragen variieren je nach Charakter des Bewerbers“, berichtete er. Man müsse in seinem Job neugierig auf Menschen sein, sich auf unterschiedliche Anforderungen einstellen und Wertschätzung vermitteln. Zuletzt kam dann mit Privat-Dozent Dr. Thomas Langens von der Psychosomatischen Tagesklinik Köln doch noch ein Psychotherapeut zur Sprache. Er informierte über zwei gängige Möglichkeiten, psychotherapeutisch tätig zu werden. Üblich sei für Psychologinnen und Psychologen der Weg über die Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten im Anschluss an ein Masterstudium der Psychologie. „Wichtig bei der Ausbildung ist ein gutes Gefühl für sich selbst. Kann man sich abgrenzen oder nimmt man die Gefühle der anderen mit nach Hause? Auf jeden Fall muss man sehr neugierig sein und jedem Menschen neu, offen und ohne Vorurteile gegenübertreten“, gab Langens den Studierenden mit auf den Weg. Nach einer kurzen Pause präsentierten sichtlich stolze Studierende aus den StudiengängenWirtschaftspsychologie (B.Sc.) undAngewandte Psychologie (B.Sc.) Ergebnisse ihrer ersten eigenen Forschungsprojekte. In Anlehnung an übliche Posterpräsentationen auf psychologischen Fachtagungen zeigten auch hier Studierende ihre Forschungsbefunde zu Themen wie „Verändert die Nutzung der Dating-App tinder unser Selbstbewusstsein?“, „Inwiefern fördern Streaming-Angebote wie Netflix den Verlust von Selbstkontrolle?“ oder „Durch welche Angebote kann das Burnout-Risiko von Ärzten reduziert werden?“. Studieninteressierte, Dozenten und Kommilitonen waren eingeladen, Fragen an die Präsentierenden zu richten und mit diesen ins Gespräch zu kommen. Für den Abschluss der Veranstaltung hatten sich die Organisatorinnen ein besonderes Highlight ausgedacht, um psychologisches Handwerkszeug für die Teilnehmer erlebbar zu machen: Prof. Dr. Svenja Thiel, Dozentin im Schwerpunkt „Organisationspsychologie und -beratung“ im Bachelorstudiengang Wirtschaftspsychologie und selbst Unternehmensberaterin, lud die Anwesenden zum „World Café“ ein – einer Methode, bei der auch große Gruppen durch strukturierte und systematische Gespräche in wechselnden kleineren Gruppen gemeinsam Aufgabenstellungen bearbeiten und Lösungsvorschläge entwickeln können. Unterstützung bei der Begleitung und Moderation des Prozesses fand sie dabei durch fortgeschrittene Bachelorstudierende, die so theoretisches Wissen praktisch anwenden konnten.

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