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„Bierspiel und Peitscheneffekt“ im Studiengang Logistik und Handel an der Hochschule Fresenius Hamburg

Als sich die Studierenden des ersten Semesters im Bachelor-Studiengang Logistik und Handel (B.A.) zur Vorlesung trafen, floss weder Bier noch kam eine Peitsche zum Einsatz. Ihr Studiengangsleiter Johannes Hogg hatte ein „Bierspiel“ initiiert. Im Rahmen dieses Rollenspiels sollten die Studierenden live miterleben, dass auch die Systemstruktur das Systemverhalten bestimmt. Probleme innerhalb des Systems „Lieferkette“ sind nicht primär in externen Faktoren begründet. Vielmehr schaffen sich dynamische Systeme ihre Probleme selbst. Konkret wurde die Logistikkette für Bier über die vier Kettenglieder Händler, Großhändler, Distributor und Fabrik in einer Zeitreihe von mehreren Wochen simuliert. Dabei veränderte der Endkunde nur einmal sein Bestellverhalten und kaufte statt vier Kisten Bier ab der fünften Runde immer jeweils neun Kisten beim Händler. Dies führte innerhalb der  Logistikkette zu einem sogenannten „Peitscheneffekt“: Die veränderte Bestellmenge des Endkunden führte bei den vertikal lose verbundenen Unternehmen zu einem Phänomen sich gegenseitig verstärkender Fehlentscheidungen.
 
Die Fabrik nimmt an, dass auf dem Markt die Nachfrage nach Bier erheblich gestiegen ist und fährt daher die Produktion deutlich nach oben. Doch das war eine Fehlentscheidung, da jede Woche nur fünf Kisten mehr bestellt wurden. Der Effekt gipfelte darin, dass die Fabrik am Ende der Kette in vier Wochen jeweils über 100 Kisten herstellte. Lerneffekt der Übung war, dass es bei mangelnder Information, variierenden Losgrößen, Preisschwankungen und Knappheit zu diesem Peitscheneffekt kommen kann. Der Händler blieb am Ende der Übung auf über 290 Kisten Bier und enormen Kosten sitzen. Die Studierenden erfuhren so, dass Kommunikation und Koordination sehr wichtig sind. Anhand des Rollenspiels wurde relativ schnell klar, welche Konsequenzen Fehlentscheidungen nach sich ziehen.

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