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Berufseinstieg Marketing/Vertrieb in der Chemiebranche

Hat Marketing nur mit bunten Werbekampagnen zu tun? Und ist man im Vertrieb wirklich nur Klinkenputzer? Von diesen Fragen ausgehend luden die Jungen Wirtschaftschemiker (JuWiChem) Idstein und die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an die Hochschule Fresenius nach Idstein zur Veranstaltung „Berufseinstieg Marketing/Vertrieb“ ein. Und wer wäre besser geeignet, solche Fragen zu beantworten als erfahrene Berufspraktiker? Zu Gast waren am Fachbereich Chemie & Biologie daher Dr. Andreas Maier, Geschäftsführer Consumer Care,Weylchem Wiesbaden (Hersteller von Spezialchemikalien) und Marc Müller, Projektmanager bei derBIOGRUND GmbH, Hünstetten (u.a. Filmcoating von Tabletten). Auch Felix Respondek, Geschäftsführer der Firma BIOGRUND, ein langjähriger Kooperationspartner der Hochschule Fresenius, ließ es sich nicht nehmen, der Einladung zu folgen. Trotz sommerlicher Temperaturen war die Veranstaltung sehr gut besucht: Über 30 Teilnehmer aus den StudiengängenAngewandte Chemie undWirtschaftschemie (B.Sc./M.Sc.) sowie Dozenten waren anwesend. Marc Müller schloss nach einerCTA-Ausbildung 2011 sein Studium mit demBachelor Wirtschaftschemiean der Hochschule Fresenius ab. Seit fünf Jahren ist er nun im Außendienst bei BIOGRUND tätig. Das Unternehmen mit Sitz in Hünstetten ist vor allem spezialisiert auf Filmüberzüge von Tabletten und Dragees. Gegründet wurde BIOGRUND 1999 und beschäftigt aktuell rund 70 Mitarbeiter. In seinem Vortrag stellte er zunächst das Unternehmen vor und berichtete dann von seinen Erfahrungen im Vertrieb. „Vertrieb ist in unserer Branche der beratungsintensive Verkauf erklärungsbedürftiger Güter. Beim Kunden geht es immer darum, Lösungen für ein bestimmtes Problem zu finden – da ist nicht nur aktives Mitdenken sondern auch eine solide fachliche Basis notwendig“. Beides habe Müller in seinem Studium der Wirtschaftschemie erworben: „Die Produkte kennen, über Preise nachdenken, Marktentwicklungen verstehen, gut verhandeln – all das kann ich als Wirtschaftschemiker in einer Person vereinen. Da höre ich oft von Kunden, dass sie eine solche Expertise auch gerne hätten.“ Vertrieb ist aber laut Müller noch mehr als nur Verkaufen, denn auch neue Ideen entstehen seiner Erfahrung nach immer in Verbindung mit dem Kunden – und nicht im stillen Kämmerlein einer Abteilung. Dr. Andreas Maier studierte nach seiner CTA-Ausbildung ebenfalls Chemie und schloss danach ein betriebswirtschaftliches Zusatzstudium an. Er ist als Geschäftsführer von Consumer Care im Unternehmen Weylchem in Wiesbaden tätig. Wie die Firma BIOGRUND, gehört Weylchem zu der Gruppe von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), die laut Maier „eher Generalisten suchen als Spezialisten“. In seinem Vortrag demonstrierte er dem Auditorium anschaulich, worauf es im Marketing eines Spezialchemieunternehmens ankommt. Wo kommt mein Rohstoff her? Was beeinflusst den Preis des Rohstoffs? Wie kann ich den Preis beeinflussen? Soll ich lieber tagesaktuell oder mit langfristigen Kontrakten einkaufen? Mit solchen Fragen und in enger Kooperation mit der Einkaufsabteilung setzt sich auch das Marketing eines Spezialchemieunternehmens auseinander. Dabei ist neben der kaufmännischen Expertise auch Chemiewissen gefragt, was Dr. Maier vor allem anhand der Preisentwicklungen der verwandten (aber unterschiedlichen) Chemikalien ortho-Chlortoluol (OCT) und para-Chlortoluol (PCT) eindrucksvoll zeigte. Auch er bestätigte, dass Wirtschaftschemie alles andere als „weder-noch“ ist: „Chemie oder BWL? Meiner Erfahrung nach sind die besten Leute im Unternehmen diejenigen, die beides zum richtigen Zeitpunkt aufrufen und anwenden können. Brauchen wird man definitiv beides!“ Ann-Katrin Mahling von den JuWiChem Idstein zeigte sich nach dem Vortrag und der Diskussion beeindruckt von der Möglichkeit eines so direkten Austauschs: „Beide Vorträge waren sehr interessant und locker gestaltet und boten einen schönen Einblick in die jeweiligen Ausschnitte des Berufsleben. Ich empfand es als sehr positiv, dass Herr Müller durch seine junge Karriere und eigenes Studium an der Hochschule Fresenius sehr nah an uns Studenten war und von seinem beruflichen Werdegang erzählen konnte. Die Vortragenden waren offen für alle Fragen und haben diese ohne jegliche Arroganz – und das befürchtet man als kleiner Student bei so erfahrenen und erfolgreichen Berufstätigen und Führungskräften schon mal – ehrlich beantwortet.“ Nadine Schäfer, ebenfalls Studentin der Wirtschaftschemie, war positiv überrascht von der Vielfalt der Kompetenzen, die im Berufsleben neben dem Fachlichen eine Rolle spielen: „Nicht nur die Noten zählen – sondern auch der erste Eindruck, dass soziale Miteinander, das Anpacken über die Grenzen seiner Jobbeschreibung hinweg.“ Das brachte auch Felix Respondek, Geschäftsführer BIOGRUND, in der Diskussion auf den Punkt: „Wichtig ist nicht, was sie können, sondern wer sie sind.“ Die Persönlichkeit zählt also auch in einer solch industriell geprägten Branche wie der Chemie! Auch Prof. Thorsten Daubenfeld, Studiendekan Wirtschaftschemie an der Hochschule Fresenius und Mitglied im Vorstand der VCW, war von der Veranstaltung beeindruckt: „Die Vorträge und die Diskussion haben noch einmal eindrucksvoll gezeigt, welche Vielfalt an Möglichkeiten Chemiker im Berufsleben haben – auch und vor allem jenseits der klassischen Wege im Labor. Dass auch die Wirtschaftschemie explizit als berufsqualifizierender Studiengang von den Unternehmen hervorgehoben wurde, zeigt uns als Hochschule, dass wir diesbezüglich auf dem richtigen Weg sind!“ Weitere Informationen zur Vereinigung für Chemie und Wirtschaft (VCW):www.gdch.de/vcw

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