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Auslandssemester • Shanghai

Maria beim Integrierten Auslandssemester in Shanghai

Maria Neuner hat im Sommersemester 2016 am Integrierten Auslandssemester in Shanghai teilgenommen. Sie studiert Wirtschaftspsychologie am Standort München und hat in Shanghai den Schwerpunkt Internationales Management belegt.

Mein Name ist Maria Neuner und ich studiere normalerweise Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in München, doch für dieses Semester habe ich meine Welt kurzerhand auf den Kopf gestellt und bin ans andere Ende der Welt geflogen. Es war eine Wahnsinnserfahrung, von der ich euch hier berichte und ich empfehle euch unbedingt sie auch zu machen. Hoffentlich helfen kleine Vorwarnungen und Tipps ein bisschen besser, um in dieser anderen, fremden und bunten Welt zurecht zu kommen. Sollten noch Fragen offen stehen, mailt mir einfach unter neuner.maria@muenchen.hs-fresenius.de

Good to know

Das Allerwichtigste ist, vor dem Flug nach China schon die wichtigsten Apps und vor allem den VPN Client zu installieren. In China ist Internetzugang nicht immer gewährleistet. WeChat und SmartShanghai sind genauso wichtig wie eine gute Metro App und MapsMe.

Viele Dinge kann man leicht in China kaufen, doch entgegen der allgemeinen Erwartung ist Kleidung dort nicht billiger, in manchen Fällen sogar teurer als bei uns. Man muss für alle Wetterlagen etwas einpacken, wir alle hatten viel zu wenig warme Sachen dabei. Im März ist es durchaus kalt und ein Mantel wäre eine sehr gute Idee gewesen. Viele von uns waren drei Wochen lang krank, weil die meisten Häuser wie unteranderem auch der Jiading Campus keine Heizungen haben. Manche Sachen sind sehr schwer und nur sehr teuer zu bekommen, in diese Kategorie fallen z.B. Tampons und Sprühdeo (es kostet umgerechnet sechs bis acht Euro, also nehmt es lieber aus Deutschland mit). Wenn ihr danach noch reisen möchtet und einen Koffer heimschicken wollt, solltet ihr Schwierigkeiten miteinplanen. In vielen Fällen war dies nämlich nicht möglich, wir konnten nur den Inhalt verschicken, der Koffer aber musste in China bleiben. Also nach Möglichkeit einen alten Koffer mitnehmen und Kleidung die ihr dort lassen könnt.

Ach ja und der Smog… Man gewöhnt sich dran, aber es ist nicht besser als man es sich vorstellt.

Nightlife

Es ist der Wahnsinn in Shanghai auszugehen! Man trifft die interessantesten und weitgereisten Leute, lernt sehrschnell jemanden kennen, weil man sofort Gesprächsthemen hat und sich leicht traut jemanden anzusprechen. Die Shows sind total beeindruckend und die Architektur und das Design in den Clubs sind atemberaubend. Schon alleine die Struktur ist anders: die Clubs sind große Räume mit einer kleinen Tanzfläche, damit es sofort voll wirkt. Die Einheimischen mieten sich Tische an der Tanzfläche und haben dann einen Mindestverzehr von mehreren hundert Yuan, oft trinken oder essen sie das Bestellte überhaupt nicht.  Man sieht eine andere Welt voller Luxus und Dekadenz und es macht Spaß Teil davon zu sein. Es gibt Dinge die einen Anfangs vielleicht schockieren, beispielsweise merkt man schnell, dass die Frauen an den Tischen der Chinesen dafür bezahlt werden anwesend zu sein. Macht nicht den Fehler für euer erstes Getränk an der Bar zu zahlen. Auch wenn es schwer zu glauben ist, ist es tatsächlich alles gratis. Ihr müsst nur schnell den Kontakt eines Promoters bekommen, der schickt euch dann die Adressen der Clubs auch auf Chinesisch sodass ihr sie nur noch dem Taxifahrer wortlos unter die Nase halten müsst. Fragt die anderen Ausländischen Studenten einfach nach dem WeChat-Kontakt oder Studenten, die das letzte Semester in Shanghai verbracht haben. Ihr braucht für manche Clubs ordentliche Schuhe und es ist besser nicht die chinesischen billig-Schuhe zu kaufen, die unbequem sind und doch 10-15€ kosten. Für Frauen wären hohe Schuhe oder elegante Ballerinas in Ordnung und Männer brauchen einen Anzug, Schnür-Schuhe und ein Hemd. Es gibt nicht viele Clubs, aber doch richtig gute und es ist blöd nicht mitzukommen, wenn sich 70 Deutsche gemeinsam auf den Weg machen. Manchmal wurde uns ein Party Bus gestellt, wenn wir einen Geburtstag gefeiert haben, damit wir uns die 50 Cent für das Taxi sparen. Man wechselt während des Abends oft den Club, da beispielsweise in den teuren eleganten Clubs die Freigetränke nur bis halb zwölf ausgeschenkt werden und die Afterparty sowieso in anderen Clubs besser ist. Es gibt auch einen After-hour-Club. bei dem erst um 7 etwas los ist. Danach geht’s es meistens zu dem 24-Stunden-Nudelmann direkt vor unserem Southgate. Dort treffen sich alle möglichen Nationen nachts zum Nudelsuppe essen, was mit Chopsticks manchmal schwerer ist als es aussieht.

Die Vorlesungen

Der Stoff ist nicht im eigentlichen Sinne schwer, es ist nur viel Arbeit. Wir haben fast jede Woche ein oder zwei Referate oder Fallarbeiten vorbereiten müssen, dafür ist dann die Prüfungsvorbereitung reduzierter ausgefallen im Vergleich zu Deutschland. Drei Klausuren waren „Open Book-Klausuren“, was nicht heißt, dass sie einfach sind. Die Vorlesungen sind ebenfalls verhältnismäßig zeitaufwendig, da man immer eine Stunde zum anderen Campus fahren muss oder Freistunden hat. Die Chinesischen Dozenten sprechen sehr gut Englisch, wenn man von einigen Betonungen absieht, allerdings meist sehr langsam und wiederholen sich häufig, da die chinesischen Mitstudenten oft nicht so gut Englisch können. Man spricht tatsächlich viel Deutsch, um Englisch zu lernen ist Shanghai auch nicht gedacht.

Was habe ich aus Shanghai mitgenommen?

Shanghai hat mir persönlich sehr viel gebracht. Nicht nur die chinesische Mentalität, Geschichte und ihre Umgangsformen habe ich kennengelernt, was mir in späteren Geschäftsbeziehungen  Vorteile bringen kann, ich habe auch viele andere Kulturen kennengelernt. Shanghai ist extrem international und es verschlägt Menschen aus aller Welt dorthin. Man lernt sehr schnell neue Leute kennen, da man viel mehr Grund hat, jemanden anzusprechen und über die Heimat, den Aufenthaltsgrund und die Dauer mehr zu erfahren. Die Geschichten dieser Leute zu hören und die Kulturen kennenzulernen, macht mir viel Spaß, beispielsweise habe ich in Shanghai Salza tanzen gelernt, da eine große Gruppe der Ausländer in Shanghai aus Lateinamerika kommt. Zurück zu China, wenn man sich ein bisschen bemüht, lernt man tatsächlich ein paar Brocken Chinesisch ohne es recht zu merken. Die meisten, vor allem junge Leute sprechen Englisch, doch schon zwei Querstraßen von der Einkaufsmeile entfernt, beginnt China und alle sprechen Chinesisch. Man lernt sich auf andere Kulturen einzustellen, flexibel zu reagieren und sich auszudrücken. Man entwickelt ein Gefühl dafür, wie Chinesen empfinden, Worte suchen und reagieren.

Einkaufen

An den strengen und rauen Verhandlungsstil der Chinesen muss man sich erst einmal gewöhnen. Mit der Zeit verliert man seine Scheu und lässt sich nicht mehr von den Standbesitzern ausnehmen. Die Chinesen fangen mit furchtbar hohen Preisen an, sind aber auch nicht beleidigt, wenn man nur ein paar Euro vorschlägt. Man darf sich nur nicht an ihre Ankerwerte halten.

Für den Alltäglichen Gebrauch kauft man in kleinen Supermärkten direkt vor dem Southgate ein. Benötigt man spezielle Dinge, Importiertes oder Kochausstattung, so geht man in die 10 Minuten entfernte Mall. Hier gibt es fast alles zu kaufen, importierte Waren natürlich zum angepassten Preis. Frisches Obst und Gemüse kauft man in sogenannten „Wetmarkets“, das sind laute und tatsächlich immer nasse Markthallen, wo die Einheimischen erbittert feilschen, aber gleichzeitig auch immer ehrlich herausgeben, auch wenn man kein Wort verstanden hat. Sehr überraschend ist, dass bei europäischen Marken wie H&M oder Zara die einfach nur überklebten Europreise weit unter dem in Yuan verlangten Preis liegen. Klamotten sind generell nicht günstiger als bei uns, aber von schlechterer Qualität.

Leben

Ja, das Leben in Shanghai bietet jeden Tag neue Herausforderungen an. Beim Einkaufen ist es schwer, da man nicht nur nicht lesen kann, was sich in der Verpackung befindet, sondern auch im Zweifelsfall die abgebildete Frucht nicht kennt. Bei manchen Produkten kann der Verwendungszweck nur geschätzt werden, man findet sich aber im Laufe der Tage ganz gut zurecht. Kochen kann man in relativ großzügigen Küchen mit Herdplatte und Spüle, die Pfanne muss man sich kaufen. Das einzige, was relativ hinderlich war, ist die Tatsache, dass niemand einen eigenen Kühlschrank hat, so ist man dann doch etwas eingeschränkt. Außerdem muss man sagen, dass ein normales Essen im Restaurant im Schnitt 2€ kostet und die Zutaten dazu im Supermarkt vergleichsweise teuer sind. Es lohnt sich also nicht selbst zu kochen, viele haben es jedoch gemacht, weil sie einfach die heimische Küche vermisst haben. Das Studentenwohnheim, in dem wir untergebracht waren, war immer voller Leben. Da keiner von uns Europäische Standards erwartet hat, gab es auch kaum Probleme. Nur ein oder zwei Leute mussten das Zimmer wechseln und die waren auch gut begründet. In manchen Bädern riecht es nach Schimmel, hier und da kommt etwas Putz runter und ich glaube bei einem hat die Klobrille gefehlt, aber das war alles halb so wild.

Reisen

Es bieten sich einem viele Gelegenheiten, um China zu erkunden. Inlandsflüge sind nicht teuer und die Wochenenden wurden oft genutzt, um dieses riesige Land weiter zu entdecken. Ich selbst bin nach Peking geflogen und habe auf der chinesischen Mauer gestanden – ein absolutes Muss für jeden, der nach China reist. Wunderschön war auch Guilin mit seinen Reisterrassen, Tropfsteinhöhlen, Bergen und Naturschutzgebieten. Freunde von mir waren noch in der alten Kaiserstadt Xi’an und haben sich die Terrakotta-Armee angesehen. Eine andere Gruppe von Studenten ist vor den Prüfungen zum Entspannen auf  die Insel Hainan geflogen. Zahlreiche Tagesausflüge in die nähere Umgebung von Shanghai und Touren durch die Altstadtviertel machen diesen Auslandsaufenthalt ebenso schön wie erlebnisreich. Nahezu alle haben sich nach den Prüfungen den Rucksack geschnappt und haben Asien erkundet, Länder gesehen und vielfälltigste Erfahrungen gemacht.

Das Studybuddy Programm

Das Programm das chinesische und deutsche Studenten in Shanghai zusammenbringt ist von großem Nutzen für beide Parteien. Die Deutschen bekommen so eine wichtige Stütze und einen Ansprechpartner für alle Fragen, die in dieser neuen verwirrenden Welt aufkommen. Die Chinesen lernen durch den kulturellen Austausch viel über die deutsche Kultur, mit der sie im späteren Arbeitsleben oft konfrontiert werden können. Die chinesischen Studenten müssen sich um den Posten als Buddy bewerben, da der ehrenamtliche Einsatz in China hoch angerrechnet wird. Auf einen Buddy kommen zwischen zwei und vier ausländische Studenten. Da man aber oft bei seinen deutschen Freunden mitgeht, wenn diese irgendeinen Ausflug oder Besichtigung mit ihrem Buddy unternehmen, lernt man schnell neue Buddies kennen und freundet sich mit ihnen an, unternimmt vielleicht sogar selbst etwas mit ihnen. Die erste Kontaktaufnahme mit dem Buddy erfolgte schon in Deutschland, nach der Bekanntgabe der Zuteilung erhält man die Nummer und den WeChatcode des Buddys. Das erste Mal begegnete man sich, als einen der Buddy vom Flughafen abholte und zum Campus brachte. Am ersten Tag wurde viel organisiert, das Zimmer wurde bezogen und eine Sim-Karte gekauft. Nach einer kurzen Campusführung sind wir gemeinsam etwas essen gegangen. Auch in den folgenden Wochen haben wir viel zusammen unternommen, unsere chinesischen Freunde haben uns die Stadt gezeigt und sind mit uns einkaufen gegangen. Manche Studenten haben jede Woche etwas mit ihrem Buddy unternommen und andere haben monatelang nichts von ihnen gehört, aber man kann sehr gut mit anderen Buddys mitgehen und diese um Rat in allen Situationen fragen. Die Buddys haben uns wirklich in vielen Situationen geholfen und hatten immer Zeit für uns. Die Fragen, die ich meiner chinesischen Mentorin gestellt habe, gingen von „Hilfe ich kann die Zeichen auf meiner Waschmaschine nicht lesen“ bis zu „Was zur Hölle habe ich da bestellt?“. Auch alle Internetbestellungen in dieser Zeit, seien es Eintrittskarten oder Amazon Produkte, erledigten unsere Buddys.