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Janina beim Auslandspraktikum in Ecuador

Janina Buss absolvierte einen Teil Ihres Logopädie-Praktikums in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, im Hospital Metropolitano de Quito. Im Gespräch berichtet sie über ihre Erlebnisse in der beruflichen Praxis und beschreibt ihre Alltagserfahrungen in Südamerika.

Was hat Sie bewegt, auch im Rahmen des Studiums eine gewisse Zeit in Ecuador zu verbringen?

Der Kontakt nach Ecuador ist seit meinem ersten Besuch in der elften Klasse nie abgebrochen. Im siebten Semester habe ich noch einen Platz für mein Neuropraktikum gesucht und daran gedacht, wieder nach Südamerika zu gehen. Ich hatte allerdings meine Zweifel. Seinerzeit Physiotherapeuten bei ihrer Arbeit zu unterstützen, ist eine Sache. Da sind sprachliche Fehler kein Drama. Aber in der Sprachtherapie zu arbeiten, in einer Fremdsprache – auch wenn ich diese schon recht gut beherrsche? Das ist doch etwas grundlegend anderes. Ich habe schon während meines Praktikums in Tirol in Österreich gemerkt, wie groß die Herausforderung ist. Schon dort hatte ich bisweilen meine Schwierigkeiten, spezielle, dem Dialekt geschuldete Ausdrücke von einem Neologismus zu unterscheiden. Diese treten ja mitunter auch nach einem Schlaganfall auf. Letzten Endes haben sich aber meine Neugier und meine Freude, wieder in das Land zu kommen, gegen meine Bedenken durchgesetzt.

Wie ging es dann weiter?

Ich muss ehrlich gestehen, sich von hier aus für ein Praktikum in Ecuador zu bewerben, ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden, selbst wenn man schon über so viele Kontakte verfügt. Das fängt mit der Suche nach einer geeigneten Klinik schon an. Wer ist überhaupt der richtige Ansprechpartner? Wohin mit meiner Bewerbung? Ich habe dann auch recht schnell gemerkt, dass der postalische Weg und selbst die E-Mail nicht wirklich weiterbringen. Ich habe schlicht gar keine Antwort erhalten. Da wird auch nicht weitergeleitet oder abgesagt. Also Telefon – da musste ich dann aber auch Hürden wie die Zeitverschiebung beachten. Ich musste auch feststellen, dass Logopädie und die Arbeit des Therapeuten in diesem Bereich in Ecuador nicht so bekannt und verbreitet sind, dass jeder gleich etwas damit anfangen kann. Schließlich kam ich über die Aktivierung meiner Kontakte, die zu einer Österreicherin mit logopädischer Praxis in Quito führte doch noch zum Erfolg und landete im Hospital Metropolitano de Quito.

Welcher Tätigkeit sind Sie in diesem Krankenhaus nachgegangen?

Ich habe hauptsächlich eine Physiotherapeutin begleitet, die beispielsweise auch Schluckstörungen therapiert hat. Sprachtherapeuten gab es auch, die waren aber nicht am Krankenhaus angestellt, sondern selbstständig tätig und kamen von extern.

Wie sah denn Ihr Arbeitsalltag aus?

Am Morgen war ich mit meiner Kollegin immer in der Neonatologie. Dort ging es darum, Babys mit Fütterstörung zu stimulieren, mit ihnen eine Therapie durchzuführen. Dann ging es auf die normalen Stationen und zur Intensivstation, wo ich immer auch den physiotherapeutischen Part mitgemacht habe. Das hat mir auch sehr gefallen, weil ich so den interdisziplinären Ansatz live erlebt und mitgestaltet habe. Am Nachmittag waren wir dann in der Reha-Ambulanz, wo auch hauptsächlich Kinder mit Fütterstörung hinkamen. Es kam auch vor, dass ich bei logopädischen Fragestellungen als „Expertin“ hinzugezogen wurde, das hat mir sehr gefallen. Insgesamt war es für mich sehr spannend, die Prozesse im Krankenhaus kennenzulernen, und dies auch noch in einem fremden Land.

Wie haben denn die Patienten auf Sie reagiert?

Das lief sehr gut, die Menschen zeigten Interesse an meiner Person und meiner Arbeit. Das hat mich auch besonders motiviert und mir viel Freude bereitet.

Heben Sie doch einmal einen besonderen Moment im Rahmen Ihrer Tätigkeit hervor. Wie haben Sie den Alltag in Ecuador erlebt?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich Ecuador als enorm vielfältiges Land erlebt habe, es ist ja gar nicht so groß, bietet aber eine ganze Menge: Ob die hohen Berge der Anden, Urwald und Amazonasgebiet, die Strände und Küstenregion – nicht zu vergessen die Galápagosinseln – es gibt beinahe alles, was das Herz begehrt. Je nach Region unterscheiden sich natürlich auch Leute und Mentalität. Insgesamt läuft alles etwas entspannter ab, als Europäer oder Deutscher ist man allerdings beinahe gezwungen, etwas entspannter zu werden. In Quito ist es schon auch sehr chaotisch, gerade, was den Verkehr angeht. Vieles ist unorganisiert, man kann nicht schauen, wann der Bus fährt, staufreie Phasen gibt es kaum und an Regeln hält sich auch so gut wie niemand. Überall sind sehr viele Menschen unterwegs. Wenn man abends zusammen weggehen möchte, muss man die Distanz bedenken, die jeder bei diesem Verkehr zurücklegen muss – und mit der Pünktlichkeit nimmt man es auch nicht so genau. Daran habe ich mich bis heute nicht so richtig gewöhnt.

Was raten Sie denn jemandem, der sich überlegt, auch so einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren?

Mut haben, ins kalte Wasser springen! Man sollte keine Angst vor den Erfahrungen haben, neugierig sein und die Eigenheiten eines anderen Landes akzeptieren. Natürlich gehört auch viel Eigeninitiative dazu, wenn man in ein fremdes Land geht – und das steigert sich sicher auch, je exotischer die gewählte Region ist. Vorher kennen muss man das aber alles nicht und man muss sich auch nicht unbedingt mit einem dicken Buch vorbereiten. Berufliche Praxis und Alltag erlebt ohnehin jeder anders und im Ausland ist man auch gezwungen, sich auf spezielle Situationen einzulassen. Und für uns Logopäden ist auch schon Österreich Ausland – da sind wir aber auch ein Spezialfall.