02.02.2017

Absagegrund: Vorname?

Beitrag der Redaktion

Beinahe wurde das Wort „Alpha-Kevin“ im Jahr 2015 zum Jugendwort des Jahres gekürt. Damals entbrannte die Debatte um die Bedeutung von Vornamen im Zusammenhang mit alltäglicher Diskriminierung von neuem. Wirkt sich der Vorname am Ende sogar negativ auf den Ausgang eines Bewerbungsverfahrens aus? Diese Frage wollte Daniela Rehders, Absolventin der Hochschule Fresenius Hamburg, im Rahmen ihrer Bachelorarbeit beantworten.

 

Namen sind Schall und Rauch“, heißt es im Volksmund. Zurückgehend auf einen Satz in Goethes „Faust“ soll dieses geflügelte Wort zum Ausdruck bringen, dass Namen vergänglich oder zumindest bedeutungslos sind. In der sozialen Realität trifft gerade letzteres allerdings nicht unbedingt zu. Längst wurde in Studien nachgewiesen, dass Träger bestimmter Vornamen im Alltag diskriminiert werden, zum Beispiel in der Schule, wo sie von Lehrern systematisch falsch beurteilt werden.

Ob der Vorname sich auch negativ auf ein Bewerbungsverfahren auswirkt, am Ende also vielleicht zur Ablehnung eines Kandidaten führt, dazu gibt es noch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse – einige wenige aber doch: „In den USA konnte in einer Untersuchung festgestellt werden, dass Bewerber mit bestimmten Namen seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden“, berichtet Daniela Rehders, Absolventin der Hochschule Fresenius Hamburg. Rehders wollte schließlich wissen, ob ein ähnliches Phänomen auch in Deutschland zu beobachten ist – und stellte diese Frage ins Zentrum ihrer Bachelorarbeit.

„Es ging darum herauszufinden, ob Bewerber, die negativ besetzte Vornamen tragen, bei gleicher Qualifikation als für einen Job ungeeigneter eingeschätzt werden, als Personen, die vergleichsweise positiv besetzte Vornamen tragen“, bringt Rehders die Zielsetzung ihrer Arbeit auf den Punkt. Mit einer komplexen Untersuchung hat sie versucht, sich diesem Ziel anzunähern.

 

Werden ungewöhnliche Vornamen negativer bewertet als gängige Vornamen?

Zunächst musste sie klären, welche Namen überhaupt negative Assoziationen auslösen. Die Annahme: ungewöhnliche Vornamen werden negativer bewertet als gängige. „Ich habe mir eine Liste mit allen Vornamen der an der Hochschule Fresenius Hamburg eingeschriebenen Studierenden geben lassen und daraus eine Auswahl aus gängigen und ungewöhnlichen Namen herausgezogen. Anschließend habe ich diese Auswahl einer Gruppe von Probanden vorgelegt und sie die Namen bewerten lassen“, schildert Rehders ihr Vorgehen. Das Ergebnis: Wie angenommen wurden die gängigen Namen positiver bewertet als die ungewöhnlichen.

In einem zweiten Schritt ließ Rehders nun zwei neue Probandengruppen fiktive Bewerbungen sichten: Einer Gruppe wurden dabei Anschreiben und Lebensläufe von vier Bewerbern mit gängigen Namen vorgelegt, die zweite Gruppe sollte die Unterlagen von zwei Kandidaten mit gängigen und zwei Kandidaten mit ungewöhnlichen Namen prüfen – inhaltlich unterschieden sich die Bewerbungen dabei zwischen den Gruppen nicht. Sollte es also in der zweiten Gruppe zu einer vergleichsweise häufigeren Ablehnung jener Bewerber mit ungewöhnlichen Namen kommen, wäre dies als Hinweis für die diskriminierende Wirkung dieser Namen im Bewerbungsverfahren zu verstehen gewesen.

„In den Daten konnte allerdings kein entsprechender Effekt gefunden werden“, bilanziert Rehders und ergänzt: „Eigentlich ein erfreulicher Befund, da Bewerber demnach nicht wegen ihres Vornamens diskriminiert werden.“ Aus den Ergebnissen ihrer Arbeit sei vielmehr herauszulesen, dass von den Vornamen hervorgerufene Vorurteile mit steigendem Informationsgehalt über den Bewerber in den Hintergrund treten.

Eine interessante Erkenntnis, zu Wege gebracht mit Hilfe einer aufwendigen Untersuchung – das brachte Rehders am Ende sogar eine Nominierung für den Bachelor-Preis 2016 der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) ein.

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