11.02.2022

Frauen in der Forschung

Beitrag von Janina Raeder

©sabelskaya/stock.adobe.de

Es gab Zeiten, da wurden Frauen in der Wissenschaft in der Regel belächelt oder gar nicht erst geduldet. Dass es aber immer wieder Ausnahmen gab – sogar schon im Mittelalter – bestätigt die Wichtigkeit von Frauen in der Forschung. Sei es Astronomie, Physik oder Chemie: Zahlreiche Frauen bewegten in ihrer Zeit wichtige Dinge, von denen wir heute noch profitieren und sprechen. Trotzdem gibt es weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Forschung – besonders in den sogenannten MINT-Fächern. Die UNESCO rief daher 2015 den Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft ins Leben, der an die wichtige Rolle von forschenden Frauen erinnert und jährlich am 11. Februar stattfindet. Kathrin Müller, Doktorandin an unserem Standort in Idstein, forscht selbst und berichtet über ihren Werdegang.

Wichtige Erkenntnisse für die Umwelt

Die Forscherin arbeitet an ihrer Doktorarbeit, die sich mit Reifenabriebspartikeln beschäftigt. Das ganze Thema hat sie bereits 2021 bei der Nachhaltigkeitswoche der Hochschule Fresenius vorgestellt und positive Resonanz erhalten. Wie kam Kathrin Müller nun aber dazu, in die Forschung zu gehen und ein wichtiges Thema im Bereich Umwelt zu bearbeiten?

„Ich bin am Institute for Analytical Research (IFAR), der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Knepper, tätig und fertige dort meine Doktorarbeit an. Ich habe schon im Bachelor und Master an der Hochschule studiert. Angefangen habe ich im Studiengang Angewandte Chemie. Meine Masterarbeit habe ich bereits im IFAR angefertigt und das Thema, das ich jetzt während meiner Promotion bearbeite, war am IFAR schon geplant. Ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte, und ich fand das spannend – vor allem, weil der Reifenabrieb zu der Zeit noch gar nicht so große Beachtung in der Forschung bekommen hatte“, erklärt die Doktorandin ihren Weg zum Forschungsthema. Erfreulicherweise wird ihre Promotion nach einem intensiven Auswahlverfahren über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert.

In die Forschung zu gehen und damit einen wichtigen Teil zum Umweltschutz beitragen zu können, ist ihr sehr wichtig. „Zu wissen, ‚hey, das habe ich rausgefunden‘ oder ‚ich war diejenige, die diese Entdeckung gemacht hat‘ ist ziemlich cool“, gibt Kathrin Müller zu. Neben ihrer Forschung betreut die Doktorandin auch Praktika von Studierenden.

Portrait von Kathrin Müller
Doktorandin Kathrin Müller forscht an den Auswirkungen von Reifenabrieb auf unsere Umwelt.

Worum geht es in ihrer Forschung genau?

„Wir wollen herausfinden, welche Auswirkungen der Reifenabrieb von Autos und LKWs auf die Umwelt hat und was für Substanzen sich aus diesen Partikeln herauslösen könnten. Danach besteht die Frage, ob diese Stoffe in unsere Gewässer gelangen, was sie dort ausrichten und ob sie beispielsweise durch unsere normalen Kläranlagen rausgefiltert werden können. Das alles ist wichtig, um einschätzen zu können, wie problematisch der Reifenabrieb für unsere Umwelt ist und was wir für unsere Zukunft ändern müssen“, erläutert die Doktorandin.

Das Spannende an dem Thema: Die Umweltdebatte über Autos, die in der breiten Öffentlichkeit derzeit stattfindet, dreht sich hauptsächlich um Abgase und Antriebsarten. Dem Abrieb von Reifen, den tagtäglich Millionen von Fahrzeugen auf unseren Straßen hinterlassen, wird bisher kaum Bedeutung zugeschrieben. „Tatsächlich macht der Reifenabrieb, wenn man ihn zum Mikroplastik zählt, den größten Anteil an Emissionen aus. Da geht es also nicht nur um Einkaufstüten, Plastikflaschen oder Mikroplastik im Duschgel“, führt Kathrin Müller vor Augen. Das erscheint bei näherer Betrachtung auch ziemlich logisch, denn alle wissen, dass sich Reifen abfahren und man dann neue kaufen muss. Wohin dieser Abrieb verschwindet, wusste bislang aber so gut wie niemand. Wie findet man nun heraus, ob Substanzen von Reifen in Gewässer gelangen? „Dies funktioniert beispielsweise, indem wir im Labor für einen Monat selbst hergestellte Reifenpartikel in Wasser einlegen und dann die Substanzen messen und identifizieren, welche sich herausgelöst haben. Anschließend prüfen wir, ob wir diese Substanzen auch in Gewässern finden können und sie damit eine Umweltrelevanz haben“, fasst Kathrin Müller vereinfacht zusammen.

Zu den Emissionen gehören Abgase, Lärm und Reifenabrieb.
Zu den Emissionen gehören Abgase, Lärm und Reifenabrieb.

Der Gap zwischen Frauen und Männern in der Forschung

Die UNESCO gibt an, dass Frauen in der Forschungsarbeit einen Anteil von unter 30 Prozent ausmachen. In ihrem Studium und auch in der Forschungsgruppe hat Kathrin Müller dieses Gefühl jedoch nicht. „Im Bachelor war es ausgeglichen. Nicht unbedingt 50/50, aber es war jetzt nicht so ein großer Unterschied. Klar gibt es mal mehr Männer und mal mehr Frauen, aber das hielt sich im Studium ziemlich die Waage“, erinnert sich die Doktorandin. Beim IFAR in ihrer Forschungsgruppe, im Bereich Chemie und der analytischen Forschung nimmt sie es nicht so wahr, dass Frauen unterrepräsentiert wären. „In der Chemie ist der Gap bei uns nicht mehr so groß. Das kann in anderen naturwissenschaftlichen Fächern oder an anderen Hochschulen und Unis anders aussehen.“

Ein Blick in die Zukunft

Kathrin Müller möchte auch nach ihrer Doktorarbeit gerne weiter forschen und sie hofft, dass es ein Nachfolgeprojekt zum Reifenabrieb gibt. Sie arbeitet mittlerweile eineinhalb Jahre an diesem Thema und wird ungefähr genauso lange noch damit beschäftigt sein. Mittlerweile gibt es auch international andere Gruppen, die Reifenabrieb und die Folgen untersuchen. Sogar Reifenhersteller kommen auf die Forschenden zu und bitten um Analysen. Die Doktorandin forscht also an einem wirklich wichtigen Thema für unsere Umwelt und eine nachhaltige Zukunft.

„Ich bin davon überzeugt, dass forschende Frauen und Mädchen sehr wichtig sind. Wir haben einen großen Einfluss auf aktuelle Themen und können viel bewegen. Ich kann junge Frauen nur dazu ermutigen, in die Forschung zu gehen, wenn das Interesse besteht. Bloß nicht von Männern abschrecken lassen, sondern einfach machen“, schließt Kathrin Müller.

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