10.09.2019

Es liegt mir auf der Zunge – wie Erdbeerkaugummi beim Lernen helfen kann

Beitrag von Juliane Mischer

Gedächtnis und Geschmackssinn sind miteinander verbunden: Beim ersten Stück Apfelkuchen fühlen wir uns plötzlich an Omas Küchentisch zurückversetzt, das Softeis erinnert uns an den Sommerurlaub am Meer – und das Erdbeerkaugummi ruft uns Wörter ins Gedächtnis, die wir beim Kauen dieser Süßigkeit gelernt haben. Das zeigt Carla Geneikis mit ihrer Abschlussarbeit im Studiengang Angewandte Psychologie (B.Sc.). Die Absolventin der Hochschule Fresenius in Köln hat in einem Laborexperiment untersucht, ob Geschmacksstoffe beim Lernen und Abrufen von Informationen die Erinnerungsleistung unterstützen.

Teller, Hund, Lampe, Brief, Apfel, Hose, Tisch, Wiese, Glas, Baum. Diese zehn Wörter legte Carla Geneikis 71 Probanden mit einem mittleren Alter von knapp 26 Jahren vor. Unmittelbar im Anschluss sowie drei Tage, nachdem sie die Wortliste gesehen hatten, sollten die Probanden aufschreiben, an welche Wörter sie sich erinnern. 36 Probanden kauten sowohl beim Lesen als auch beim Abrufen der Wörter ein Erdbeerkaugummi. Die anderen 35 Probanden erhielten keinen geschmacklichen Reiz.

Die Ergebnisse des Experiments zeigen: Die Probanden, die die Wörter mit demselben geschmacksspezifischen Hinweisreiz gelernt und abgerufen hatten, wiesen eine signifikant bessere Erinnerungsleistung auf als die Kontrollgruppe, die kein Kaugummi gekaut hatte. Beim zweiten Messzeitpunkt – also drei Tage, nachdem die Probanden die Wortliste gelesen hatten – unterschieden sich die beiden Teilnehmergruppen sogar signifikant. So waren den kaugummikauenden Probanden zu diesem Zeitpunkt noch 7,08 Wörter präsent. Die Teilnehmer, die kein Kaugummi erhalten hatten, konnten sich dagegen nur noch ab 5,94 Wörter erinnern (Mittelwerte).

Kontexteffekte von geschmacksspezifischen Hinweisreizen

Kontexteffekte von geschmacksspezifischen Hinweisreizen erstmals untersucht

Der Geschmack des Erdbeerkaugummis – also ein Teil des Kontextes, in dem die Wörter gelernt und abgerufen wurden – hatte im Experiment einen Effekt auf die Erinnerungsleistung. Kontexteffekte wie dieser wurden bereits auf vielfältige Weise erforscht. „Die Umgebung sowie der Geruch wurden beispielsweise bereits als wirksamer Kontexteffekt identifiziert. Dabei wurde eine Verbindung zwischen Geruchssinn, Geschmackssinn und dem Gedächtnis nachgewiesen. Studien, die sich mit geschmacksspezifischen Kontexteffekten beschäftigen, lagen jedoch noch nicht vor. Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen“, berichtet die Absolventin.

 

Wirksamkeit der Kontexteffekte auf längere Sicht überprüfen

Um die Kontexteffekte von geschmacksspezifischen Hinweisreizen besser verstehen und in der Praxis nutzen zu können, sei in jedem Fall weitere Forschung notwendig, so Carla Geneikis, beispielswiese für einzelne Subgruppen. Da sich die Erinnerungsleistung der beiden Teilnehmergruppen erst ab dem zweiten Messzeitpunkt – also drei Tage, nachdem sie sich die Wörter eingeprägt hatten – signifikant voneinander unterscheidet, empfiehlt sie außerdem, die Wirksamkeit des Kontexteffektes auf längere Sicht zu überprüfen. „Das wäre beispielsweise für den gezielten Einsatz im therapeutischen Bereich interessant. Dann könnten Geschmäcker identifiziert werden, mit denen Patienten für die Therapie relevante Erinnerungen verbinden“, so die Absolventin abschließend.

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