Digitalisierung in der Altenhilfe

„Im Zuge der demografischen Entwicklung wird Deutschland im Jahr 2030 die älteste Bevölkerung Europas aufweisen. Schon heute ist bereits mehr als jede fünfte hier lebende Person über 65 Jahre alt.“ Mit diesen Worten leiten Lukas Nock, Professor in der Sozialen Arbeit an der Hochschule Fresenius in Frankfurt, und seine Kollegen vom Saarbrücker iso-Institut, Dr. Volker Hielscher und Dr. Sabine Kirchen-Peters, ihren Beitrag im aktuell beim Beltz-Verlag erschienenen „Handbuch Soziale Arbeit und Digitalisierung“ ein.

Der Artikel gibt einen Überblick zu den aktuellen Herausforderungen und Entwicklungstrends in der Altenhilfe und reflektiert dabei Potenziale und Risiken eines fortschreitenden Technikeinsatzes. Auf der Grundlage ihrer gemeinsamen Studienergebnisse diskutieren die Autoren Vor- und Nachteile unterschiedlicher technologischer Systeme in der Altenhilfe und -pflege. Dabei stünden sich bis heute in der öffentlichen Auseinandersetzung zwei Extrempositionen gegenüber.

DIE TECHNIKOPTIMISTISCHE VERSUS DIE TECHNIKPESSIMISTISCHE PERSPEKTIVE

Erstere sieht die Digitalisierung als ein sozial, kulturell und moralisch neutrales Instrumentarium, das als Chance zur Professionalisierung der Altenhilfe genutzt werden könnte. Im Gegensatz dazu besteht in der zweiten Perspektive Skepsis, da pflegerische und sozialarbeiterische Tätigkeiten digital unterlaufen werden könnten. Fraglich bleibt indessen, welche Rolle das Expertenwissen von Fachkräften in der Altenhilfe sowie die Bedürfnisse der älteren Menschen bei der Entwicklung und dem Einsatz von Technik spielen könnten und sollten, so die Autoren.

Die deutlichsten Digitalisierungstrends finden sich im Bereich der Autonomieförderung. Hierunter fallen alle Technologien, die der Selbständigkeit der älteren Menschen dienen sollen. Dazu gehören sowohl Ambient-Assisted-Living-Systeme, als auch medizinisch-technische Hilfsmittel zur Kompensation körperlicher Gebrechen. Die AAL-Systeme umfassen elektronische Systeme, Produkte sowie Dienstleistungen, welche das alltägliche Leben älterer Menschen situationsabhängig unterstützen sollen. Beispiele hierfür sind Weckfunktionen, agierende Haushaltsgeräte oder Temperaturregler, aber auch Notruf- und Sicherheitsfunktionen.

Darüber hinaus soll die soziale Teilhabe älterer Menschen durch technikgestützte Mobilitäthilfen und digitale Bildungsangebote gefördert werden. Hierzu werden bereits App-basierte Systeme zur Verfügung gestellt, die Fußgängernavigation oder Einstiegshilfen bei Bus und Bahn beinhalten. Im Bereich E-Health findet ein vermehrter Ausbau von Internetsprechstunden statt, mit deren Hilfe Gesundheitswissen online weitergegeben werden kann. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl so genannter Serious Games entwickelt, die zur Bewegung animieren und Geselligkeit unterstützen sollen.

DIGITALISIERUNG IN FORSCHUNG UND LEHRE DER ALTENHILFE

Wichtig sei es, Digitalisierungseffekte für Altenhilfe und Pflege im jeweiligen konkreten Anwendungszusammenhang zu betrachten und einen reflexiven Umgang mit den Potenzialen, Voraussetzungen und nichtintendierten Handlungsfolgen neuer Technologien zu finden, was freilich auch bedeuten könne, bewusst auf Technik zu verzichten. Bezüglich Forschung und Lehre betonen Nock, Hielscher und Kirchen-Peters, muss das Thema Digitalisierung zukünftig noch stärker aufgegriffen werden, um die fachwissenschaftlichen Grundlagen eines humanen Technikeinsatzes in der Altenhilfe auszuarbeiten. Denn es sei sicher, dass kaum ein anderes Handlungsfeld der Sozialen Arbeit ähnlich stark von den Folgen der demografischen Entwicklung betroffen sein wird, wie das der Altenhilfe.

Link zum Buch auf der Verlagsseite.

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