01.09.2020

Das Studium in Zeiten des Corona-Virus – 7 Tipps für einen erfolgreichen Neustart

Tipps für Studierende von Janina Raeder

Wie läuft ein Studium ab, nachdem das Corona-Virus alles auf den Kopf gestellt hat? Das Jahr 2020 war bisher sehr außergewöhnlich und hat die ganze Welt vor große Herausforderungen gestellt. Zwischen Homeschooling für Schülerinnen und Schüler und Homeoffice für viele Angestellte mussten auch die Universitäten und Hochschulen neue Konzepte entwickeln. Junge Menschen, die gerade ihr Abitur in der Tasche haben, fragen sich nun häufig, wie das Studieren jetzt funktionieren soll. Auch Studierende, die bereits ein Corona-Semester hinter sich haben, sind auf der Suche nach Antworten, wie der Neustart an der Hochschule nun gelingen kann. Wir haben deshalb in diesem Beitrag 7 Tipps für Sie zusammengefasst, wie Sie in so außergewöhnlichen Zeiten gut in das Studium oder ein neues Semester starten.

InhaltMenschlicher Kopf, halb im Bildausschnitt mit Cartoon-Fragezeichen obendrüber.

  1. Informationen einholen
  2. Mit dem Hygienekonzept vertraut machen
  3. Mit Mitstudierenden austauschen
  4. Keine Angst vor Fragen haben
  5. Einen Wochenplan erstellen
  6. Zeit für schöne Dinge nehmen
  7. Die Balance finden
  8. Fazit

 

 

 

1. Informationen einholen

Bevor die Vorlesungen und Seminare des neuen Semesters beginnen, sollten Sie die wichtigsten Informationen sammeln. Sie werden rechtzeitig von der Hochschule darüber informiert, welche Kurse online und welche in Präsenz stattfinden. Bringen Sie darüber hinaus in Erfahrung, wie es um die Angebote der Studienberatung, des Prüfungsamtes und der Bibliothek an Ihrem Standort steht. Wenn Sie alle Infos gesammelt haben, können Sie gut vorbereitet und entspannter in das neue Semester starten. Viele dieser Informationen erhalten Sie auf der Informationsseite für das Wintersemester 2020. Fragen Sie im Zweifel bei Studiengangsleitern oder der Studienberatung nach.

 

2. Mit dem Hygienekonzept vertraut machen

Für manche Studierende kann die jetzige Situation beunruhigend und beängstigend sein. Leisten auch Sie Ihren Beitrag, indem Sie sich an das Hygienekonzept an Ihrem Standort halten, damit sich Ihre Kommilitonen oder auch Sie selbst weiterhin in Ihrem Studium am Campus sicher fühlen können.

An allen Standorten der Hochschule wurde ein Hygienekonzept entwickelt, das sich nach den jeweiligen Bedingungen vor Ort und den Landesvorgaben richtet. Wenn Sie ein Gebäude der Hochschule betreten, müssen Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, sofern der Abstand von 1,5 Meter zu Mitstudierenden, Dozierenden oder anderen an der Hochschule Beschäftigten nicht gewährleistet werden kann. Dies gilt insbesondere für Gänge, Labore und Werkstätten oder Büros sowie Aufzüge und Treppenhäuser. Auf den Böden an allen Standorten wurden für die Einhaltung des Mindestabstandes Markierungen angebracht. An den Eingängen hängen Desinfektionsspender, die Sie vor dem Betreten der Gebäude benutzen sollten.

Serviceeinrichtungen wie das Prüfungsamt oder die Bibliothek können nach Aufforderung einzeln betreten werden. Bedecken Sie bitte auch hier Mund und Nase und halten Sie 1,5 Meter Abstand zu Ihren Mitmenschen. So können wir gemeinsam für ein erfolgreiches Semester sorgen, ohne durch erhöhte Infektionszahlen eine erneute Schließung der Standorte befürchten zu müssen.

 

3. Mit Mitstudierenden austauschen

Auch in Zeiten wie diesen ist der persönliche Kontakt zu anderen Studierenden und Freunden überaus wichtig. Sie können Informationen austauschen, Lerngruppen bilden oder sich für die Freizeit verabreden. Wenn ein persönliches Treffen aufgrund der aktuellen Auflagen in Ihrem Bundesland nicht möglich ist, dann hilft auch ein (Video-)Telefonat.
Eine Umfrage an unserer Hochschule und einer Vergleichsuniversität hat gezeigt, dass Studierende sich derzeit generell überdurchschnittlich gestresst fühlen. Prof. Dr. Lena Katharina Sabaß, Dozentin für klinische Psychologie der Hochschule Fresenius in München und psychologische Psychotherapeutin, erklärt: „Wird dieses hohe Stresslevel weiter belastet, wie beispielsweise durch die diversen Auswirkungen der Pandemie, in der wir uns befinden, kann sprichwörtlich das Fass zum Überlaufen gebracht werden und psychische Störungen wie Depressionen und Angststörungen können sich manifestieren.“ Deswegen ist es wichtig, sein individuelles Stressniveau im Blick zu behalten und auch einzugreifen, um dieses aktiv zu senken.

„Soziale Kontakte bilden einen Puffer vor Belastungen und Stress und sind somit essentiell für das psychische Wohlbefinden. Deswegen spricht man auch seit Corona vom sogenannten ‚Wuhan-Syndrom‘. Darunter versteht man eine Reihe von psychischen Symptomen, wie Niedergeschlagenheit oder Angstzustände, die unter anderem durch die Maßnahmen des Social Distancing mitbedingt sind und zeigen, wie wichtig soziale Begegnungen sind. Der Kontakt muss aber nicht immer face-to-face stattfinden. Ein Austausch bei einem Videocall mit Freunden oder auch Dozierenden kann den gleichen psychologischen Effekt wie ein richtiges Treffen haben.“ – Dr. Lena Sabaß

Besonders jetzt sollte man sich nicht „einigeln“, sondern verstärkt den Kontakt zu anderen Menschen suchen. Wenn Ihnen beispielsweise das Lernen allein schwerfällt, erkundigen Sie sich, ob es Arbeitsgruppen gibt oder sprechen Sie Personen aus Ihrem Kurs aktiv an, um eine zu gründen. „Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass soziales Eingebundensein bei der Regulation unangenehmer Gefühle, wie Einsamkeit, Unsicherheit oder Ängstlichkeit, sehr hilfreich ist. Jedoch sollte man nicht passiv abwarten, sondern sich Unterstützung sozial kompetent auch selbst einholen können,“ rät die psychologische Psychotherapeutin. Ergreifen Sie gerne die Initiative und melden Sie sich bei Mitstudierenden und Freunden.

 

4. Keine Angst vor Fragen haben

Wenn Ihnen etwas in Bezug auf das Studium, die Lehre oder Vorgaben an der Hochschule unklar ist, zögern Sie nicht, Fragen zu stellen. Ihre Dozierenden oder auch die Studienberatung helfen Ihnen gerne weiter. Schaffen Sie Unsicherheiten aus dem Weg, indem Sie proaktiv Informationen einholen und sich absichern. Eine gewisse Unsicherheit ist in Zeiten wie diesen normal. Haben Sie daher keine Angst, Fragen zu stellen, sei es zum Beispiel zu rein organisatorischen Themen wie auch Kursinhalten oder Anliegen zu Ihrem Studium. Melden Sie sich rechtzeitig bei Dozierenden. So verhindern Sie unnötigen Stress, wenn Prüfungs- und Abgabetermine näher rücken.

 

Dr. Lena Sabaß beim Upcycling
Psychologie-Dozentin, Dr. Sabaß sucht in Coronazeiten einen Ausgleich zur Arbeit in einem alten Hobby – Upcycling.

5. Einen Wochenplan erstellen

Wenn die Lehre teilweise oder sogar vollständig digital stattfindet, fehlt einem oft der gewohnte Tagesrhythmus. Alltägliche Dinge fallen schwerer, man wird lustlos und neigt dazu, das Lernen aufzuschieben. Stattdessen schläft man lieber aus, macht den Haushalt oder gar nichts. Daher ist es in dieser außergewöhnlichen Zeit besonders wichtig, seinen Tages- und Wochenablauf sinnvoll und eigenständig zu strukturieren. Wer in Zeiten von Corona erfolgreich das Studium, die Arbeit und die Freizeit unter einen Hut bekommen möchte, sollte sich einen Wochenplan erstellen. Prof. Dr. Sabaß schlägt vor, die Planung nicht nur für einen Tag anhand von To-do-Listen anzugehen, sondern ganz bewusst im Voraus eine ganze Woche durchzuplanen. „In einer kleinen ersten Studie haben wir vergangenes Semester zehn Studierende wöchentlich via Online Coaching unterstützt, sich mittels eines Wochenplans zu organisieren. Bei allen Studierenden hat sich die Tendenz, Dinge aufzuschieben deutlich reduziert.“, berichtet Prof. Dr. Sabaß. Tragen Sie Ihre Seminare und Vorlesungen ein, setzen Sie sich feste Lernzeiten, geben Sie sich Zeit für die Hausarbeit und den Job und planen Sie vor allem auch Positives mit ein.

 

6. Zeit für schöne Dinge nehmen

Wenn Sie Ihre To-do-Liste ausschließlich mit stressigen oder anstrengenden Pflichtaufgaben füllen, kann das Abarbeiten der To-dos schnell zu einem scheinbar nicht zu bewältigenden Berg an Aufgaben werden – das demotiviert.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass man seine To-dos angeht und schafft ist größer, wenn man alles einmal aufgeschrieben hat und sich einen Plan angefertigt hat. Besonders wichtig dabei: Positive Dinge auch aktiv einplanen, denn To-dos sollten nicht nur ‚negativ‘ besetzt sein. Dadurch verbleibt kein schlechtes Gewissen, wenn man sich mit angenehmen To-dos für das Meistern von Pflichtaufgaben belohnt“, weiß Prof. Dr. Sabaß. Nehmen Sie sich daher also Zeit, um sich zum Beispiel etwas Gesundes zu kochen, ein Buch oder eine Zeitschrift zu lesen, einen Film zu schauen, im Internet zu surfen, Ihre Social-Media-Kanäle zu pflegen, sich mit Freunden (virtuell) zu treffen oder auch nur für 10 Minuten einen Cappuccino zu genießen. Planen Sie Pflicht- und Wunschaufgaben ein, sodass Sie einer ausgeglichenen Woche entgegengehen.

 

7. Die Balance finden

Ausnahmesituationen, wie das Corona-Semester im Sommer 2020 oder auch das folgende Wintersemester 2020/21, stellen Studierende vor große Herausforderungen. Evaluieren Sie, welcher Tagesablauf für Sie am besten funktioniert, wann Sie Auszeiten brauchen und wann, wo und wie Sie am besten lernen können. Das A und O ist, sich Zeit für jede Aktivität zu nehmen und eine gute Balance zu finden, um den negativen Gefühlen und Stress entgegenzuwirken.
Eine gute Möglichkeit, einen Ausgleich zwischen Lernstress und Arbeit zu schaffen, ist Sport. Um das psychische Gleichgewicht wiederzuerlangen hilft es, sportliche Aktivitäten bewusst in die Alltagsplanung zu integrieren oder Entspannungsübungen auszuprobieren. Studien haben gezeigt, dass Sport und psychologisches Wohlbefinden Hand in Hand gehen. Auch Achtsamkeits- und Entspannungsübungen haben sich vielfach zur Stressreduktion bewährt.
„Auch wenn Sie sich eher als Sportmuffel bezeichnen, kann schon ein schöner Herbst- oder Winterspaziergang positive Effekte auf Ihre Psyche haben. Das Internet bietet eine Fülle an guten sportlichen Angeboten sowie Entspannungsübungen. Hier kann man einfach einmal ausprobieren, was einem guttut“, meint Prof. Dr. Sabaß. Sportliche Aktivitäten bieten also nicht nur einen körperlichen Ausgleich, sondern – so erklärt die Psychologin – haben auch eine positive Auswirkung auf den Gehirnstoffwechsel und somit einen neuroprotektiven Effekt auf das allgemeine psychische Befinden. Wichtig ist dabei, sie in den Wochenplan aufzunehmen, damit sie auch wirklich umgesetzt werden.

Menschen im Schneidersitz bei Entspannungsübung

Pflegen Sie soziale Kontakte, treiben Sie Sport, fokussieren Sie sich auf Ihr Ziel und strukturieren Sie sich und Ihren Alltag. Werden Sie sich auch Ihrer eigenen Stärken und Ressourcen bewusst. Überlegen Sie, was Ihnen bisher in schwierigen Situationen gutgetan und integrieren Sie dies in Ihren Alltag. Sowohl an der Hochschule als auch via Apps oder Netzwerke gibt es zahlreiche Angebote, die das Planen und Einhalten von Fristen erleichtern. Machen Sie sich auch bewusst, dass es nicht schlimm ist, wenn Sie den Wochenplan nicht ab Tag 1 strikt einhalten können – der Mensch benötigt eine gewisse Zeit, um sich an neue Strukturen und Abläufe zu gewöhnen. Bleiben Sie am Ball und fragen Sie im Zweifel Freunde, Familie oder auch Ihre Dozierenden um Hilfe. Dann finden Sie Ihre Balance.

Fazit

Die Situation in Job, Studium und Alltag ist in Zeiten der Corona-Pandemie für niemanden einfach. Besonders Studierende oder die, die gerade erst Abitur gemacht haben, stehen vor einer besonderen Herausforderung und sehen sich einer ungewohnten Zukunftsangst ausgesetzt. Um einem psychischen Tief oder gar Depressionen zu entgehen, ist es wichtig, den Alltag zu strukturieren, soziale Kontakte nicht aufzugeben und einen Ausgleich neben dem Studium zu schaffen. Dass dies schwer sein kann, ist vollkommen normal. Es ist daher ein guter erster Schritt, sich Hilfe zur Selbsthilfe durch Ratgeber und andere Angebote einzuholen. Mit Wochenplänen, die sowohl anstrengende To-dos als auch schöne Aktivitäten beinhalten, kann Ihr Tag wieder eine ausgeglichene Struktur erhalten und Sie positiv bestärken. Auch der rechtzeitige und regelmäßige Austausch mit Mitstudierenden, Dozierenden oder Freunden hilft dabei, dass das Wintersemester 2020 ein guter (Neu-)Start wird.

 

Literatur

  • Brandt, S. (2020). „Was du heute kannst besorgen…“ – eine Studie zur Behandlung der Prokrastination unter Studierenden. Unveröff. Masterarbeit an der Hochschule Fresenius München.
  • Brinker, V., Jakobus, L., Müller, C., Sasko, A. (2017). Stress! Der ewige Begleiter eines Studenten? Ein empirischer Vergleich Studierender einer staatlichen Universität (LMU) und einer privaten Hochschule (Fresenius) hinsichtlich des Stressniveaus und der Analyse potentieller Stressfaktoren. Unveröff. Forschungsprokekt an der an der Hochschule Fresenius München.
  • Brinker, V. (2019). Eine Pilot-Interventionsstudie zum Einfluss von Achtsamkeit auf Schlaf bei Studenten. Unveröff. Bachelorarbeit an der Hochschule Fresenius München.
  • Jobst, A. , Sabaß, L., Palagyi, A., Bauriedl-Schmidt, C., Mauer, M.C., Sarubin, N. et al. (2015). Effects of social exclusion on emotions and oxytocin and cortisol levels in patients with chronic depression. Journal of Psychiatric Research, 60, 170-177.
  • Reinhard, M.A., Dewald-Kaufmann, J. Wüstenberg, T., Musil., R., Barton, B.B., Jobst, A. & Padberg, F. (2020). The vicious circle of social exclusion and psychopathology: a systematic review of experimental ostracism research in psychiatric disorders. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 270(5), 521-532.
  • Sarubin, N. (2013). Sport als begleitende Maßnahme bei der Psychotherapie depressiver Patienten. Implikationen für die psychotherapeutische Praxis. Psychotherapeutenjournal, 3, 278-282.
  • Jobst, A. , Sabaß, L., Palagyi, A., Bauriedl-Schmidt, C., Mauer, M.C., Sarubin, N. et al. (2015). Effects of social exclusion on emotions and oxytocin and cortisol levels in patients with chronic depression. Journal of Psychiatric Research, 60, 170-177.
disable
mail
call
disable
Zurück zum Seitenanfang