10.06.2016

Beeindruckendes Bewerbungsfoto

Beitrag der Redaktion

Ein Bewerbungsfoto liefert Personalentscheidern einen ersten Eindruck des Kandidaten. Beeinflusst dieser Eindruck auch die Wahrnehmung bei der weiteren Sichtung der Bewerbungsunterlagen? Svenja Schoer, Absolventin der Hochschule Fresenius Hamburg, hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit dieser Frage auseinandergesetzt.

 

„Der erste Eindruck zählt!“, heißt es im Volksmund. Und da spricht er durchaus die Wahrheit. „Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Menschen sich binnen Sekunden eine Meinung über eine fremde Person gebildet haben – und diese Meinung auch nicht so einfach wieder über Bord werfen“, weiß Svenja Schoer, Absolventin der Hochschule Fresenius Hamburg. Dieser Mechanismus habe sich eben im Laufe der menschlichen Entwicklungsgeschichte bewährt: „Man kann davon ausgehen, dass diejenigen Individuen evolutionäre Vorteile hatten, die andere beim ersten Eindruck besser einschätzen konnten. Auf diese Weise konnten sie zum Beispiel Bedrohungen frühzeitig erkennen, ihnen aus dem Weg gehen und so das eigene Überleben sichern“, argumentiert Schoer.

In ihrer Bachelorarbeit, die die Wirtschaftspsychologin bereits im vergangenen Jahr an der Hochschule Fresenius Hamburg eingereicht hat, hat sich Schoer mit der evolutionären Entstehung dieses Mechanismus allerdings nur am Rande auseinandergesetzt. Im Zentrum stand vielmehr die Frage, ob die erwähnte Volksweisheit auch in einer Personalauswahlsituation Gültigkeit besitzt – einer Situation also, in der eigentlich die gründliche und faktengestützte Bewertung einer Person vorgenommen werden sollte. „Der erste Eindruck durch das Bewerbungsfoto spielt selbstverständlich auch bei der Personalauswahl eine Rolle. Aber natürlich lassen sich die Kompetenzen eines Kandidaten nicht an dessen Gesicht ablesen“, so Schoer.

 

Werden durch das Bewerbungsfoto bereits die Weichen für eine Einstellungsentscheidung gestellt?

Doch genau dieses Vorgehen unterstellte sie den Probanden in ihrem Experiment, bei dem ein fiktives Personalauswahlverfahren im Mittelpunkt stand. Ihre Hypothese: Das Bewerbungsfoto überstrahlt die Kompetenzen, die aus den restlichen Bewerbungsunterlagen herauszulesen sind. „Auch in einem realen Auswahlverfahren lassen die meisten Personaler zunächst die Fotos der Bewerber auf sich wirken – vielleicht wirkt dieser erste Eindruck ja noch eine Weile nach und verzerrt die Wahrnehmung des Gesamtprofils“, drückt Schoer ihre These in anderen Worten aus.

Bevor sie ihre Probanden – allesamt Studierende an der Hochschule Fresenius Hamburg – aber die fiktive Bewerberauswahl durchführen ließ, musste sie in einer Vorstudie feststellen, welche Kandidaten aufgrund ihrer Fotos überhaupt als attraktiv eingestuft werden: „Zunächst habe ich einer Gruppe Probanden drei Fotos fiktiver, potentieller Bewerber vorgelegt. Die Probanden sollten dann eine fiktive Stelle mit einem dieser Kandidaten besetzen und sie außerdem unter anderem hinsichtlich ihrer Attraktivität bewerten“, erklärt die Absolventin den Versuchsaufbau. Auf Basis der Vorstudienergebnisse brachte sie die fiktiven Bewerber dann in eine Attraktivitätsrangfolge.

In der Hauptuntersuchung führte sie anschließend eine experimentelle Studie auf Basis eines „Zweiggruppenplans“ durch: Einer Kontrollgruppe – keiner der Teilnehmer aus der Vorstudie durfte an der Hauptuntersuchung teilnehmen – wurden Anschreiben und Lebenslauf eines fiktiven Bewerbers vorgelegt, eine Experimentalgruppe bekam die gleichen Unterlagen zu Gesicht – mit dem Unterschied, dass diesmal ein Bewerbungsfoto beigelegt war. Wieder war es nun die Aufgabe der Probanden, einen geeigneten Kandidaten für eine fiktive Stelle auszuwählen.

 

Schoer hofft auf Folgeuntersuchungen – und möchte diese am besten selbst betreuen

„Ein Vergleich beider Gruppen zeigte schließlich, dass das Bewerbungsfoto tatsächlich einen Einfluss auf die Kandidatenselektion hatte: Jene Person, die in der Vorstudie als attraktivster Kandidat bewertet wurde, wurde unabhängig vom Gesamtprofil vergleichsweise häufiger ausgewählt“, nennt Schoer eines der zentralen Ergebnisse.

Da für ihr Experiment allerdings nur 60 Probanden hätten gewonnen werden können und es sich außerdem ausschließlich um Studierende gehandelt habe, sei eine Verallgemeinerung der Ergebnisse nur bedingt möglich, so Schoer. Sie freue sich daher, wenn das Thema im Rahmen zukünftiger Bachelorarbeiten weiter untersucht werde – sie würde sich dann sicherlich als Betreuerin anbieten: seit Ende des Jahres 2015 ist sie nämlich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Fresenius Hamburg angestellt.

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