08.07.2021

Wie erhalte ich ein EXIST Gründerstipendium?

Interview von Marco Nebgen und Nadja Riedel

Sicherlich haben viele Gründungsinteressierte von dem EXIST Gründerstipendium gehört. Diese vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereitgestellte Finanzierungsförderung von Start-ups möchten wir genauer betrachten und haben dazu mit unserem Experten Prof. Dr. Stephan Haubold ein Interview geführt. Er hat erst kürzlich dem Start-up BeautyV erfolgreich zum EXIST Gründerstipendium verholfen.

WAS KÖNNEN WIR UNS UNTER DEM EXIST GRÜNDERSTIPENDIUM VORSTELLEN?

Das Stipendium ist auf eine Laufzeit von einem Jahr ausgelegt und bietet Gründungsinteressierten finanzielle Unterstützung bei der Vorbereitung der eigenen Geschäftsidee. Wichtig hierbei ist, dass das eigene Unternehmen noch nicht gegründet sein darf.

ÜBER WELCHE KRITERIEN WIRD EINE FÖRDERFÄHIGKEIT GEWÄHRLEISTET?

Wichtig ist, dass der Antragsteller:innen einen Hochschulabschluss haben, der noch nicht älter als fünf Jahre ist. Außerdem ist ein wichtiger Aspekt, dass die eigene Planung noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Gründerteams, die schon kurz vor Gründung und Markteintritt stehen, haben es schwer. Es geht darum, Geschäftsideen zu unterstützen, bei denen die Entwicklung eines Prototyps, wie die Entwicklung einer eigenen Plattform oder eines technischen Gerätes, einen langen Zeitraum in Anspruch nimmt, teuer ist und nicht so ohne Weiteres aus eigener Kraft finanziert werden kann.

Gefördert werden Gründerteams von bis zu max. drei Personen, wobei mindestens die Hälfte des Teams keine aktiven Studierenden mehr sein dürfen und die aktiven mindestens 50% ihres Studiums abgeschlossen haben sollten. Eines der bis zu drei Teammitglieder kann auch mit einem qualifizierten Berufsabschluss als technische:r Mitarbeiter:in gefördert werden. Das Team braucht eine Partnerhochschule, die sich bereit erklärt, die Antragstellung zu begleiten. Hierbei muss die Hochschule ein Gründungsnetzwerk ausweisen sowie ein:en Mentor:in für die Antragsphase bereitstellen. Die Idee selbst sollte eine gewisse innovative Höhe haben und möglichst eine technische Neuerung darstellen und wissensbasiert sein. Wenn jetzt beispielsweise Wirtschaftspsycholog:innen zu einem Thema eine neue Methode entwickeln, die dann auch noch technisch umsetzbar ist, wäre das förderfähig.

WIE SIEHT DIE FÖRDERUNG AUS?

Gefördert werden Personal-und Sachkosten, also auch Investitionen. Bei den Sachkosten erhalten Einzelgründer:innen 10.000€ und Teams bis zu 30.000€. Hinzu kommen Beratungskosten (z.B. Coaching) von bis zu 5.000€. Bei den Personalkosten gibt es eine Staffelung hinsichtlich Höhe des Bildungsabschlusses. So erhalten Studentierende 1.000€/Monat, technische Mitarbeiter:innen 2.000€/Monat, Absolvent:innen 2.500€/Monat und promovierte Antragssteller:innen 3.000€/Monat. On top kommt noch ein Zuschlag von 150€/Monat für unterhaltspflichtige Kinder.

WIE LÄUFT ANTRAGSTELLUNG AB?

Eingereicht werden muss eine Ideenskizze mit welcher eine allgemeine Beschreibung der Idee und Ziele veranschaulicht werden. Außerdem muss ein Finanzplan für den Förderzeitraum (von einem Jahr) in Form einer übersichtlichen Tabelle erstellt werden.
Des Weiteren kann, falls vorhanden, ein erster Businessplan beigefügt werden, welcher aber, ähnlich wie beim Finanzplan, noch nicht in der Tiefe formuliert sein sollte, denn die Erstellung eines detaillierten Businessplans ist ein Ziel der Förderung. Zusätzlich gibt es noch einige Dokumente, die die Hochschule auszufüllen hat, welche die Antragstellung dann vervollständigen. Über diesen Zeitraum hinweg erhalten die Antragsteller:innen hochschulinterne, persönliche Beratung. Wenn der Antrag genehmigt worden ist und Fördermittel fließen, läuft dieser Prozess über die Hochschule, die dann das Geld an die Geförderten überweisen. In dem eigentlichen Förderungszeitraum wird den Gründer:innen dann ein:e Mentor:in zur Seite gestellt, der/die das Team begleitet, kritisch hinterfragt und Netzwerke für das Team eröffnet.

WAS KANN MAN SICH UNTER DEM MENTORING VORSTELLEN?

Es gibt einen regelmäßigen Austausch, in dem verschiedene Aspekte behandelt werden. Das können formale Fragen zur Finanzierung, zum Gründungsprozess oder zum Vertrieb sein. Mentor:innen helfen dem Team vor allem dabei, fokussiert zu bleiben und sich immer wieder die Frage zu stellen, ob und in welcher Form die Idee draußen am Markt auf Nachfrage stoßen wird.

Wer Interesse hat kann sich unter pioneerlab@hs-fresenius.de melden und beraten lassen.

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