02.09.2021

Wahl-O-Mat: Die Entscheidungshilfe zur Bundestagswahl

von Ramona Kohlen

Seit 2002 stellt der Wahl-O-Mat eine beliebte Hilfestellung im Vorfeld einer Wahl dar. Die nächste Bundestagswahl findet am 26. September 2021 statt und entscheidet über die Zusammensetzung des 20. Bundestages in Berlin. Dabei wird unter anderem auch die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel bestimmt. Insgesamt stehen 53 Parteien zur Wahl.

Wir erklären, was der Wahl-O-Mat ist, wie er funktioniert und welche Vorteile er bringt. Im Interview verrät Prof. Dr. Hendrik Müller, Studiengangsleiter Philosophy and Economics (M.A.), außerdem, welche Auswirkungen der Wahl-O-Mat auf die Wahlen hat und warum das Angebot so wichtig ist.

Politikverdrossenheit ist nämlich ein Problem, das nicht nur junge Menschen betrifft. Fehlendes Interesse, sich mit den Wahlprogrammen zu beschäftigen oder das Gefühl, den Durchblick zu verlieren, sind nur zwei Punkte, die zu einer zurückgehenden Wahlbeteiligung führen.

Viele Wahlberechtigte nutzen daher den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), um Ihre Ansichten mit dem Programm unterschiedlicher Parteien abzugleichen. So kann herausgefunden werden, welche Partei die eigene Meinung am besten vertritt. Der Wahl-O-Mat steht zu Land- und Bundestagswahlen sowie bei Europawahlen zur Verfügung.

Bei der Bundestagswahl im Jahr 2005 wurde das Angebot 5,2 Millionen Mal genutzt, 2017 bereits 15,7 Millionen Mal.

Grafik zum Wahl-O-Mat

Was ist der Wahl-O-Mat?

Der Wahl-O-Mat ist eine interaktive Online-Anwendung, die im Browser abgerufen oder als App gestartet wird. Sie können die Anwendung kostenlos und ohne Registrierung nutzen.

Nutzer:innen bekommen dort nacheinander diverse Thesen angezeigt, die sie mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“ oder „neutral“ bewerten können.

Im Anschluss können Sie einzelne Punkte, die Ihnen besonders wichtig sind, noch einmal gewichten. Ihre ausgewählten Aussagen zählen im Vergleich doppelt.

Wurden alle Aussagen bewertet und gewichtet, wird Ihre Meinung mit denen der Parteien abgeglichen. Auf diese Weise wird klar, welche Partei Ihrer eigenen Position am meisten entspricht.

Wünschen Sie sich einen generellen Überblick, können Sie Ihre persönliche Meinung mit allen zur Wahl stehenden Parteien vergleichen. Schwanken Sie lediglich zwischen ein paar Parteien, können Sie den Vergleich auf diese einschränken.

Zudem haben Sie die Möglichkeit, den Standpunkt einer jeder Partei zu jeder These auf einem Blick zu sehen und sich so zusätzlichen Überblick zu schaffen.

Wie entsteht der Wahl-O-Mat?

Laut bpb werden die Aussagen des Wahl-O-Mat von Statistiker:innen und Pädagog:innen sowie Jungwählern aus den Partei- und Wahlprogrammen herausgearbeitet. Dabei werden im ersten Schritt rund 80 Aussagen ausgewählt.

Die aufgestellten Thesen werden den entsprechenden Parteien zur Konkretisierung zur Verfügung gestellt und im Anschluss von Politikwissenschaftler:innen geprüft. Im letzten Schritt werden die Thesen auf die 38 wichtigsten Themen reduziert, bevor diese im Wahl-O-Mat veröffentlicht werden.

Welche Vorteile bietet der Wahl-O-Mat?

Personen, die sich im Vorfeld einer Wahl noch nicht mit den Standpunkten der Parteien auseinandergesetzt haben, erhalten mit der Nutzung des Wahl-O-Mat einen guten Überblick. Aber auch wenn Sie z. B. zwischen zwei oder drei Parteien schwanken, kann Ihnen der Wahl-O-Mat bei der Entscheidung helfen.

Weitere Vorteile sind unter anderem:

  • Die Nutzung ist einfach und unkompliziert
  • Unterschiede in den Wahlprogrammen werden übersichtlich dargestellt
  • Es wird ein Anreiz geschaffen, sich mit Politik zu beschäftigen
  • Parteien, die bisher nicht im persönlichen Fokus stehen, können interessant werden
  • Die Standpunkte bisher gewählten Parteien können überprüft werden

Welche Parteien werden gewählt?

Für die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag sind insgesamt 53 Parteien zugelassen worden. Neun Parteien mussten dabei keine Unterstützungsunterschriften einreichen. Dazu zählen: SPD, CDU, CSU, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, FDP, AfD, Freie Wähler sowie BVB/Freie Wähler.

Bei Bundestags- und Europawahlen müssen besonders kleinere Parteien eine festgelegte Anzahl von Unterstützungsunterschrift vorweisen. Mit diesen Unterstützungsunterschriften zeigen wahlberechtigte Personen an, dass sie den Wahlvorschlag (die Zulassung der Partei zur Wahl) befürworten. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass keine Spaßparteien, sondern nur ernstgemeinte Parteien mit einer gewissen Zahl an Wählern zugelassen wird.

Bei etablierten großen Parteien wird von einer ausreichenden Anhängerschaft ausgegangen, weshalb keine Unterstützungsunterschriften vorgelegt werden müssen.

Im Wahl-O-Mat werden die Thesen von allen 53 Parteien berücksichtigt.

Für den Bundestag werden aus den zur Wahl stehenden Parteien laut Bundeswahlgesetz 598 Abgeordnete gewählt. Dabei gehen 299 Sitze an die in den Wahlkreisen mit der Erststimme gewählten Personen. Die restlichen Sitze werden den Zweitstimmen sowie den Landeslisten zugeordnet.

Durch Überhang- und Ausgleichsmandate ist die reale Anzahl der Abgeordneten im Normalfall jedoch höher. Dem 19. Deutschen Bundestag gehören 709 Mitglieder, bedingt durch 46 Überhangsmandate sowie 65 Ausgleichsmandate, an.

Im Interview erklärt Prof. Dr. Hendrik Müller, Studiengangsleiter Philosophy and Economics (M.A.) im Fernstudium und Studiendekan für Bachelorstudiengang Philosophie, Politik und Wirtschaft am Standort Hamburg in Präsenz unter anderem, welche Auswirkungen der Wahl-O-Mat auf die Wahlbeteiligung hat.

Prof. Dr. Hendrik Müller
Prof. Dr. Hendrik Müller

Herr Müller, warum ist der Wahl-o-Mat heutzutage so wichtig?

Gerade im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl sind viele Menschen verunsichert, welche Partei sie wählen sollen.

Das hängt mit dem erklärten Ende der langjährigen Ära Merkel zusammen, aber auch die Corona-Krise und die Unzufriedenheit mit den in dieser Zeit getroffenen politischen Entscheidungen hat zu einer allgemeinen Verunsicherung bei vielen Menschen beigetragen.

Auch angesichts einer zunehmenden Politikmüdigkeit und mangelnder Wahlbeteiligung, gerade bei jungen Menschen, soll der Wahl-o-Mat spielerisch dazu anregen, dass man sich mit seiner politischen Meinung kritisch auseinandersetzt.

Sorgt der Wahl-o-Mat für mehr Wahlbeteiligung?

Der Wahl-O-Mat profitiert davon, dass die Bedeutung der Online-Kommunikation bei Wahlkämpfen zugenommen hat und weiterwachsen wird. Nach einer Studie aus dem Jahr 2017 kann er tatsächlich für mehr Wahlbeteiligung sorgen, da sich Bürgerinnen und Bürger durch das Tool stärker mit Politik und politischen Positionen auseinandersetzen. Hier spielen besonders der unkomplizierte Einstieg und die leicht verständlichen Inhalte eine Rolle, denn die kurzen Thesen machen es einfach, Standpunkte der Parteien zu verstehen.

Sollten sich Menschen blind auf das Ergebnis verlassen?

Nein, auf keinen Fall: denn gerade wer unentschlossen ist, kann eine unangenehme Überraschung erleben, wenn die politische Position parteipolitisch zugeordnet wird. Insofern der dringende Appell, das Ergebnis des Algorithmus kritisch zu hinterfragen und in Bezug auf die eigene Position zu reflektieren. Auch die bpb weist darauf hin, dass es sich beim Wahl-O-Mat nicht um eine verbindliche Empfehlung zur Wahl handelt, sondern um ein Informationsangebot.

Wird das Thema Bundestagswahl/Wahl-o-Mat auch im Studium behandelt?

Das Thema der Bundestagswahl sollte auch im Studium eine wichtige Rolle spielen und dies unabhängig vom Fachbereich oder Studiengang. Denn schließlich hängt vom Wahlausgang nicht nur die politische, sondern auch die ökomische und gesellschaftliche Ausrichtung der kommenden Jahre ab. Im Masterstudiengang Philosophy and Economics (M.A.), welcher von mir geleitet wird, werde ich im Rahmen des Moduls „Einführung in die Politische Theorie“  das Thema  auf jeden Fall behandeln.

Sie streben ein Studium mit politischem Fokus an und möchten diesen wichtigen Themenbereich mit wirtschaftswissenschaftlichem wissen kombinieren? Dann haben wir die richtigen Studiengänge für Sie! Wenn Sie in Präsenz (Vollzeit) in Hamburg, Köln oder München studieren wollen, bieten wir Ihnen den Bachelorstudiengang Philosophie, Politik und Wirtschaft (B.A.) an.

Haben Sie bereits ein Bachelorstudium mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt erfolgreich abgeschlossen und möchten durch einen Master Ihre Karrierechancen erhöhen, entscheiden Sie sich für den Masterstudiengang Philosophy and Economics (M.A.).

Gerne beraten wir Sie persönlich und individuell über Ihre Möglichkeiten!

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