Die Drei-Gute-Dinge-Übung und das Glück

Die Hochschule Fresenius Hamburg möchte zu einem Zentrum der Glücksforschung in Deutschland werden. Unter dem „Forschungsdach zur Positiven Psychologie“ werden dort seit rund einem Jahr Forschungsprojekte angestoßen und wissenschaftliche Beiträge gesammelt. Auch Anne-Katharina Mardfeldt, Studentin der Wirtschaftspsychologie, hat sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Glück beschäftigt – und dabei ein außergewöhnliches Experiment durchgeführt.

Der Grundstein für Anne-Katharina Mardfeldts Bachelorarbeit wurde während eines Gastvortrags an der Hochschule Fresenius Hamburg gelegt: „Im vierten Semester stellte eine Gastreferentin im Kurs ‚Systemisches Coaching‘ das Werk des Glücksforschers Martin Seligman vor. Danach habe ich mir sofort sein Buch ‚Flourish – Wie Menschen aufblühen‘ gekauft“, berichtet die angehende Wirtschaftspsychologin. Fortan sei sie von dem Thema begeistert gewesen und habe sich mit ihm schließlich auch in ihrer Bachelorarbeit auseinandergesetzt.

Im Zentrum ihrer Thesis, die sie erst vor wenigen Wochen fertiggestellt hat, stand folglich auch eine von Seligmans berühmtesten Ideen: die Drei-Gute-Dinge-Übung. „Bei dieser Übung geht es darum, sich jeden Abend zehn Minuten Zeit zu nehmen, den Tag Revue passieren zu lassen und drei Dinge aufzuschreiben, die einen besonders erfreut haben“, erklärt Mardfeldt. Im Rahmen ihres Bachelorarbeit-Experiments bat sie rund 30 Probanden, die Übung über einen mehrwöchigen Zeitraum hinweg durchzuführen. Eine zahlenmäßig ungefähr gleich große Kontrollgruppe sollte währenddessen ihr Leben ganz normal weiterführen, ohne allabendliches Reflektieren.

Zu Beginn und nach der Experimentalphase wurden die beiden Gruppen jeweils um die Einschätzung ihrer Lebenszufriedenheit gebeten – und siehe da: diejenigen, die nach Seligmans Idee gelebt hatten, waren zum zweiten Messzeitpunkt verhältnismäßig glücklicher. „Leider sind die Werte knapp an einem aussagekräftigen Signifikanzniveau vorbeigeschrammt“, kommentiert Mardfeldt. Enttäuscht sei sie deswegen aber nicht: „Eine Tendenz ist eindeutig zu erkennen. Vielleicht kann man das Experiment mit einer größeren Anzahl an Probanden wiederholen und so ein besseres Ergebnis erzielen.“

MARDFELDTS NICHT-EXPERIMENTELLER TEIL BESTÄTIGT EINEN BEKANNTEN ZUSAMMENHANG: MENSCHEN MIT HOHER INNERER KONTROLLÜBERZEUGUNG SIND GLÜCKLICHER

Für aussagekräftiger hält die Studentin die nicht-experimentellen Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit. Per Onlinefragebogen hatte sie die momentane Stimmungslage von rund 150 Personen erhoben. „Es zeigte sich, dass ältere Menschen zufriedener sind als jüngere. Zwischen den Geschlechtern besteht dagegen kein Unterschied“, fasst Mardfeldt zusammen. Letztgenanntes Ergebnis steht im Einklang mit bisherigen Befunden, wonach Frauen zwar negative wie positive Gefühlslagen intensiver erleben, insgesamt aber nicht glücklicher sind als Männer.

Ein anderer in Mardfeldts Arbeit aufgedeckter Zusammenhang bestätigt ebenfalls einen schon bekannten Befund: „Personen, die über eine erhöhte innere Kontrollüberzeugung verfügen, also davon überzeugt sind, im Leben alles selbst in den Händen zu halten, sind glücklicher.“ In zahlreichen Studien fanden sich bereits Belege für diese These, auch eine andere Studentin der Hochschule Fresenius war in ihrer Abschlussarbeit zu diesem Ergebnis gekommen.

Mit ihrer Bachelorthesis hat Anne-Katharina Mardfeldt nun ihre erste aufwendige wissenschaftliche Arbeit hinter sich gebracht. Sie kann sich durchaus vorstellen, später im Bereich Forschung tätig zu sein. Derzeit absolviert sie allerdings ein Praktikum im Bereich Personalentwicklung, dem wissenschaftlichen Arbeiten hat sie erst einmal den Rücken gekehrt – jedoch nur auf absehbare Zeit: vermutlich wird sie sich demnächst für einen Masterstudiengang an der Hochschule Fresenius einschreiben.