21.02.2022

Studieren in Deutschland – wie erleben Internationals das Studium?

Beitrag von Janina Raeder

©Day Of Victory Stu/stock.adobe.de

Zahlreiche Studierende auf der ganzen Welt wagen jährlich den Schritt zu einem Studium im Ausland. Sei es ein Semester oder gleich das ganze Studium: Ein Aufenthalt in einem anderen Land eröffnet neue Perspektiven und Möglichkeiten. Diese Chance nutzten auch Samed Krymbi und Dushiana Arapi aus Albanien. Samed absolviert sein Studium im Master Psychologie (M.Sc.) in Frankfurt und steht nun kurz vor seinem Studienabschluss. Dushiana studiert Neurorehabilitation für Therapeuten (M.Sc.) in Köln im dritten Semester – beide blicken auf eine bewegte Zeit zurück.

Abenteuer Ausland – in Deutschland

Beide Internationals sind in Albanien geboren und aufgewachsen. „Eigentlich wollte ich auch nie woanders hin, weil ich mich mit meiner Heimat sehr verbunden fühle. Ich hätte mir auch nie vorstellen können, in Deutschland zu studieren. Die Zukunftsaussichten in Albanien waren aber einfach nicht so toll. Ich wollte was anderes und mehr aus unserem Leben machen“, erzählt Samed. Bei Dushiana war es anders. Sie wollte schon immer im Ausland studieren, weil sie die Bildungschancen außerhalb Albaniens besser fand.

Während Sameds Vater zuerst allein nach Deutschland gegangen war, um zu arbeiten und ein neues Leben aufzubauen und er selbst auf sein Studentenvisum wartete, hat Dushiana ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. „Ich habe mein Bachelorstudium der Physiotherapie in Tirana gemacht, wollte aber immer noch lieber woanders studieren. Ob Deutschland oder ein anderes Land in Europa war mir eigentlich egal. Eine Freundin von mir lebt in Berlin und die hat mir ein bisschen mehr über das Studium und das Leben erzählt. Dann habe ich spontan Tickets gebucht und bin los“, berichtet die Studentin aus Albanien.

Es gibt keinen Onboarding-Fahrplan

Der Start in Deutschland selbst hätte bei beiden internationalen Studierenden kaum unterschiedlicher laufen können. Samed kam bereits 2012 nach Deutschland und musste zunächst die Deutsche Sprache lernen. Hierfür belegte er einen Sprachkurs, der ihn intensiv auf das Studium vorbereitete. „Das waren täglich jeweils vier bis fünf Stunden Deutschunterricht“, erinnert sich der gebürtige Albaner. Im Anschluss musste er ein Studienkolleg besuchen, da sein Abitur nicht anerkannt wurde. Dies war Voraussetzung für sein Studium in Deutschland. Anders lief es bei der jungen Physiotherapeutin. Nach dem Abschluss ihres Bachelorstudiums kam sie 2018 nach Deutschland. „Ich habe mir dann erstmal einen Job gesucht, um mir Leben und Studium selbst finanzieren zu können. In einer Klinik und einer Praxis in Berlin habe ich einen gefunden und arbeite dort seitdem im Bereich Physiotherapie. Um hier als vollwertige Physiotherapeutin arbeiten zu können, fehlen mir ein paar praktische Stunden, weil mein Studium in Albanien nur sechs Semester dauerte“, fasst Dushiana ihren Start in Deutschland zusammen. Beide beschreiben die ersten Wochen und Monate als anstrengend, aber machbar, wenn man weiß, was man erreichen möchte.

Viele Wege führen ans Ziel

Samed begann im Anschluss an das Studienkolleg sein Bachelorstudium. Wollte er zunächst eigentlich Medizin oder Wirtschaft studieren, landete er schlussendlich in der Psychologie. „Dass ich Psychologie studiert habe, hat sich irgendwie so ergeben“, sagt Samed lachend und ergänzt: „Heute bin ich sehr dankbar, dass ich Psychologie studieren durfte. Nach dem Bachelorstudium musste ich ein Jahr auf einen Masterplatz warten und habe in der Zeit in einer Rehaklinik gearbeitet. Das gab mir einen spannenden Einblick in die Berufswelt von Psychologen.“

Auf den Masterplatz warten musste auch Dushiana. Diese Zeit nutzte sie, um Deutsch zu lernen. „Ich habe mich für verschiedene Master beworben. Manchmal waren die Inhalte zu sportlich, sodass meine eher medizinische Vorausbildung nicht reichte, aber ein großes Problem war die Sprache. Nur mit Englisch kommt man in Deutschland nicht weit“, so die Studentin. Als sie das Sprachniveau C1 erreicht hatte, bewarb sie sich für ihren jetzigen Studiengang, die akademische Sprache war jedoch immer noch eine Herausforderung.

Portrait von Samed Krymbi
Student Samed Krymbi

Eine weitere Hürde für die Physiotherapeutin: Sie pendelt für das Studium von Berlin, wo sie arbeitet und wohnt, nach Köln. „Durch die Pandemie wurde der Unterricht zu großen Teilen digital gestaltet. Das war schon ganz angenehm, wenn fünf Stunden Zugfahrt und die ganze Organisation mit den Tickets und der Übernachtung wegfällt“, gibt Dushiana zu.

Portrait von Dushiana Arapi
Studentin Dushiana Arapi

Wohin führt die Zukunft?

Zurück in die Heimat möchte Samed nicht mehr. Seine Familie ist hier und seine Partnerin, mit der er eine Familie gründen möchte, ebenfalls. „Nach meinem Masterabschluss möchte ich noch die dreijährige Weiterbildung in klinischer Neuropsychologie machen“, fügt der Masterabsolvent hinzu. In Albanien hat er noch Familie, die er ab und an besucht, seine Zukunft sieht er jedoch in Deutschland. „Das Studium hier hat mir neue Perspektiven eröffnet und ich möchte definitiv mein ganzes Leben hier verbringen“, ergänzt Samed.

Dushiana hält es sich offen, ob sie in Deutschland bleibt oder zurück in die Heimat geht. Im Gegensatz zu Sameds Verwandten ist ihre Familie in Albanien geblieben. „Ich weiß noch nicht, was nach dem Studium kommt. Ich möchte gern in die Forschung oder die Lehre im Bereich Neurorehabilitation, aber auch in dem Bereich als Physiotherapeutin arbeiten. Eine eigene Praxis kann ich mir auch gut vorstellen – ob hier oder in Albanien, wird sich zeigen“, sagt die Studentin.

Neben den Gemeinsamkeiten des Herkunfstlandes und dass beide im neurologischen Bereich arbeiten wollen, zeigen sich in ihrem Weg zum Studium in Deutschland auch zahlreiche Unterschiede. Beide Geschichten zeigen: es gibt nicht den einen Weg für ein Studium, es lohnt sich aber für seine Träume zu kämpfen und dabei auch mal die Fühler über die Landesgrenzen der Heimat auszustrecken. „Das Studium in Deutschland hat mir viel gegeben. So habe ich beispielsweise das wissenschaftliche Arbeiten kennengelernt und neue Freunde in Berlin und Köln gefunden“, schließt Dushiana ab.

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