03.02.2022

Soziale Arbeit – In Krisen für Sie da

Beitrag von Barbara Debold

© Bro Vector/stock.adobe.com

Tamara Sperber hat das Studium Soziale Arbeit (B.A.) an der Hochschule Fresenius in München absolviert. Seit ihrem Praxissemester ist sie für die Organisation Hipsy – Hilfe für psychisch Kranke e.V. tätig. Seit letztem Jahr arbeitet sie außerdem für den Krisendienst der Stadt München. In diesem Beitrag berichtet sie uns, wie es ihr nach dem Studium ergangen ist.

Die Aufgaben im Bereich der Sozialen Arbeit sind vielfältig und Fachkräfte werden gesucht. Viele Absolvent:innen unseres Studiengangs Soziale Arbeit (B.A.) arbeiten im Bereich der Hilfen für Familien, Senior:innen, Kinder und Jugendliche, Wohnungslose, Drogen- und Suchtkranke und Straffällige. Doch auch im Themenfeld der Sonderpädagogik, Inklusion, Migration, Sozialpsychiatrie, Sozialpolitik oder Gesundheitsberatung sind sie tätig.

Im August 2020 hat Tamara Sperber erfolgreich ihren Studiengang Soziale Arbeit (B.A.) in München absolviert und ist nun als Sozialarbeiterin tätig.

Liebe Frau Sperber, Sie haben Ihr Praktikum während des Studiums bei Hipsy eV. absolviert. Was ist das für eine Organisation und was waren Ihre Aufgaben bei dieser Organisation?

Hipsy e.V. ist eine Organisation, die im Bereich des betreuten Wohnens arbeitet. Sie unterstützt psychisch kranke Erwachsene dabei, wieder zurück in den Alltag zu finden. Wir bieten Betreutes Einzelwohnen (BEW), Paarwohnen sowie Wohnplätze in insgesamt neun WGs an.

Bereits im Praktikum waren meine Aufgaben schon sehr vielfältig. Zu Beginn musste ich mich zunächst an das Gesamte gewöhnen, habe mich in die Akten der Klient:innen eingelesen, die internen Arbeitsabläufe sowie meine Kolleg:innen kennengelernt. Bei vielen Kolleg:innen durfte ich zunächst mitlaufen, d.h. bei den Einzelgesprächen und Aufgaben, die sie zu erledigen hatten, dabei sein. Zudem war ich in zwei WGs fest miteingebunden. Allgemein habe ich Einzelgespräche begleitet bzw. ab einem bestimmten Zeitpunkt auch selbst führen dürfen. Auch die Dokumentation der Gespräche habe ich übernommen. Außerdem bekam ich Literaturzeit. Diese Zeit war dazu da, um sich z.B. in die verschiedenen psychischen Erkrankungen oder in Methoden der Gesprächsführung einzulesen. Ein weiterer Punkt war die wöchentliche Teilnahme an den internen (Gesamtteam, BEW und TWG Team sowie BEW Kleinteam) sowie WG internen Teamsitzungen. Ich hatte Kontakt zum Bezirk – unserem Kostenträger, zum Jobcenter, zu gesetzlichen Betreuer:innen, zu Ärzt:innen etc. Es gibt noch viele weitere Aufgaben, doch diese waren für mich persönlich die wichtigsten.

Auch heute arbeiten Sie noch bei dieser Organisation. Wurde Ihnen direkt nach dem Praktikum eine Übernahmemöglichkeit angeboten?

Mein Praktikum ging bis Mitte Februar 2020. Beim Abschlussgespräch wurde mir bereits eine Stelle ab den 01. März dort angeboten, als eine Art Urlaubs- und Krankheitsvertretung. Diese Stelle nahm ich gerne an. Mit Abschluss des Studiums Soziale Arbeit (B.A.) Ende August 2020 wurde ich zum 01. September dort als Sozialarbeiterin eingestellt.

Was gefällt Ihnen am meisten bei Ihren Aufgaben dort?

Ich liebe die Vielfältigkeit in dem Job. Kein Tag ist wie ein anderer. Täglich warten neue Herausforderungen bzw. Anforderungen auf mich. Zudem finde ich es sehr schön, dass der eigene Charakter in die Arbeit mit den Klient:innen miteinfließt.

Zusätzlich arbeiten Sie bei dem Krisendienst der Stadt München. Wieso haben Sie noch einen zweiten Job gesucht? Was sind dort ihre Aufgaben?

Ich arbeite gerne viel, bilde mich auch gerne weiter. Der Krisendienst war für mich eine gute Option dafür. Da ich bei Hipsy schon mit Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeite, war es für mich sehr naheliegend einen ähnlichen Bereich herauszusuchen. Im Krisendienst bin ich für die Nachtschichten eingeteilt. Mein Arbeitsbeginn ist um 21 Uhr und endet am nächsten Tag um 8 Uhr morgens. Die Leitstelle kontaktiert uns, wenn ein:e Anrufer:in psychisch oder seelisch so instabil ist, dass wir als Team (immer zu zweit) dort hinfahren, um die Situation vor Ort einschätzen zu können. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten, wie ein Einsatz verlaufen kann:

  • Sie benötigen gerade jemanden zum Reden (Entlastungsgespräch) und sind danach wieder so stabil, dass sie keine weitere Hilfe benötigen.
  • Sie benötigen ein Entlastungsgespräch, sind jedoch so instabil, dass wir sie für den nächsten Tag an jemanden weiterleiten (z.B. an den Sozialpsychiatrischen Dienst).
  • Ihre Situation ist so akut, dass sie in eine Klinik gebracht werden müssen, um dort weiter versorgt und evtl. überwacht zu werden.

Was hat Ihnen aus Ihrem Studium am meisten im Beruf weitergeholfen?

Am besten fand ich, die einzelnen Stunden Gesprächsführung. Am meisten hilft einem jedoch das Praxissemester weiter. Deshalb empfehle ich jedem, sich einen Bereich auszusuchen, der einen wirklich interessiert.

Werden Sie sich jetzt weiterbilden, vielleicht sogar einen Masterstudiengang machen?

Durch den Krisendienst habe ich bereits eine kleine Weiterbildung erhalten. Zudem bin ich bei Hipsy im AK Fortbildung, d.h. wir suchen verschiedene Fortbildungen für die Mitarbeiter:innen heraus, die einen in gewissen Bereichen weiterbilden.

Für einen Master interessiere ich mich. Ich habe mich letztes Jahr für den Master Soziale Arbeit – Diagnostik, Beratung und Intervention beworben, wurde jedoch leider nicht genommen. Dieses Jahr hätte ich die Möglichkeit gehabt das Studium Master Mental Health anzutreten, habe mich jedoch vorerst dagegen entschieden.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Ich bin in meinem aktuellen Job sehr glücklich, würde jedoch gerne irgendwann noch andere Bereiche der Sozialen Arbeit kennen lernen. Zum Beispiel würde ich gerne einmal mit Kindern oder auch mit Babys zusammen arbeiten z.B. im Kindergarten oder in der Inobhutnahme, da mich der Bereich Jugendamt sehr interessiert.

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