15.12.2021

Neue Bäume für einen gesünderen Wald

Interview von Andreas Müller

Die Klimakrise ist längst vor unserer Haustür angekommen und hat große Gefahren für unsere Wälder im Gepäck: In den letzten Jahren führten Stürme, Dürren und die starke Ausbreitung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer dazu, dass in den deutschen Wäldern 285.000 Hektar – mehr als die Fläche des Saarlandes – derart zerstört sind, dass sie neu aufgeforstet werden müssen.

Wie man den Wäldern aktiv helfen kann, zeigt Tim Häuser, Student der Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden. Gemeinsam mit seinem Freund Luis Rothe rief er Replant Wiesbaden ins Leben und sammelte in kürzester Zeit Spenden für etwa 2.500 neue, klimarobuste Bäume. Wie diese noch in diesem Jahr in den Wald rund um Wiesbaden gepflanzt werden sollen, warum er mit der Initiative aber noch mehr erreichen will und wie er dabei sein Engagement für den Umwelt- und Naturschutz mit seinem Studium verknüpft, darüber spricht er nun im Interview.

Sie möchten mit Replant Wiesbaden den klimabedingten Schäden in den Wäldern um Wiesbaden entgegenwirken. Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Wälder und wie steht es aktuell um sie?

Die Wälder leiden vor allem unter extremer Trockenheit. Die Bäume können nach den Dürren der letzten Jahre kaum noch Wasser aufnehmen und sind stark geschädigt. Das hat unter anderem zur Folge, dass sie Borkenkäfern ideale Bedingungen bieten, um sich in ihnen massiv zu vermehren. Diese geben ihnen dann den Rest: Die Bäume, vor allem die Fichten, sterben ab oder müssen schon vorher gefällt werden, um die weitere Ausbreitung der Borkenkäfer zu verhindern. Und das passiert in einem wirklich großen Umfang: Laut dem Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus gibt es allein in den Wäldern um Wiesbaden eine Fläche von 500 Hektar an kahlen Stellen. Das entspricht in etwa 700 Fußballfeldern.

Eine Luftaufnahme des Waldes um Wiesbaden zeigt gesunde Stellen, aber auch geschädigte Bäume und kahle Flächen.
In den Wäldern in Wiesbaden sind große Flächen so stark geschädigt, dass sie gerodet werden müssen.

Was genau ist Replant Wiesbaden? Und wie kamen Sie auf die Idee dazu?

Replant Wiesbaden ist eine Initiative, die Luis Rothe und ich ins Leben gerufen haben, um einen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz zu leisten und dabei zu helfen, dass es zumindest dem Wald vor unserer eigenen Haustür wieder ein wenig besser geht. Eigentlich trainierte Luis für einen Ironman, in dessen Rahmen er Spenden für den Wald sammeln wollte. Als der Ironman aber coronabedingt ins Wasser fiel, dachten wir uns, dass wir doch auch unabhängig von diesem eine Initiative mit einer Spendenaktion machen können.

Wir haben nun in knapp drei Monaten etwas mehr als 10.000 Euro gesammelt und werden mit dem Geld im Wald um Wiesbaden noch vor Weihnachten etwa 2.500 klimarobuste Bäume pflanzen. Dabei übernehmen wir zusammen mit einigen freiwilligen Helfer:innen und unserem Kooperationspartner Planted, einem gemeinnützigen Start-up aus Köln, das auch einen eigenen Förster beschäftigt, die Pflanzung selbst. Denn auf diese Weise können wir deutlich mehr Bäume pro gespendetem Euro pflanzen.

Wie geht es mit Replant Wiesbaden weiter, wenn die Bäume gepflanzt sind?

Wir haben uns in den letzten Wochen viele Gedanken darüber gemacht, wie es mit der Initiative weitergeht. Denn wir haben wirklich viele Spenden gesammelt, sind für das Geld sehr dankbar und auch ein bisschen stolz auf den Erfolg – aber mit nur einer Pflanzung allein ist das Problem noch lange nicht gelöst. Wir möchten vielmehr einen größeren Beitrag dazu leisten, dass wir einmal später und auch die nachfolgenden Generationen wieder einen schönen Wald mit einer größeren Artenvielfalt vorfinden. Deshalb können wir es uns gut vorstellen, die Initiative mit einer jährlichen Spendenaktion fortzuführen und jedes Jahr um die Weihnachtszeit weitere Bäume zu pflanzen. Vielleicht machen wir das auch in Form eines kleinen Events, wir haben da viele Ideen.

Ein Porträtbild zeigt Tim Häuser und Luis Rothe im Wiesbadener Wald.
Tim Häuser (rechts) rief mit Luis Rothe (links) die Initiative Replant Wiesbaden ins Leben, mit der sie Spenden für etwa 2.500 neue Bäume in den Wäldern um Wiesbaden sammelten.

Mittlerweile haben Zeitungen über die Initiative berichtet und Sie waren auch im Radio zu hören. Inwiefern können Sie durch Ihre mediale Präsenz auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen?

Unsere Medienpräsenz kann natürlich helfen, die Aufmerksamkeit noch mehr auf die Thematik zu lenken. Aber ich glaube, dass der Klimawandel bereits in den Köpfen der breiten Bevölkerung angekommen ist. Dagegen fehlt es an wichtigen Stellschrauben in der Politik und der Wirtschaft, damit wir die nötigen Schritte machen können, um mit dem Klimawandel besser umzugehen. Denn die Bäume, die wir pflanzen, werden noch sehr lange brauchen, bis sie so gewachsen sind, dass sie effektiv CO2 binden können. Den Klimawandel müssen wir aber in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren in den Griff bekommen.

 

Wie gehen Sie neben Replant Wiesbaden mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit um?

Ich habe vor einer Weile meine Ernährung auf fleischfreies Essen umgestellt, weil die Produktion von Fleischprodukten einen hohen CO2-Verbrauch hat. Darüber hinaus überdenke ich vermehrt meine Konsumentscheidungen und versuche, weniger und vor allem bewusster zu konsumieren. Gleichzeitig finde ich aber, dass es nicht der richtige Ansatz ist, zu erwarten, dass sich jede einzelne Person in Bezug auf das Klima perfekt verhält. Das kann schnell zu einem Whataboutism führen, bei dem die Menschen einfach nur gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen. Denn wir können uns natürlich bewusster ernähren, unseren Konsum einschränken und soweit es geht auf Mobilität verzichten – am Ende des Tages wird man dennoch feststellen: Dinge wie Kohlekraftwerke, die in unserem Energiemix einen enormen Anteil des CO2-Ausstosses verursachen, können nur durch die Politik und die Wirtschaft abgestellt werden. Und das funktioniert nur, wenn die Entscheidungen auch in diese Richtung getroffen werden.

Sie setzen sich nicht nur für den Umwelt- und Naturschutz ein, sondern studieren auch Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius. Wie gelingt es Ihnen, Ihr Engagement mit dem Studium zu vereinbaren? Und gibt es vielleicht sogar Aspekte, bei denen diese voneinander profitieren?

Ich bin gerade im sechsten und letzten Semester und schreibe meine Bachelorarbeit. Daneben habe ich noch einen Job und arbeite viel für Replant Wiesbaden. Ich habe also mehrere Baustellen und eine Menge zu tun. Wenn ich aber an einem Tag etwas für das Studium mache und dann noch Sachen für Replant Wiesbaden auf dem Tisch liegen habe, hilft mir das sehr, weil ich die Arbeit für die Initiative gar nicht als Arbeit wahrnehme. Es macht mir einfach riesigen Spaß, immer etwas Neues über den Wald zu lernen, Dinge zu organisieren und dabei zu wissen, dass unsere Bäume schon sehr bald gepflanzt werden.

Das Logo von Replant Wiesbaden zeigt unter anderem einen gezeichneten Baum.
Das Pflanzen von etwa 2.500 Bäumen soll nicht die einzige Aktion von Replant Wiesbaden bleiben. Vielmehr soll sie auch in den nächsten Jahren zu einem gesünderen Wald rund um Wiesbaden beitragen.

Darüber hinaus beschäftigte ich mich auch schon in meinem Wirtschaftspsychologie-Studium, im Bereich der Umweltpsychologie, aber auch in der Markt-, Werbe- und Medienpsychologie, mit verschiedenen Teilaspekten des Klimawandels. Dabei ging es zum Beispiel um die Frage, wie man Menschen dazu bewegen kann, dass sie ihre Konsumentscheidungen überdenken und sich energieeffizienter verhalten. Auch in meiner Bachelorarbeit geht es in gewissem Maße um den Klimawandel: Ich untersuche in ihr, inwiefern Bedrohungswahrnehmungen, die Menschen aufgrund des Klimawandels haben können, ein umweltverträgliches Verhalten beeinflussen und wie verschiedene Bewältigungsstrategien das Ganze moderieren.

 

Sie schließen bald Ihr Bachelorstudium ab und haben gleichzeitig mit Replant Wiesbaden eine sehr erfolgreiche Initiative für den Umwelt- und Naturschutz ins Leben gerufen. Wie geht es für Sie weiter?

Ich möchte Replant Wiesbaden weiter vorantreiben und habe gleichzeitig vor, an meinen Bachelor ein Masterstudium anzuhängen, vielleicht in einem Managementstudiengang oder einem Studiengang, der sich mit Innovationen und Strategien beschäftigt. Danach kann ich mir gut vorstellen, in einer Nichtregierungsorganisation oder einem kleineren Unternehmen zu arbeiten, das sich für den Waldschutz oder das Aufforsten engagiert. Insgesamt bin ich mir aber noch nicht ganz sicher, wohin mich meine Reise führen soll, und lasse mich da auch gerne ein wenig überraschen.

Sie möchten mehr über Replant Wiesbaden erfahren? Dann besuchen Sie die Website oder den Instagram-Kanal der Initiative.

Darüber hinaus finden Sie hier alle wichtigen Informationen über das Studium der Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius.

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