09.02.2021

Mit Auslandserfahrung die Therapie von morgen mitgestalten

Beitrag von Janina Raeder

Sie haben einen therapeutischen oder pädagogischen Beruf und möchten nach Ihrem Studium eine Zeit lang im Ausland arbeiten? Die gemeinnützige Organisation Apex Social ermöglicht es Absolvent*innen von Schulen und Hochschulen, sich diesen Traum zu erfüllen. Auch Alumnus Moritz Merk hat an dem Apex Programm teilgenommen – nach seiner Ausbildung und schon vor seinem Studium. Was das Apex Social Programm ist und wie es sich auf Moritz Merks Zukunft ausgewirkt hat, erfahren Sie hier im Beitrag.

Was ist Apex Social?

Apex Social ist eine gemeinnützige Organisation, die von Susan Asay (gebürtig aus Sachsen) Anfang der 2000er Jahre ins Leben gerufen wurde. Nachdem sie selbst in den USA eine Familie gegründet hatte, merkte sie schnell, dass man eine Betreuung brauchte, die es so nicht gab – denn es gab dort kein Pflegepersonal, das Deutsch sprach. Daraus entstand die Idee, Fachpersonal für ein bis zwei Jahre in die USA zu holen, um dort Familien in einer 1:1 Betreuung zu unterstützen. Junge Fachkräfte, die gerade mit einer Ausbildung oder einem Studium fertig sind, können durch das Programm intensive Erfahrungen im Beruf sammeln und diese im Anschluss an ihren Auslandsaufenthalt in Deutschland anwenden.

Den Aufbau des Apex Programms kann man sich wie ein Au-Pair-Programm vorstellen – mit dem großen Unterschied, dass therapeutische oder pädagogische Fachkräfte mit Familien vernetzt werden, die eine individuelle Betreuung für ihre Kinder benötigen. „Etwa 80 Prozent dieser Familien haben Kinder mit Special Needs und die Nachfrage ist hoch“ meint Apex Social Gründerin Susan Asay. Diese Familien brauchen keine klassischen Au-Pairs, sondern fachlich ausgebildete Menschen, die sich auskennen und mit den Therapeut*innen vor Ort eng zusammen arbeiten. Der Vorteil für die deutschen Absolvent*innen? Die Teilnehmenden können interkulturelle sowie interdisziplinäre Berufserfahrungen sammeln, was bislang in therapeutischen und pädagogischen Berufen eher selten ist.

Susan Asay, Gründerin von Apex Social
Susan Asay, Gründerin von Apex Social

Im Apex Social Programm werden Fachkräfte praktisch zu Familienmanager*innen und Ansprechpartner*innen für Eltern und amerikanischen Therapeutenteams. Sie erklären den Familien den richtigen Umgang mit ihren Kindern, erleichtern ihnen den Alltag und können durch die 1:1 Betreuung neue Therapieansätze finden. Eine solche Erfahrung hat auch Moritz Merk gemacht, der 2020 in München seinen Abschluss im interdisziplinären Studiengang Angewandte Therapiewissenschaften (B.Sc.) machte.

Warum lohnt sich das Programm?

Der 29-jährige Ergotherapeut Moritz Merk hat 2013 seine Ausbildung beendet und dann in einer deutschen Praxis erste praktische Erfahrung in der Pädiatrie gesammelt. Durch den Hinweis einer Bekannten wurde er auf Apex Social aufmerksam und verbrachte schließlich zwei Jahre lang durch das Programm in den USA. Von 2015 bis 2017 unterstützte er dort Familien in New York, San Francisco und San Diego.

Student Moritz Merk
Student Moritz Merk

In New York betreute Moritz Merk ein autistisches Kind und half der Familie durch ergotherapeutisches Fachwissen mit Alltagssituationen sowie mit dem Autismus umzugehen. Drei Monate verbrachte der Ergotherapeut in San Francisco und 9 Monate in San Diego, wo er hauptsächlich mit Kindern arbeitete, die mit psychosozialen und emotionalen Problematiken zu kämpfen hatten. Dadurch hat der Absolvent nach der Ausbildung umfangreiches und lebensnahes Praxiswissen erworben.

Aber nicht nur das – durch die Arbeit in den USA lernte Merk die evidenzbasierte Therapie kennen, die auch heute in Deutschland nur selten Anwendung findet. Außerdem förderte das Programm seinen Wunsch, sich interdisziplinär weiterzubilden. Vor Ort arbeitete er eng mit den jeweiligen Therapeutenteams zusammen und stand daher auch schon im engen Austausch mit anderen therapeutischen Fachkräften.

Moritz Merk berichtet, wie sich die Erfahrung in den USA auf sein Studium ausgewirkt hat: „Ich habe wirklich noch einmal über den Tellerrand hinausschauen und auch erkennen können, was für einen Mehrwert ein interdisziplinäres Studium wie die Angewandte Therapiewissenschaft mit Logopäden und Physiotherapeuten  für mich hat. Zahlreiche Studien zu Therapien stammen zu 90 Prozent aus den USA oder Australien und Kanada, wo man sich dann ganz konkret mit der evidenzbasierten Therapie und anderen Modellen beschäftigt hat.

Den Begriff „evidance based practice“ habe ich erst im Studium kennengelernt. Aber von der Art, oder von dem Verständnis her, hat sich die Arbeit in der USA mehr mit dieser evidenzbasierten Art beschäftigt. Wenn man diese praktische Erfahrung im Ausland hat, wird alles auf einmal viel realer. Was vorher surreal war, wird plötzlich real. Das fand ich eigentlich das Spannende am Studium selber.“ Durch seine Arbeit in den USA als Vollzeitbetreuer der Familien, hat seine Therapie und seine Herangehensweise eine neue Richtung erhalten. „Du siehst wirklich, wie das Kind im Alltag aussieht und nicht nur in den 45 Minuten in einer Therapieeinheit pro Woche. Das fand ich das Faszinierende. Und durch das Studium lernt man ein ganz anderes Hinterfragen im Bezug auf seine Arbeit, um zu sehen, welche Therapie einem im konkreten Fall sinnvoll erscheint“ betont Merk und fügt hinzu: „Man schaut plötzlich mit einer ganz anderen Art den Menschen an, man sieht nicht nur die Facette des Therapeuten, sondern man sieht auch die Facette des Kindes und auch sein Umfeld und dadurch natürlich auch seine Eltern. Man stellt sich die Frage, was passieren muss und was vor allem auch die Eltern brauchen, um die Therapie effizient umsetzen und stützen zu können. Denn dann kann evident ein langfristiger Fortschritt erkennbar sein.“

Diese lebensnahe Erfahrung in den USA hat Moritz Merk für seine zukünftige Arbeit geprägt und ihn dazu motiviert, sich mit dem berufsbegleitenden Studium weiter für eine evidenzbasierte Therapie zu qualifizieren. In seinem Studium hat er weitere Facetten des evidence based pracitice kennengelernt und das Wissen aus dem Apex Social Programm vertieft. „Ich habe gelernt, mein therapeutisches Handeln zu hinterfragen und neue Möglichkeiten der Therapie zu erschließen. Sowohl das Apex Programm als auch mein Studium haben dazu beigetragen, dass ich meine Arbeit neu definiert habe“, zieht der Alumnus ein Fazit.

Auslandserfahrungen können also dabei helfen, die Arbeit in der Therapie auch in Deutschland voranzubringen und neue Therapiemethoden zu testen. Möchten auch Sie nach Ihrem Studium der Physiotherapie (B.Sc.), Logopädie (B.Sc.) oder Angewandte Gesundheits- und Therapiewissenschaften (B.Sc.) Erfahrungen im Ausland sammeln? Informieren Sie sich auf der Website des Apex Social Programms über die Möglichkeiten.

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