10.09.2021

Auf ein Bier mit… Ein Multitalent porträtiert in seinem Podcast die Stadt Köln

Interview von Andreas Müller

Lukas Paas arbeitet seit seinem Studium als Coach, Trainer und Berater am Deutschen Institut für Marketing und gründete kurz nach seinem Abschluss das erfolgreiche Label Rough & Loyal. Vor einigen Monaten startete er zudem seinen Podcast Nullzwei – Der Köln Podcast. In diesem führt er bei einem Bier in einer Kölner Eckkneipe unterhaltsame, ernste und persönliche Gespräche mit Gästen wie Janine Kunze, Mirja Boes und Peter Brings, spricht mit einem Ultra des 1. FC Köln über die Fanszene und Gewalt im Fußball und erhält von einem Intensivmediziner authentische Einblicke in die coronabedingte Situation auf Intensivstationen.

Wie der Absolvent des Studiengangs International Business Management (B.A.) an der Hochschule Fresenius in Köln auf die Idee zum Podcast kam, welche Erfahrungen er mit seinen Gästen machen konnte und wie er es schafft, dass seine verschiedenen Tätigkeiten voneinander profitieren, darüber spricht er mit uns im Interview.

Sie sind Gründer und Geschäftsführer eines Labels, arbeiten als Coach, Trainer und Berater für Online-Marketing und haben darüber hinaus einen eigenen, erfolgreichen Podcast. Wie kam es dazu? Und wie schaffen Sie das alles?

Ich bin tatsächlich über die Hochschule Fresenius zum Coaching gekommen. Denn der Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing, für das ich heute noch arbeite, Prof. Dr. Michael Bernecker war auch mein Professor. Er nahm mich damals unter seine Fittiche und wurde sozusagen mein Ziehvater. Irgendwann kam bei mir aber der Wunsch auf, zusätzlich zum Coaching etwas Eigenes zu machen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ich habe dann das Hut-Label Rough & Loyal gegründet, das sehr schnell ziemlich groß wurde: Wir beliefern heute etwa 140 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zugleich war der Podcast eine Idee, die ich schon sehr lange mit mir herumgetragen habe und unbedingt machen wollte. Er war erst als YouTube-Kanal geplant, dann kam aber die große Podcast-Welle und das ist in der Umsetzung deutlich simpler.

Wie ich das alles schaffe, ist eine gute Frage. Ich versuche, die Dinge so zu strukturieren, dass ich für alles Zeit habe. Auf diese Weise habe ich eine gut getaktete Woche, wobei die meiste Zeit auf das Label geht. Es gibt aber auch immer Blöcke, in denen ich mir die Zeit nehmen kann, um für den Podcast zu arbeiten, Gäste anzufragen, Sponsoren zu gewinnen und Interviewanfragen zu beantworten.

In Ihrem Podcast sprechen Sie bei einem Bier in einer Kölner Eckkneipe mit Musikern, Schauspielern, Profisportlern, aber auch einem Ultra des 1. FC Köln und einem Intensivmediziner. Welche Idee steckt dahinter?

Lukas Paas sitzt bei der Aufzeichnung des Pocasts Nullzwei an einem Tisch mit Mo-Torres.
Lukas Paas führt in seinem Podcast Nullzwei Gespräche mit prominenten Gästen wie dem Rapper Mo-Torres und Menschen, die nicht berühmt sind, aber eine spannende Geschichte zu erzählen haben.

Mein Anspruch ist, dass niemand erahnen können soll, wer in der nächsten Folge mein Gast sein wird. Es könnte eine prominente Person wie Janine Kunze, Mirja Boes, Mo-Torres oder Peter Brings sein, die ich schon zu Gast hatte, oder eine Person, die nicht berühmt ist. Denn mir ist es vor allem wichtig, dass die Gäste zum Kölner Stadtbild gehören und eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Diese kann aber aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen.

Ich möchte, dass wir in zwei, drei oder auch vier, fünf Jahren eine unglaublich lange Liste an Persönlichkeiten der Stadt Köln haben, die einmal bei mir ihre Geschichte erzählt haben. In den nächsten Wochen werden deshalb auch einige Leute kommen, die man entweder gar nicht kennt, oder bei denen man nicht weiß, was hinter dem, was sie machen, steckt. Ich könnte mir zum Beispiel auch ein Thema wie Kein Veedel für Rassismus vorstellen, weil alle in Köln die Fahnen kennen, aber kaum jemand viel über die Story hinter ihnen weiß. Solche Themen finde ich super.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, den Podcast als Köln-Podcast zu machen?

Ich bin in Wuppertal geboren, bin also kein geborener Kölner. Aber ich habe mich, wie wahrscheinlich viele, in Köln verliebt. Deshalb wollte ich unbedingt eine Art Kaleidoskop der Menschen in der Stadt machen. Ich habe auch einmal versucht, aufzuschreiben, welche Gäste dafür in den Podcast kommen sollten, habe aber schnell gemerkt, dass ich tagelang nur Namen zusammenschreiben könnte. Dabei zeigt eine Sache perfekt, wie Köln tickt: Es ist total leicht, dass auch berühmte Leute in den Podcast kommen. Ich habe zum Beispiel Peter Brings einfach eine Nachricht auf Instagram geschrieben und es hat keine fünf Minuten gedauert, bis er mich angerufen und zugesagt hat. Ich glaube, das ist eine der besonderen Dinge an der Stadt, dass wenn ich in die Anfrage „Der Köln Podcast“ schreibe, jede:r Kölner:in mitmachen will. Wir haben jetzt bei vielleicht 50 angefragten Personen nur zwei Absagen bekommen und diese waren von wirklich sehr prominenten Leuten und der Zeit geschuldet.

Gibt es bestimmte Themen, die Sie in einer Podcastfolge unbedingt spielen wollen?

Bevor ich eine Folge aufnehme, bereite ich mich gut vor. Ich kenne also die meisten Eckdaten, Veröffentlichungen und ähnliches und versuche, das Gespräch recht chronologisch zu machen. Es ergeben sich aber rechts und links immer neue, spannende Themen, sodass letztendlich weder der Gast noch ich selbst wissen, wohin die Reise geht. Das ist das Schöne an dem Podcast: Der Gast kennt die Fragen nicht und ich kenne die Richtung, in die das Gespräch gehen wird, nur zum Teil. Wir gehen also zusammen einen Weg, den wir beide nicht kennen.

Gleichzeitig ist es mir wichtig, den Gästen den Raum zu geben, den sie brauchen, um wirklich etwas über sich und ihr Leben erzählen zu können. Zum Beispiel hat Janine Kunze mit mir lange und persönlich darüber gesprochen, wie sie einen Shitstorm gegen sich erlebt hat. Solche Dinge kann man natürlich auch in der Presse nachlesen, doch die Stimme und die persönliche Perspektive der Menschen werden dort kaum wahrgenommen. Ich denke deshalb, dass die Gäste diese Art von Gespräch auch aus dem Grund mögen, weil sie ansonsten selten die Möglichkeit haben, eine Stunde oder länger ihr Leben zu beschreiben und die Dinge wirklich zu erklären.

Wie sah eigentlich der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Podcast aus?

Lukas Paas sitzt bei der Aufzeichnung des Podcasts Nullzwei mit Peter Brings an einem Tisch.
Mit seinem Podcast möchte Lukas Paas ein Kaleidoskop der Menschen in Köln schaffen und spricht dafür mit Gästen wie Peter Brings, dem Frontmann der Kölner Mundart-Band Brings.

Die Idee war schon lange da und ist gar nicht so uneigennützig, weil ich finde, dass man in Gesprächen mit Menschen unheimlich viel lernt. Auch wenn man sich zum Beispiel in einer Hotelbar mit einer komplett fremden Person unterhält, nimmt man in den meisten Fällen etwas daraus mit. Ich habe mir also gedacht, dass es doch enorm spannend wäre, wenn ich die Möglichkeit hätte, einzuladen, wen ich möchte, und mit der Person reden kann. Dabei habe ich den Podcast wie gesagt erst als YouTube-Kanal geplant und die Idee lange mit mir herumgetragen, weil ich wegen meiner Arbeit, dem Label und dem Coaching, viel durch die Welt gejettet bin und immer zu wenig Zeit hatte. Dann kam aber Corona und nicht nur ich, sondern auch die Leute, die ich einladen wollte, hatten auf einmal Zeit. So haben wir es einfach umgesetzt.

Ich habe am Anfang sehr tiefgestapelt und mir überlegt, zum Beispiel Besitzer von Kneipen einzuladen. Bei den prominenten Leuten habe ich es eigentlich nur nebenbei probiert, doch sie haben zu meiner Überraschung direkt zugesagt. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass das so schnell und so gut funktioniert, und jetzt ist es natürlich schön, dass wir schon 13 Folgen haben, was es noch einmal leichter macht, neue Gäste zu gewinnen. Es ist fast schon ein Selbstläufer geworden, dass ich jetzt regelmäßig mit Menschen rede, die eine spannende Geschichte zu erzählen haben, und das Schöne daran ist, dass ich einladen kann, wen ich möchte: Wenn ich zum Beispiel heute Abend im Fernsehen eine interessante Person aus Köln sehe, kann ich sie direkt anfragen und im Idealfall eine Folge mit ihr machen.

Wie ist es für Sie, wenn Sie einem Menschen, den die meisten wahrscheinlich nur aus dem Internet oder Fernsehen kennen oder dessen Tätigkeit gerade besonders wichtig ist, gegenübersitzen und mit ihm über unterhaltsame, aber auch ernste und persönliche Dinge sprechen?

Lukas Paas sitzt bei der Aufzeichnung des Podcasts Nullzwei an einem Tisch mit Dr. Mark Benecke
In der aktuellen Folge seines Podcasts spricht Lukas Paas mit dem Kriminalbiologen und Spezialisten für forensische Entomologie Dr. Mark Benecke.

Wenn ich mit Gästen wie Peter Brings oder Janine Kunze rede, entzaubert sich für mich die prominente Welt etwas und ich merke, dass da eine ganz normale Person vor mir sitzt, mit der ich über alles Mögliche sprechen kann. Auch die Gesichtszüge werden im Lauf des Gesprächs immer persönlicher, bis irgendwann nicht mehr der berühmte Frontsänger der Band Brings, sondern der Mensch Peter Brings vor mir sitzt.

Gleichzeitig sind mir Themen wie mein Gespräch mit dem Intensivmediziner eine absolute Herzensangelegenheit: Die Folge ist in einer Zeit erschienen, in der gerade wieder viele Verschwörungstheorien hochgekocht sind und viele an der Gefahr, die von Corona ausgeht, gezweifelt haben. Ein Blick in die Intensivstationen war für die meisten aber nicht möglich. Genau diesen Blick wollte ich in die Öffentlichkeit holen, wobei ich mit meinem Gast richtig Glück hatte, weil er es weder zu aufgeregt noch zu unaufgeregt gemacht hat. Es war wahnsinnig spannend und teilweise wirklich ergreifend zu hören, was zu dieser Zeit auf den Intensivstationen passierte.

Sie machen nicht nur den Podcast, sondern arbeiten auch als Coach, Trainer und Berater für Online-Marketing und haben zudem mit Rough & Loyal ein eigenes Label gegründet. Wie passen Ihre Tätigkeiten für Sie zusammen?

Die Tätigkeiten ergänzen sich für mich sehr gut. Denn das Label und der Podcast sind für mich sozusagen Spielwiesen, auf denen ich neue Ideen entwickeln, sie umsetzen und Dinge ausprobieren kann. Das, was ich daraus lerne, kann ich dann wiederum für das Coaching und meine Kund:innen nutzbar machen. Es ist also eine schöne Kombination, weil ich das, was ich beim Coaching erzähle, bei meinem Label und dem Podcast selbst mache, und gleichzeitig das, was ich bei diesen neu lerne, an meine Kund:innen weitergeben kann.

Inwiefern hat Ihnen Ihr Studium an der Hochschule Fresenius auf Ihrem beruflichen Weg geholfen? Und gibt es etwas, auf das Sie noch heute zurückgreifen?

Ich bin jemand, der versucht, die Dinge nicht nur theoretisch, sondern immer auch praktisch zu sehen. Das habe ich an der Hochschule Fresenius gelernt oder wurde dort zumindest sehr stark darin gefördert. Ich habe dort das Lernen gelernt und gelernt, nicht nur in die Theorie einzutauchen, sondern die Dinge auch auszuprobieren, sie zu machen und dabei auch einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Zudem habe ich Prof. Dr. Michael Bernecker, der mich an das Deutsche Institut für Marketing geholt hat, viel zu verdanken, weil er mir das Wissen, das ich haben wollte, nahegebracht hat, und mich persönlich gefördert hat.

Heute greife ich vor allem darauf zurück, was ich über das wissenschaftliche Arbeiten gelernt habe. Ich suche, wenn ich vor einem Problem stehe, nach eigenen Lösungen, recherchiere und schlage in Büchern nach. Zum Beispiel wurde mir vor einiger Zeit klar, dass ich meine beruflichen Aufgaben zeitlich nicht mehr schaffe und ich nicht jeden Abend bis Mitternacht oder noch länger arbeiten kann. Ich habe mir deshalb Gedanken über mein Zeitmanagement gemacht und bin dabei den Weg gegangen, den ich an der Hochschule gelernt habe. So habe ich eine eigene Lösung gefunden und eine Zeitstruktur, die zu mir und meiner Arbeit passt.

Erst Coaching und Beratung, dann ein eigenes Label und nun ein erfolgreicher Podcast – was kommt bei Ihnen als Nächstes?

Die Dinge, die ich jetzt mache, sind alle in der Online-Welt angesiedelt und haben einen starken Bezug zum Online-Marketing. Ich würde aber gerne auch einmal etwas in der Offline-Welt machen und kann mir gut vorstellen, in Richtung Gastronomie zu gehen und vielleicht ein Café zu eröffnen. Das ist eine Sache, die ich mir schon länger überlege, doch ich habe noch keine konkreten Pläne. Es wird auch sicherlich noch ein paar Jahre dauern, weil solche Ideen bei mir lange wachsen, bis irgendwann einmal der Punkt kommt, an dem ich sie mache. Die Lust ist aber auf jeden Fall da.

Porträtbild Lukas Paas in grauem Pullover und mit einem Hut vor einem Regal mit Hüten.„Das ist das Schöne an dem Podcast: Der Gast kennt die Fragen nicht und ich kenne die Richtung, in die das Gespräch gehen wird, nur zum Teil. Wir gehen also zusammen einen Weg, den wir beide nicht kennen.“

Lukas Paas studierte an International Business Management (B.A.) an der Hochschule Fresenius in Köln. Die Folgen seines Podcasts sind auf Spotify und Apple Podcasts abrufbar.

Zurück zum Seitenanfang