Gesundheit beginnt im Kopf

Das Thema Betriebliche Gesundheitsförderung steht längst ganz oben auf der Agenda deutscher Unternehmen. In der Praxis setzen die Firmen dabei auf ganz unterschiedliche Maßnahmen. Die zentrale IT-Abteilung von Siemens, Kooperationspartner der Hochschule Fresenius, hat beispielsweise das Programm „Stark bei Stress“ ins Leben gerufen. Nun durften Studierende des Münchner Standorts untersuchen, wie es bei den Mitarbeitern ankommt.

„Die Gesundheit der Mitarbeiter ist zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, sagt Karin Parkhof, Internal Communication-Managerin bei Siemens. Sie leitet das betriebsinterne Programm „Stark bei Stress“, das Mitarbeiter für das Thema Gesundheit sensibilisieren und ihnen aufzeigen soll, welche Maßnahmen sie im Falle von Stresssituationen ergreifen können.

„Nachdem das Programm schon eine Weile gelaufen war, sahen wir den Zeitpunkt gekommen, seine Effekte zu messen“, so Parkhof. Schnell war die Idee geboren, Studierende der Hochschule Fresenius München damit zu beauftragen. Einen guten Draht zur Hochschule habe es bereits zuvor gegeben, begründet Parkhof.

Zwei studentische Projektgruppen machten sich schließlich im Sommersemester 2014 ans Werk. Ihnen zur Seite stand dabei Prof. Dr. Jörg Buchtal, Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Fresenius München und Stressexperte. „Psychische Belastungen von Arbeitnehmern, deren Auswirkungen auf den Organismus und auch deren Prävention sind mein wissenschaftliches Kernthema. Es hat mich daher sehr gefreut, die Rolle des Projektmentors übernehmen zu können“, so Buchtal.

Die Studierenden hätten sich der Fragestellung sehr kreativ und gleichzeitig sehr sorgfältig angenähert, lobt der Wirtschaftspsychologe rückblickend. Im Gespräch mit adhibeo zeigt er sich überzeugt, „dass die Handlungsempfehlungen, die die Projektgruppen auf Basis ihrer Umfrageergebnisse entwickelt haben, für Siemens sehr hilfreich sein werden.“

DIE UMFRAGE ZEIGT: BEIM THEMA GESUNDHEIT BESTEHEN UNTER DEN SIEMENS-MITARBEITERN EINSTELLUNGSUNTERSCHIEDE

„Wir werden den Großteil der Vorschläge umsetzen“, bestätigt auch Karin Parkhof. Die Studie habe gezeigt, dass man – will man das Programm „Stark bei Stress“ erfolgreich fortführen – ganz spezifisch auf unterschiedliche Belegschaftsgruppen eingehen müsse: „Während ältere Mitarbeiter ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein an den Tag legen und für unser Programm empfänglicher sind, messen jüngere dem Thema Gesundheit und somit auch dem ‚Stark bei Stress‘-Programm einen geringeren Stellenwert bei.“ Eine ähnliche Haltung finde man gemäß den Umfrageergebnissen auch bei leitenden Angestellten.

Vor allem diese weniger gesundheitsbewussten Personen gilt es nun zu mobilisieren – natürlich ohne dabei Zwang auszuüben: „Der Sinn des Programms ist es, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass es wichtig ist, den eigenen Körper aufmerksam zu beobachten“, erklärt Parkhof. Die Verantwortung für die eigene Gesundheit werde in Deutschland zu häufig an andere abgegeben – „doch letztlich ist hier jeder seines gesundheitlichen Glückes Schmied.“ Das müsse man auch den Siemens-Mitarbeitern klar machen, so Parkhof.

Ihren Beobachtungen zufolge ist das teilweise dank „Stark bei Stress“ schon gelungen: „Ich bemerke, wie Kollegen stärker auf die Ernährung achten und sich bewusst ihre Pausen nehmen. Unsere Bemühungen waren also keineswegs umsonst.“