18.12.2020

Tourismus und Krisen – digitaler Gastvortrag in München

Beitrag der Redaktion

An der Hochschule Fresenius in München erhielten Studierende aller Semester des Studiengangs Tourismus-, Hotel- und Eventmanagement (B.A.) die Möglichkeit, an einem Online-Gastvortrag von Jean-Marc Flambert teilzunehmen. Dabei erfuhren sie mehr über das Thema Tourismus und Krisen und warfen zudem einen Blick auf die Tsunami-Katastrophe 2004 in Sri Lanka.

Im Rahmen des Gastvortrags berichtete Jean-Mark Flambert nicht nur von seinen Erfahrungen als Marketing-Direktor und Consultant für krisengeschüttelte Länder wie Saint Lucia, Antigua und Barbuda sowie Haiti, sondern sprach auch über seine Tätigkeit in Sri Lanka während der Tsunami-Katastrophe im Jahr 2004: Er hatte gerade angefangen, für das Tourism Board Sri Lanka zu arbeiten, als der Tsunami das Land einholte. Daher konnte er den Studierenden zahlreiche Einblicke in die Maßnahmen, die anschließend ergriffen wurden, und die Schritte zur Wiederherstellung des Tourismus geben.

Für Sri Lanka war in der ersten Phase nach der Katastrophe die Rückführung der gestrandeten Touristen in ihre jeweiligen Heimatländer und die Organisation eines Callcenters für Angehörige der Touristen eine zentrale Aufgabe, um die Krise zu bewältigen. Dabei gab es viele Hürden zu überwinden:

  • Busse, die in betroffene Regionen geschickt wurden, um Urlauber in ihre Heimatländer zurückzuführen, kamen leer zurück, weil die einheimische Bevölkerung bereits viele Touristen aufgenommen hatte, um sie zu versorgen.
  • Auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl war zu dieser Zeit in Sri Lanka, was zusätzliche Herausforderungen mit sich brachte, da die Sicherheit und Rückführung eines VIP sichergestellt werden musste.
  • Im Callcenter erkundigten sich viele Deutsche nicht nur nach vermissten Bekannten und Freunden, sondern besonders auch nach einheimischen Kellnern und Angestellten von Hotels, die sie während früherer Urlaube kennengelernt hatten.

In der Zeit nach der Katastrophe musste das Vertrauen der Touristen in das Reiseziel wiederhergestellt werden. Dabei erwies sich die Erkenntnis, dass dieses von den Reisenden selbst kommen muss, um glaubwürdig zu sein, als wegweisend. Zusätzlich erkannte man, dass die einheimische Bevölkerung für Touristen die Hauptmotivation für einen Besuch des Landes darstellt. Daher konzentrierten sich die Marketingmaßnahmen auf die Themen Our People und Bounce Back.

Während des Vortrags hatten die Studierenden zahlreiche Gelegenheiten, Fragen zu stellen und mitzudiskutieren. Besonders interessierte sie dabei, ob Sri Lanka mittlerweile über einen Krisenplan verfügt. Darüber hinaus diskutierten sie darüber, wie sich der Tourismus in dem Land nach der Corona-Pandemie entwickeln sollte und was getan werden muss, damit ein normales Urlaubserlebnis wieder möglich wird.

Jean-Marc Flambert begrüßte und verabschiedete die Studierenden mit einem Gruß aus Sri Lanka, „Ayubowan“, was übersetzt bedeutet: „Möget ihr mit langem Leben gesegnet sein.“

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