18.04.2019

Mit der mobilen Praxis unterwegs

Interview

Eigentlich hatte sich Erfan Barogh für seine berufliche Zukunft eine klassische Bürotätigkeit vorgestellt. Tatsächlich kam es aber anders: Heute arbeitet der 30-Jährige Alumnus der Hochschule Fresenius als Rettungsassistent und als angestellter Physiotherapeut. Vor einem Jahr hat er sich außerdem mit seinem eigenen Unternehmen „physiotruck“ selbstständig gemacht. Mit der mobilen Physiotherapie-Praxis betreut er seitdem Klienten bei Großveranstaltungen und in Unternehmen. Wie es dazu kam und wie sein Berufsalltag heute aussieht, erzählt Erfan Barogh im Interview.

Sie haben Ihr Fachabitur im Bereich Wirtschaft und Verwaltung absolviert und wollten eigentlich in einem klassischen Bürojob arbeiten. Heute sind Sie als Rettungsassistent und Physiotherapeut im Gesundheitsbereich tätig. Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Meinung geändert haben?

Ich habe mein Jahrespraktikum im Rahmen meines Fachabiturs bei einer Versicherung abgeleistet und dort recht schnell gemerkt, dass mir ein Schreibtisch-Job auf die Dauer nicht liegen würde. Deshalb habe ich nach meinem Abschluss zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte absolviert. Im Laufe dieses Jahres konnten wir auch immer wieder an FSJ-Seminaren teilnehmen. Bei einem dieser Seminare habe ich dann einen Rettungssanitäter kennengelernt. Was er erzählt hat, hat mich für diesen Beruf begeistert. Deshalb habe ich mich 2008 dazu entschlossen, die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten anzutreten. In diesem Beruf habe ich dann zwei Jahre in Vollzeit gearbeitet.

Wieso haben Sie sich dann dazu entschlossen, an der Hochschule Fresenius ein Physiotherapie-Studium zu beginnen?

Während meiner Arbeit als Rettungsassistent hatte ich viel mit Menschen und medizinischen Themen zu tun. Bei diesem Job bleibt es aber bei der notfallmedizinischen Erstversorgung. Viele Patienten, zu denen wir gerufen wurden, hatten einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerwiegende Verletzungen und mussten nach ihrem Krankenhausaufenthalt in die Reha. Mich hat immer interessiert, was mit den Menschen passiert, nachdem sie im Krankenhaus angekommen sind. Wie sieht ihre weitere Behandlung aus und was wird getan, um ihre Beschwerden wieder zu verbessern? Deshalb kam bei mir der Wunsch auf, ein Studium zum Physiotherapeuten zu beginnen und ein Teil dieses Prozesses zu werden.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit dem „physiotruck“ eine mobile Physiotherapie-Praxis zu gründen?

Während meines Physiotherapie-Studiums an der Hochschule Fresenius habe ich weiterhin in Teilzeit als Rettungsassistent gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt, dass der Rettungsdienst häufig wegen vermeintlicher Bandscheibenvorfälle alarmiert wird. Oft hat sich dann herausgestellt, dass diese Schmerzen eine ganz andere Ursache hatten, wie zum Beispiel muskuläre Verspannungen. Das wurde mir durch mein Know-how aus dem Studium klar. Einmal sagte ein Patient daraufhin zu mir, dass er froh wäre, wenn ein mobiler Notfallservice auch von Therapeuten angeboten würde. Die Idee zu „physiotruck“ war geboren.

Was ist das Konzept hinter „physiotruck“?

Einen Notfallservice kann ich leider nicht anbieten. Da müsste ich immer auf Abruf bereitstehen, was sich finanziell nicht lohnen würde. Bei Einzelbehandlungen für Privatpersonen wäre das ähnlich. Tatsächlich ist es so, dass man den „physiotruck“ als Unternehmen, Behörde oder ähnliches, im Sinne der betrieblichen Gesundheitsförderung, buchen kann. Viele Firmen entscheiden sich dafür, weil sie so aktiv etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun können. Aber auch bei Events, wie dem World Fitness Day in Frankfurt, war ich schon tätig.

Dabei biete ich zum Beispiel medizinische Massagen, Personal Training, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Taping, Schröpfen und Triggerpunkttherapie an. Damit möchte ich die Lebensqualität meiner Klienten steigern. Akuterkrankungen darf ich in diesem Rahmen allerdings nicht behandeln.

Sie haben aktuell zwei Anstellungen in Teilzeit und sind mit Ihrem eigenen Unternehmen selbstständig. Gleichzeitig renovieren Sie gerade ein Haus, in dem Sie im Sommer Ihre eigene Physiotherapie-Praxis eröffnen wollen. Welche Tipps können Sie anderen aufgrund Ihrer Erfahrungen mitgeben?

Wenn man von seiner eigenen Idee überzeugt ist, dann sollte man sich mit seiner ganzen Energie darauf konzentrieren, diese auch umzusetzen. Die Physiotherapie ist ein Handwerk und dennoch kann man damit durchaus erfolgreich sein, auch wenn in den Therapieberufen generell eher weniger gut gezahlt wird. Ich denke da immer an Udo Waltz, der es geschafft hat, mit seinem Handwerk zum Friseur der Stars aufzusteigen.

Natürlich ist es oft anstrengend, aber es bringt auch viel Spaß, gefordert zu werden und sich Sachen zu erarbeiten. Ich denke deshalb, man sollte den Weg in die Selbstständigkeit auch im Gesundheitsbereich auf keinen Fall scheuen.

Es hilft außerdem sehr, wenn man eine Familie und Freunde hat, die einen unterstützen. Insbesondere meine Freundin Tamara ist mir eine große Hilfe. Sie hat beispielsweise die Website für „physiotruck“ erstellt, kümmert sich um unseren Social Media Auftritt und die Buchhaltung. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.

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