Von Forschung und Lehre

Seit fast 175 Jahren steht die Hochschule Fresenius für Forschung und Lehre. Begonnen hat alles 1848 mit dem Chemischen Laboratorium Fresenius, in dem Gründervater Carl Remigius Fresenius nicht nur forschte, sondern auch angehende Chemietechniker ausbildete. Aus seinem Wunsch heraus, neues Wissen zu erlangen und dieses an die nächste Generation weiterzugeben, entstand die Hochschule Fresenius, an der Jung und Alt heute nebeneinander arbeiten, voneinander lernen und neue Methoden entwickeln. Das Ganze beschränkt sich mittlerweile aber längst nicht mehr nur auf die Chemie. Auch Wirtschaft, Design oder Medizin sind wichtige Stützpfeiler der Forschung und Lehre geworden. Ein Beispiel dafür ist Dr. Iris Hermanns, Dozentin des Studiengangs Biosciences – Angewandte Biologie für Medizin und Pharmazie (B.Sc.), die ihren Studierenden Anfang des Jahres beibrachte, mit welcher Methode Immun-Antworten nachgewiesen werden kann.

Portrait von Iris Hermanns
Prof. Dr. Iris Hermanns im Labor

MEDIZINISCHE FORSCHUNG – ZWISCHEN BEWÄHRTEN METHODEN UND BRANDAKTUELLEN THEMEN

Krankheiten beschäftigen alle, sei es die Corona-Pandemie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Krankheiten wie Krebs. Um den Betroffenen zu gedenken, wurde deshalb bereits im Jahr 1993 von Papst Johannes Paul II. der Welttag der Kranken (11. Februar) eingeführt. Auch aus medizinischer Sicht ist das sinnvoll, findet Iris Hermanns, denn gerade die Corona-Pandemie hat uns allen vor Augen geführt, dass es nicht nur gesunde Menschen gibt und was Krankheit für die Gesellschaft bedeuten kann. Um so wichtiger ist die moderne medizinische Forschung.

WAS IST KRANKHEIT UND WIE REAGIEREN WIR DARAUF?

Ist der Welttag der Kranken ursprünglich als Gedenktag für betroffene Menschen gedacht, legt die Dozentin aus Idstein die Bedeutung noch weiter aus: „Den Welttag der Kranken können wir auch aus Forschungssicht nutzen und uns bewusst machen, was ‚Krankheit‘ denn eigentlich bedeutet. Was ist eine Krankheit und wo beginnt kranksein?“ Die Corona-Pandemie hat es deutlicher als zuvor herausgestellt, dass auch psychische Belastungen krankmachen können und Burn-out, Einsamkeit und Co sich auf die körperliche Gesundheit auswirken. „Es ist erwiesen, dass psychische Erkrankungen sich auf das Immunsystem auswirken. Wenn es uns gut geht, funktioniert das Immunsystem auch besser und wir werden seltener krank“, erläutert Hermanns.

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Lockdowns also wichtiger denn je: das Immunsystem zu unterstützen. Hier kommt die Forschung ins Spiel, für die Hermanns ihre Studierenden ausbildet. Der Studiengang im Bereich Biosciences vermittelt den Studierenden die Grundlagen, um in die medizinische Forschung einzusteigen.

IMMUN-ANTWORTEN AUF VIRUS UND IMPFUNG

Studierende des dritten und siebten Semesters des Studiengangs Biosciences – angewandte Biologie für Medizin und Pharmazie (B.Sc.) hatten im Januar die Gelegenheit durch das Unternehmen Oxford Immunotec das Vorgehen zum Testen der T-Zell-Antwort kennenzulernen. „Im Blut können nicht nur Antikörper zu einem bestimmten Virus nachgewiesen werden, sondern die zelluläre Immunität, die sogenannte T-Zell-Antwort, untersucht werden“, erklärt die Dozentin und fügt hinzu: „Hierbei kann unterschieden werden, ob eine Immunität wegen eines Impfstoffes oder wegen einer vorherigen Begegnung mit dem Virus besteht.“

Die Studierenden erhielten mit einer bereits bewährten Vorgehensweise intensiven Einblick in die Methodik zum Erkennen der T-Zell-Antwort anhand eines topaktuellen Themas: der Corona-Pandemie. Das Verfahren wurde den Studierenden zunächst theoretisch erklärt und dann praktisch mit Proband:innen des Kurses durchgeführt (siehe Bild links). „Man kann mit diesem Test die Reaktion auf verschiedene Proteine testen, die T-Zell-Antwort wird dann optisch sichtbar gemacht. Das Interessante: Es unterscheiden sich nicht nur geimpfte von genesenen Personen, sondern es gibt noch ein drittes Bild von Geimpften, die auch genesen sind – ob sie es wissen oder nicht“, führt Hermanns aus.

Hieran könnten die Studierenden in ihren Praktika beispielsweise anknüpfen und so differenziert herausfinden, wer in der Vergangenheit bereits mit Corona infiziert war und wer nicht. Die Tests würden dies auch zeigen, wenn jemand einen asymptomatischen Verlauf hatte.

„Die Immunantwort verschiedener Menschen zu erkennen, ist für die moderne Medizin ungemein wichtig. Wir sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, von allgemeiner Diagnostik und Behandlung zur individualisierten Medizin zu kommen. Wir sagen also nicht mehr nur ‚Person A und B haben Lungenkrebs‘, sondern ‚Person A hat Lungenkrebs in Sektion 1 und Person B hat Lungenkrebs in Sektion 2‘ – das hat große Auswirkungen für die Behandlung der beiden Personen“, erklärt die Dozentin.

Sie wünscht sich, dass Verfahren wie die T-Zell-Antwort auch in Zukunft sowohl theoretisch als auch praktisch den Studierenden nähergebracht werden können, um die individualisierte Medizin weiter voranzutreiben. „Für die zukünftige Forschungsarbeit der Studierenden ist es wichtig, dass sie solche Verfahren kennen und daraus Erkenntnisse ableiten. So möchten wir in Zukunft beispielsweise herausfinden, wie lange diese T-Zell-Antwort gegeben ist, also wie lang ein Mensch immun ist. Diese Forschung ist bereits im Gange und wir können dies in den Praktika direkt mit den Studierenden weiterverfolgen. So verschmelzen Praxis und Theorie“, schließt Hermanns.

Der Vorteil von der Beobachtung einzelner Zellen, wie sie in der Krebsforschung und für die individualisierte Medizin bereits genutzt wird: Erkenntnisse können auf andere Bereiche der medizinischen Forschung übertragen werden und dadurch beispielsweise der Entwicklung von Impfstoffen helfen. So profitiert ein völlig neues, brandaktuelles Thema von Jahren der medizinischen Forschung.

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