16.06.2020

Hochschulprofessorin engagiert sich für Patienten mit chronischen Schmerzen

Portrait von Barbara Debold

Im Fachbereich Gesundheit & Soziales ist Prof. Dr. Britta Lambers bereits seit 2016 für die Hochschule Fresenius tätig. Sie lehrt als Professorin für Gesundheitsversorgung v.a. die Fächer Gesundheitsökonomie und Wissenschaftliches Arbeiten in unterschiedlichen Studiengängen. Außerdem leitet sie ein Forschungsprojekt zum Thema Soziale Einflussfaktoren auf den chronischen Schmerz u.a. in Kooperation mit dem Interdisziplinären Schmerzzentrum der Albert-Ludwig Universität Freiburg.

Darüber hinaus ist Prof. Dr. Lambers als Mitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. aktiv im Arbeitskreis Patienteninformation tätig und engagiert sich im erweiterten Vorstand des UVSD SchmerzLos e.V.. Zu Zeiten der Coronapandemie beschäftigt sie die besonders herausfordernde Versorgungssituation von Patienten mit chronischem Schmerz. „Schon unter regulären Bedingungen herrscht eine Unter- und Fehlversorgung von an chronischen Schmerzen leidenden Menschen.“, erzählt sie uns.

Der Ausbruch der Coronapandemie hat die Situation verschärft: Aufgrund der Vorhaltung von Betten für Covid-19-Patienten in stationären Einrichtungen standen bisher weit weniger Kapazitäten als üblich zur Verfügung – hinzu kommt die vorschriftsmäßige Abstandshaltung, die zusätzlich die Anzahl der Betten reduziert. Zwischenzeitlich hat sich die Lage schon etwas positiver entwickelt. Es können je nach Region wieder mehr stationäre Versorgungsplätze angeboten werden. Viele schmerzlindernde Operationen mussten bis auf weiteres verschoben werden. Dies kann für Patienten, die z.B. einen Neuromodulator tragen oder bekommen sollen, eine Zeit voller Unsicherheit und vermehrtem Schmerz bedeuten und zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit führen. Zudem existieren aktuell eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten im Krankenhaus. Es ist bekannt, dass die Chronifizierung und Schmerzentwicklung auf bio-psycho-soziale Umstände reagiert und wie wichtig die Begleitung durch Angehörige ist. Dies ist ein zusätzliches Leid für die Betroffenen.

Auch im ambulanten Sektor ist die Versorgung erschwert. Es dürfen sich nicht zu viele Patienten in denselben Räumen einer Praxis, z.B. im Wartebereich, aufhalten. Zudem sind die Niederlassungen von zertifizierten Schmerzmedizinern nicht in jeder Stadt anzufinden und dies erfordert lange Anfahrtswege für Betroffenen aus umliegenden Ortschaften. Aufgrund vermehrter Ängste bezüglich einer Infektion vermeiden Patienten daher zurzeit die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und einen Besuch schmerzmedizinischer Praxen.

Manche Ärzte bieten zwar digitale Sprechstunden an. Doch dies kann nur eine Übergangslösung sein. Zum einen sind die datenschutzrechtlichen Anforderungen bei der digitalen Umsetzung ärztlicher Konsultationen weitaus höher als im Regelfall. Zum anderen ist für chronische Schmerzen eine multimodale und interdisziplinäre Therapie zurzeit der Goldstandard der Versorgung. Dazu zählen über ärztliche Konsultationen hinaus die psycho-, ergo- und physiotherapeutische Begleitung. Eine digitale Variante ist bei vielen dieser Therapien nicht umsetzbar.

„Auch der Rehasektor ist von den coronabedingten Einschränkungen stark betroffen: Schon bewilligte Rehabilitationsmaßnahmen wurden ohne Angabe eines Alternativtermins abgesagt. Ohne Kenntnis, wann die Therapie aufgenommen werden kann, sind viele Patienten überfordert, an wen sie sich in der Zwischenzeit wenden oder wie sie bis dahin ihre Schmerzen in einem erträglichen Maß halten können.“, berichtet Prof. Dr. Lambers aus ihrer Erfahrung.

Das Angebot organisierter Selbsthilfe über Verbände, welches normalerweise Engpässe und Versorgungsglücken im Gesundheitswesen überbrückt, wurde ebenfalls zurückgefahren. Viele Selbsthilfegruppen und andere -aktivitäten können zurzeit nicht oder nur stark eingeschränkt stattfinden.

Der Patientenverband Migräneliga e.V. berichtet, dass die Anfragen nach alternativen und komplementären Heilmethoden sprunghaft angestiegen sind und dass eine gesteigerte Bereitschaft für Privatzahlung von Methoden ohne Wirksamkeitsnachweis unter Betroffenen besteht. Prof. Dr. Lambers vermutet ein Risiko zur vermehrten Ausbreitung unseriöser Angebote auf dem zweiten Gesundheitsmarkt. Dem entgegenstehen kann nur eine breite Streuung professioneller Informationen zu bestehenden Therapiemöglichkeiten und Versorgungsalternativen.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. zeigt sich aufgrund der herausfordernden Lage aktiv und hat spontan Videokonferenzen und Patientenhotlines mit verschiedenen Expertenteams eingerichtet, an denen auch Prof. Dr. Lambers mitwirkt. Um die Versorgungsengpässe und Schwierigkeiten noch besser zu verstehen, hat der Verband UVSD SchmerzLos e.V. in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Lambers eine Umfrage unter Betroffenen gestartet. Am Aktionstag gegen den Schmerz (02. Juni 2020) wurden sowohl die Ergebnisse der Umfrage als auch die bisherigen Erfahrungen der digitalen Angebote in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Britta Lambers engagiert sich für Menschen mit chronischen Schmerzen

Prof. Dr. Lambers zieht ein erstes Zwischenfazit: „Die Einrichtung dieser Telefonkonferenzen bietet nicht nur einen möglichen sozialen Kontakt für Betroffene zur Beantwortung von Fragen, sondern gleichermaßen einen Austausch zwischen Betroffenen und Experten, wodurch beide Seiten wertvolle Hinweise erhalten. Ich bin wirklich beeindruckt, wie viele Informationen über die Versorgungssituation wir schon an den ersten Terminen haben sammeln können. Diese zu empfangen ist das eine – die Deutsche Schmerzgesellschaft und der UVSD SchmerzLos e.V. möchten daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, die mit relevanten Entscheidern aus Politik und Selbstverwaltung diskutiert werden sollen, um die Situation der Versorgung für Schmerzpatienten auch über die Coronapandemie hinaus nachhaltig zu verbessern.”

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