08.07.2021

Nachbericht: Gemeinsam Worte finden – Sexualisierte Gewalt als Thema der Sozialen Arbeit

Beitrag von Barbara Debold

Im Juni stellten Studierende des Studiengangs Soziale Arbeit (B.A.) in München ihre Projektarbeiten zum Thema „Sexualisierte Gewalt in der Sozialen Arbeit“ vor, die im Rahmen des 4. Studiensemesters angefertigt wurden. An dem virtuellen Event nahmen auch Praxispartner:innen und Wissenschaftler:innen teil.

Das Thema traf sowohl bei Fachkräften als auch bei den Studierenden der Hochschule Fresenius einen Nerv: Denn obwohl sexualisierte Gewalt im Alltag sehr häufig anzutreffen ist, wird man in Studium und Ausbildung für einen Beruf im Bereich Soziale Arbeit nicht ausreichend darauf vorbereitet, mit solchen Situationen umzugehen.

Wie Studiendekanin Prof. Dr. Inga Pinhard in ihrer Begrüßung betonte, bleibt dieses Thema oftmals ungehört und es fehlen Handlungskonzepte im Umgang mit Betroffenen und Tätern sowie das Wissen um passende Unterstützungsangebote. Ziel der Projektarbeiten war es deshalb, ein E-Learning-Modul zu entwickeln, welches ins Studiencurriculum integriert, stets erweitert, und auch Studierenden anderer Studiengänge zur Verfügung gestellt werden kann.

Zu Beginn des Symposiums hielt Dr. Milena Noll, Sozialpädagogin und Lehrbeauftragte an der Goethe Universität in Frankfurt, einen Gastvortrag zum Thema „Disclosure professionstheoretisch – vertrauen, misstrauen und anerkennen“. Dabei betonte die Expertin, dass es insbesondere Kindern schwerfällt, das Gespräch zu suchen und sich zu öffnen, wenn ihnen sexualisierte Gewalt widerfahren ist. Eltern werden dabei häufig nicht als erste Ansprechpersonen wahrgenommen. Daher sei es umso wichtiger, dass Personen in einem institutionellen Kontext dazu in der Lage sind, angemessen auf eine solche Offenbarung zu reagieren. Dies sei eine wichtige Grundlage für den gesamten Disclosureprozess.

Anschließend stellten die Studierenden ihre Projekte vor, die sich auf vielfältige Weise mit dem Thema Sexualisierte Gewalt auseinandergesetzt haben.

Titelbild Podcast "Schweigen brechen"
Titelbild des Podcasts “Schweigen brechen”

So produzierten vier Studentinnen einen Podcast unter dem Motto „Schweigen brechen“, welcher sich mit der Aufklärung und der Vermittlung von Fachwissen zu den Themenbereichen sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt befasst. Den Hörer:innen sollen dabei die verschiedenen Formen, Rechtsgrundlagen und Empowerment Strategien nähergebracht werden. Im Rahmen des Events konnten die Teilnehmer:innen in die erste Podcastfolge reinhören, in welcher die Produzentinnen eigene Erfahrungen als Ausgangspunkt ihrer theoretischen Reflexionen nehmen.

Unter dem Motto „Grauzonen gibt es nicht – Sexuelle Belästigung/Gewalt am Arbeitsplatz“ stellte die zweite Studierendengruppe Ergebnisse aus einer Umfrage vor, welche im Rahmen eines Praxisprojekts durchgeführt wurde. Belästigungen am Arbeitsplatz gehören leider noch immer zum Alltag vieler Arbeitnehmer:innen. Die Umfrage zeigt zum Beispiel auch, dass Männer sich mit dem Thema nicht so stark identifizieren können wie Frauen, da sie weniger häufig davon betroffen sind. Ziel des Projekts war es, zu informieren, sensibilisieren und Unterstützungsstrategien für betroffene Personen aufzuzeigen.

Zeichnung von Smartphone und einer Lupe
Download der Broschüre zum Thema Cypergrooming

Auch den Beteiligten Studierenden des nächsten Projekts war dies ein Anliegen. Diese Gruppe interviewte eine Expertin, um herauszufinden, welche Handlungsmöglichkeiten Fachkräfte und Studierende der Sozialen Arbeit haben, wenn es um das Thema Cybergrooming und sexualisierte Gewalt in den sozialen Medien geht. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte das Projektteam eine Broschüre, mit welcher Eltern und Betroffene aufgeklärt und unterstützt werden können.

Das vierte Projekt stellte sich die Frage, wie Jugendliche und junge Erwachsene Sexismus im Alltag erleben. Nach einer Erklärung der wichtigsten Begriffe wurden verschiedene Präventions- und Schutzkonzepte unter der Perspektive „Grenzen setzen“ vorgestellt. Zudem wurde mit einer Expertin aus der Mädchenarbeit in München diskutiert, welche Standards und Kriterien für eine erfolgreiche Präventionsarbeit in diesem Bereich erforderlich sind.

Frau schaut im Parkhaus zurück auf Mann mit Kapuzenpulli
Beispielkarte aus dem Kartenset

Den Abschluss bildete ein Praxisprojekt, das aus Erfahrungen der Jugendverbandsarbeit, also aus der Praxis für die Praxis entwickelt wurde. Die Projektgruppe stellte Diskussions- & Präventionskarten vor, welche als pädagogische Unterstützung für die Präventionsarbeit mit Jugendlichen entwickelt und gestaltet wurden. Sozialarbeiter:innen können so  dem Thema sexualisierte Gewalt in Jugendgruppen spielerisch begegnen und eine aufklärende Diskussion anregen.

Dieses Kartenset kann von Sozialarbeiter:innen über die Studiengangsleiterin Prof. Dr. Inga Pinhard angefordert werden.

Im Anschluss diskutierten die Studierenden mit den anwesenden Fachkräften und Praxispartner:innen darüber, wie das Thema sexualisierte Gewalt künftig besser ins Studium der Sozialen Arbeit integriert werden kann.

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